Volksinitiative
Vom Mändi bis Donnschti Schwizerdütsch - dann Hochdeutsch

Die Solothurner SVP verlangt «Mundart im Kindergarten» – meistens jedenfalls. Im zweiten Kindergartenjahr darf nach dem Willen der Partei an einem Tag auch Hochdeutsch gesprochen werden.

Christian Von Arx
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«Schnäggli, Tröpfli, Chriesi» oder «Schnecke, Tropfen, Kirschen»? Die Unterrichtssprache im Kindergarten wird nun auch im Kanton Solothurn Thema einer Volksinitiative. Bruno Kissling «Schnäggli, Tröpfli» oder «Schnecke, Tropfen»? Der Spracherwerb im Kindergarten wird im Kanton Solothurn Thema einer Volksinitiative. bko «Schnäggli, Tröpfli» oder «Schnecke, Tropfen»? Der Spracherwerb im Kindergarten wird im Kanton Solothurn Thema einer Volksinitiative. bko

«Schnäggli, Tröpfli, Chriesi» oder «Schnecke, Tropfen, Kirschen»? Die Unterrichtssprache im Kindergarten wird nun auch im Kanton Solothurn Thema einer Volksinitiative. Bruno Kissling «Schnäggli, Tröpfli» oder «Schnecke, Tropfen»? Der Spracherwerb im Kindergarten wird im Kanton Solothurn Thema einer Volksinitiative. bko «Schnäggli, Tröpfli» oder «Schnecke, Tropfen»? Der Spracherwerb im Kindergarten wird im Kanton Solothurn Thema einer Volksinitiative. bko

Oltner Tagblatt

Henusode: Jetzt hat auch der Kanton Solothurn seine Volksinitiative für die Mundart im Kindergarten. Im neusten Amtsblatt ist der Wortlaut publiziert. Urheberin ist, wen wunderts, die SVP. Bis zum 15. Januar 2013 hat sie Zeit, die 3000 Unterschriften zu sammeln. Das wäre zwei Tage nach dem 80. Geburtstag des «geistigen Grossvaters» der Initiative, Kantonsrat Hans-Rudolf Lutz (Lostorf).

So lange wirds mit dem Unterschriftensammeln aber kaum dauern – das Anliegen dürfte auch im Kanton Solothurn populär sein. Eher wird sich Lutz zu seinem runden Geburtstag bereits ein Ja in der Volksabstimmung wünschen. Es wäre nicht sein erster Erfolg: Er war Urheber der Initiative «100 Kantonsräte sind genug» und ist somit «schuld» daran, dass seit 2005 im Solothurner Kantonsratssaal 44 Sitze leer bleiben. Weniger Glück hatte der sprachgewandte SVP-Senior – inklusive Berndeutsch spricht er acht Sprachen – im letzten Herbst: Als Präsident des Komitees «Grosseltern gegen Harmos» kämpfte er gegen den Beitritt Solothurns zum Volksschulkonkordat. Doch das Volk wollte die Harmonisierung der Schule.

Erfolg in Zürich, Pech in Basel

Natürlich ist die Initiative «Mundart im Kindergarten» nicht allein auf Lutzens Mist gewachsen. Vielmehr muss es so etwas wie einen «Politbürobeschluss» der SVP Schweiz geben, dieses emotionale Thema quer durch die Deutschschweiz zu lancieren. Im Kanton Zürich landete die SVP mit «Mundart im Kindergarten» am 15. Mai einen Sieg: 53,9 Prozent Ja in der Volksabstimmung. In Basel-Stadt erhielt ihre Initiative «Ja zum Dialekt» 55 Prozent Ja-Stimmen, unterlag aber in der Stichfrage einem Gegenvorschlag des Grossen Rats. Im Kanton Luzern sammelt die SVP seit letztem Oktober Unterschriften. Jetzt also auch im Kanton Solothurn.

Immerhin sind die kantonalen SVP-Initiativen fast so variantenreich wie die Mundarten. In Zürich wurde verlangt, Unterrichtssprache im Kindergarten solle «grundsätzlich die Mundart» sein; diese Formulierung übernahm die SVP Luzern. In Basel-Stadt hatte die SVP neben dem Dialekt eine Nische öffnen wollen: «Hochdeutsch wird in definierten Sequenzen gefördert.»

Aus Kantonsratsdebatte gelernt

Für eine eigenständige Variante haben sich Hannes Lutz und die Solothurner SVP entschieden. Als neuen Paragraf 18ter möchten sie ins kantonale Volksschulgesetz den Satz schreiben: «Mundart ist im ersten Kindergartenjahr ausschliesslich und im zweiten Kindergartenjahr zu mindestens 80% Unterrichtssprache.» Damit trägt Lutz der Debatte im Kantonsrat Rechnung. Dort hatte er letzten November mit einem Auftrag verlangt, den Dialekt im Kindergarten «verbindlich und ohne Ausnahme» zur Unterrichtssprache zu machen. «Radikal», hiess es darauf im Kantonsrat; der Auftrag wurde im Mai mit 72 gegen 19 Stimmen abgelehnt. «Man hat mir gesagt, dass das Anliegen Chancen gehabt hätte, wenn es weniger streng formuliert worden wäre», erklärt Lutz. Das hat er nun in der Volksinitiative getan. Warum gerade 80 %? «Es gibt fünf Schultage pro Woche», so Lutz. «Das heisst, etwa an einem Tag pro Woche könnte auch Hochdeutsch verwendet werden.» Nach einem Volks-Ja bliebe nur noch der Streit, welcher Tag im Chindsgi der Hochdeutschtag sein dürfte.