Volleyball NLA
Vom Sorgenkind zum Titelkandidaten: Die Schönenwerder wollen endlich den Kübel stemmen

Volley Schönenwerd ist im neuen Jahr nicht zu bremsen – und jetzt kann auch der «alte Hase» Leandro Gerber wieder mittun. Wegen einer Rückenverletzung war der 29-jährige Captain bisher zum Zuschauen verdammt in dieser Saison.

Raphael Wermelinger
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Die Schönenwerder feiern ihren bisher wichtigsten Erfolg in der laufenden Saison: ein 3:2-Sieg im Cup-Viertelfinal gegen den Kronfavoriten Amriswil.

Die Schönenwerder feiern ihren bisher wichtigsten Erfolg in der laufenden Saison: ein 3:2-Sieg im Cup-Viertelfinal gegen den Kronfavoriten Amriswil.

Joerg Oegerli

Erstmals mit drei Ausländern im Kader startete Volley Schönenwerd im Oktober mit grossen Ambitionen in die neue Meisterschaft. Zum Auftakt reihte das Team unter Trainer Bogdan ­Kotnik drei Siege aneinander.

Nach der 0:3-Klatsche gegen Leader Amriswil und dem mühsamen Pflichtsieg gegen Basel ging ab Ende November aber gar nichts mehr bei den Schönenwerdern. Fünf Niederlagen in Folge resultierten bis zum Jahresende. Der Tiefpunkt war das 2:3 gegen das Liga-Schlusslicht Luzern.

Nach dem Jahres- und einem Trainerwechsel, der Australier Liam Sketcher folgte auf Bogdan Kotnik, präsentierten sich die Schönenwerder ab Januar wie ein umgekehrter Handschuh. Sie schlugen Lausanne und Basel und schalteten im Cup den Favoriten und Qualifikationssieger Amriswil aus.

Der Lauf hielt auch im Februar an: Mit Siegen gegen die Titelkandidaten Lausanne (3:2) und Chênois (3:1) sicherten sie sich den dritten Quali-Schlussrang und am vergangenen Wochenende gewannen sie innert 24 Stunden das erste Spiel der Viertelfinalserie gegen Jona und zogen dank eines 3:0-Siegs gegen Lausanne in den Cupfinal ein.

Turbulente Phase und Unsicherheit Ende 2020

«Die Stimmung in der Mannschaft ist super. Wir haben das Gefühl, dass wir jeden Gegner schlagen können», sagt Captain Leandro Gerber. «Wir servieren im Moment sehr gut und spielen befreit auf.» Trainer Liam Sketcher gebe dem Team Sicherheit: «Wir sollen mit Risiko spielen und dürfen auch mal Fehler machen. Diese Einstellung führt dazu, dass wir nicht verkrampft oder mit angezogener Handbremse spielen, sondern befreit und sorglos auftreten.»

Gerber unterstreicht, dass es ungerecht wäre zu sagen, unter Bogdan Kotnik hätte das Team nur verloren. Auf die Playoffs in Topform zu kommen, dies sei der Plan gewesen vor der Saison. «Wir haben hart trainiert und viel investiert. Das kommt uns jetzt zugute», sagt er.

Die Krise im Dezember begründet er vor allem mit der unsicheren Situation: «Wir wussten nicht, ob die Saison wegen der zweiten Coronawelle überhaupt zu Ende gespielt wird. Dann kam noch der Trainerwechsel dazu – eine turbulente Phase. Wegen der ganzen Ungewissheit hat natürlich auch die Stimmung innerhalb des Teams etwas gelitten.»

Hat einen grossen Anteil am Aufschwung der Schönenwerder in den vergangenen Wochen: der neue Headcoach Liam Sketcher.

Hat einen grossen Anteil am Aufschwung der Schönenwerder in den vergangenen Wochen: der neue Headcoach Liam Sketcher.

Joerg Oegerli

Der neue Headcoach Liam Sketcher habe mit seiner Art Ruhe in die Mannschaft gebracht. Und ihre Spielfreude neu geweckt. «Er streut, wenn nötig, auch mal ein lockereres Training ein, um die Stimmung zu verbessern», sagt Gerber. Zudem habe Sketcher den Spielern eingeimpft, dass sie die positive Energie auf ihrer Seite behalten sollen. «Kein Trash-Talk mit dem Gegner und sich nicht über Schiedsrichter-Entscheide aufregen, das ist seine Devise», führt Gerber aus.

Der Rücken macht ihm immer wieder zu schaffen

Volley Schönenwerd hat heuer jeden Gegner geschlagen, den es zu schlagen gibt in der NLA. Sind die Solothurner jetzt die Kronfavoriten? «Sicher nicht», winkt Gerber ab und verweist auf die teilweise deutlich höheren Budgets der Konkurrenten. «Nur weil wir Amriswil einmal geschlagen haben, sind wir nicht der Favorit. Aber wenn wir unsere Leistung abrufen können, ist alles möglich dieses Jahr.»

Gerber war 2014 dabei, als die Schönenwerder im Playoff-Final dem übermächtigen Lugano unterlagen. Und auch 2015, als sie den Cupfinal gegen Lausanne dramatisch nach Satzbällen noch aus der Hand gaben. Im März werden die Schönenwerder zum zweiten Mal in ihrer Klubgeschichte im Cupfinal stehen. «Es ist unser grosses Ziel, endlich den Kübel in die Höhe stemmen zu können», sagt Gerber. «Es sieht im Moment sehr gut aus für uns, wir befinden uns in einer positiven Spirale, sind uns aber bewusst, dass wir auch schwache Phasen hatten in der laufenden Meisterschaft.»

Mit bald 30 Jahren auf dem Buckel denkt Leandro Gerber allmählich ans Karriereende. Doch zuerst muss ein Titel her.

Mit bald 30 Jahren auf dem Buckel denkt Leandro Gerber allmählich ans Karriereende. Doch zuerst muss ein Titel her.

zvg

Er selbst konnte bisher noch nicht viel beitragen. Der Dienstälteste des Teams, der bereits zwei Bandscheibenvorfälle hatte, verletzte sich vor dem Saisonstart erneut am Rücken. «Jetzt sieht es beim alten Hasen wieder besser aus», sagt er lachend. «Ich habe in den vergangenen Wochen riesige Fortschritte gemacht und bin ready, dem Team zu helfen.»

Der Aussenangreifer könnte das letzte fehlende Puzzlestück für den grossen Coup sein. Leandro Gerber kennt sich nämlich auch in Sachen Siegesserien aus. Während des Ausland-Engagements in Holland feierte er 14 Siege am Stück. Aktuell steht Schönenwerd bei sieben Siegen. «Unser Mittelblocker Shonari Hepburn hat nach dem Halbfinal-Sieg am Sonntag zu mir gesagt, dass wir nur noch neun Siege anhängen müssen, dann ist die Saison gelaufen.»

Als erstes wartet am Samstag Spiel zwei der Viertelfinalserie. «Jona ist eine Stimmungsmannschaft, die sich in ein Hoch spielen kann», warnt Gerber. «Über fünf Spiele sollten wir konstanter und besser sein. Wir dürfen aber nicht nervös werden, falls wir mal verlieren.»