In einer Woche ist in Oensingen Zibelimäret – mit gravierenden Änderungen. Für die Gäste sind sie positiv, denn der Anlass wird optisch aufgewertet. Wie aber wird er für die Marktteilnehmer verlaufen? Denn sie kommt die Teilnahme bis doppelt so teuer zu stehen. «Die Gebührenerhöhung gab uns schon zu denken, statt 800 hätten wir nun 2000 Franken bezahlen müssen», sagt Ernst Kunz vom Männerturnverein Oensingen. Hätte – denn der Verein wird nach jahrzehntelanger Treue nicht mehr mitmachen, jedoch nur zum Teil wegen der Gebühren. «Ich bin aber schon der Meinung, dass etwas gehen musste», fügt Kunz an.

Welche Rolle spielt die Zwiebel?

Was er und viele andere in Oensingen und Umgebung damit meinen, sind zwei Tatsachen, die seit vielen Jahren immer wieder zu Diskussionen führen. Einerseits sei der mittlerweile zum 43. Mal stattfindende Grossanlass nicht mehr das, was er einmal war, denn dessen Ursprung, die Zwiebel, spiele kaum mehr eine Rolle. Viele der Ess- und Trinkstände seien lieblos hingestellt worden, man wollte schnell und einfach Geld verdienen. Anderseits mehrten sich die Klagen vonseiten der Gemeinde, sie müsste immer mehr Kosten übernehmen, die eigentlich die Verursacher zu tragen hätten.

Zweiter Anlauf lief erstaunlich fix

Der Gemeinderat erkannte das Problem und sah die Lösung darin, alles neu berechnen und in einem neuen Regelwerk festhalten zu lassen. Ein erster Anlauf scheiterte, der zweite ging fix durch, was erstaunlich war. Denn schon bei der Vernehmlassung des Werkes konnte man in etwa ausrechnen, was eine Teilnahme aufgrund der höheren Gebühren kosten wird. Niemand reagierte darauf. Im vergangenen Juni segnete die Gemeindeversammlung Verordnung und Reglemente zu Markt und Gebühren ab. Als sich dann aber die Teilnehmer – hauptsächlich Dorfvereine – angemeldet und die Rechnung erhalten hatten, ging es los mit Reklamieren und Kritisieren.

Kostenwahrheit als Basis

«Wir sind selber auch ein wenig erschrocken, was für Beträge da zusammenkommen», berichtet Gemeinderat Volker Nugel, seit vergangenem Jahr Präsident des Organisationskomitees Zibelimäret. «Der Gemeinderat ging dann nochmals über die Bücher und kam den Vereinen so weit entgegen, als es das Budget erlaubt.» Denn man dürfe nicht vergessen, der Gemeinderat habe vom Souverän den Auftrag erhalten, zu sparen. Im neuen Reglement sei verankert, dass, abgesehen vom Aufwand des Werkhofs, der Gemeinde keine weiteren direkten Kosten anfallen dürfen. Und da verlässliche und umfassende Daten fehlten, habe man eben zuerst eine Basis errechnen müssen, welche die Kostenwahrheit aufzeigt.

Preise nie angepasst

Die Erhöhung der Grundtarife sei eigentlich moderat, führt Nugel aus. «Zu schaffen machen die Zuschläge, die mit einem Mal recht massiv gestiegen sind.» Hier sei das Problem, dass die Preise nie der Aktualität angepasst worden seien. Die Realität zeige jedoch, dass aufgrund von Vorschriften und Ansprüchen die allgemeinen Kosten massiv gestiegen seien, man denke nur an die Vorkehrungen in Bezug auf Sicherheit. Bei der Abfallentsorgung gelte in Zukunft nur noch das Verursacherprinzip. Man hätte auch etappenweise erhöhen können, sagt Nugel, «aber wir entschieden uns für einen einzigen Schritt, dann ist vorläufig Ruhe».

Eine Gefahr für den Zibelimäret?

Besteht nun Gefahr, dass der Zibelimäret schrumpft, weil die Vereine sich sagen, eine Teilnahme lohne sich nicht mehr? «Im Moment sieht es nicht danach aus», antwortet Nugel. Es seien nicht merklich weniger Anmeldungen eingegangen als in Vorjahren. «Wenn die Abrechnung für den Zibelimäret 2010 vorliegt, werden sich das OK und die Teilnehmer nochmals zusammensetzen, eine Auslegeordnung vornehmen und die Resultate diskutieren.»

Darauf zählt auch der Präsident des STV Oensingen, Max Keller. «Wenn diese Diskussionen auch so konstruktiv verlaufen wie jene, die wir nach dem ersten Gebührenschock führen konnten, dann sehe ich keine Probleme», sagt er. Im Übrigen halte er es für absolut richtig, dass man einmal eine klare Basis schafft.

Keine Partyzelte mehr

Die Gäste des Zibelimärets werden nichts von den Diskussionen im Hintergrund mitbekommen. Im Gegenteil, sie werden sich darüber freuen können, dass auf der Marktmeile die Holzhäuschen dominieren. Partyzelte, deren Anzahl in den letzten Jahren merklich angestiegen ist, sind nicht mehr erlaubt. Nicht für alle zur Freude tauchten auch immer mehr Strassenmusiker auf. Zugelassen sei nun nur noch eine einzige Gruppe, erklärt Nugel. Frei auftreten dürften natürlich einheimische Formationen, «die machen Unterhaltung und nicht Geschäfte». Gratis ist in diesem Jahr noch einmal das Parkieren auf öffentlichem Gelände, Zeughausareal inklusive.