In selten so temperamentvoll gezeigter Begeisterung im Publikum wurde dem Pianisten Adalbert Roetschi und dem Solothurner Kammerorchester (SKO) der Dank für diesen festlich glanzvollen Konzertabend zuteil. Vor allem das abschliessend für Klavier und Orchester D-Dur KV 537 gespielte «Krönungskonzert» von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) erzeugte ein gemeinschaftlich empfundenes Hörerglück. Der in dieser Region bestens bekannte Pianist bewältigte seinen in der Klaviertechnik hochinteressanten Part virtuos. Im Kammerorchester mit seinen Streichern, Flöten, Oboen, Fagotte, Hörnern, Trompeten und Pauken unter der Leitung von Urs Joseph Flury fand er allerdings auch einen brillanten, hellwachen Dialog-Partner.

Mozart hatte 1788 dieses Konzert mit den Sätzen Allegro, Larghetto und Allegretto für die Krönung von Leopold II im Oktober 1790 in Frankfurt komponiert und leider damit nicht den erwarteten Erfolg erzielt. Wir heutigen Musikfreunde können uns dem berauschenden Genuss der gedankenreichen und bezaubernden Musik hingeben und sind nicht mehr eingespannt in den damaligen Konkurrenzkampf zwischen dem offiziell aus Wien delegierten Salieri und Mozart. Diese romantische Komposition verbindet im ersten Satz zarte Streicherthemen, Passagen der Hörner mit berührender Emotionalität, in der sich das Soloinstrument in den Modulationen entfaltet. Gedankenreich und gefühlsvoll berührt das Larghetto, bis das Finale heiter und fast übermütig beeindruckt. Mozarts Kadenzen ersetzte Roetschi mit der Komposition von Pianistin Marlies Walter. Als Zugabe erklang für Klavier solo eine Mozart-Fantasie, die Klavierschüler in dieser Perfektion von Ausdruck und pianistischem Können wohl kaum fertigbringen.

Liedhaft mit Schubert

Das Adagio und Rondo concertante F-Dur für Klavier und Orchester D 487 von Franz Schubert (1797-1828) gelang in Harmonik und Dynamik wie episodenreiche Poesie. Thematische Vorgaben brachte das Klavier, die das auf kleine Besetzung reduzierte Orchester lebensprall ausführte. Gelegentlich erschien die Klavierstimme in diesem kammermusikalischen Werk etwas klangmächtig.

Als Verbeugung vor dem polnischen Nationalhelden Tadeusz Kosciuszko (1746-1817), der etliche Jahre bis zu seinem Tod im Solothurner Exil lebte, führte das SKO zwei, von ihm geschriebene Polonaisen auf, die Flury für Orchester instrumentiert hatte. Es handelt sich um brave, artige Kompositionen, die, wie Flury dazu schreibt: «...von einer echten Begabung des Amateurkomponisten für eine natürliche Melodieführung zeugen.»

Dramatisch mit Haydn

Als geradezu feuriger Auftakt überraschte das SKO mit der Sinfonie D-Dur, die Franz Joseph Haydn (1732-1809) als krönenden Abschluss seines sinfonischen Schaffens in London geschrieben hat. Das Adagio mit fast drohenden Rufen der Streicher, optimistisch fortgesetzt im Allegro und fast resignierend klingend in der Durchführung beider Themen. Im Andante folgt ein rührendes Thema. Das Menuett/Allegro wirkt fast wie eine tollpatschige Tanzweise, um im abschliessenden Finale Spirituso auf eine balkanische Volksmusik zu stossen, in der langgezogene Hornquinten an Dudelsackmusik erinnern. Auch in diesem Satz wechseln kontrastreiche Stimmungen, bis sich schliesslich Fröhlichkeit und Heiterkeit durchsetzen.