Auktion
Viehzüchtern bleibt die Hoffnung auf bessere Zeiten

An der Zuchtviehauktion Langenbruck senkten viele Züchter den Schatzungspreis um mehrere hundert Franken, damit sie ihre Tiere nicht wieder nach Hause nehmen mussten.

Benildis Bentolila
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Charolais-Stier Miro, gezüchtet und vorgeführt von Ueli Bader aus Mümliswil, erzielte 3400 Franken. bbt

Charolais-Stier Miro, gezüchtet und vorgeführt von Ueli Bader aus Mümliswil, erzielte 3400 Franken. bbt

Solothurner Zeitung

Morgens um halb acht treffen bereits die ersten Tiertransporte ein. 118 Tiere sind im Katalog aufgeführt, 98 werden aufgefahren. Seit der Begutachtung der angemeldeten Tiere durch die Vorschaukommission auf den Höfen (wir berichteten) mussten einige Züchter ihre Tiere abmelden. Einer rief an, sein Rind habe Fieber. Ein anderer meldete, seine Kuh habe gekalbt und er sei zufrieden mit der Milchtagesleistung. Sie habe aber eine Flechte, die behandelt werden müsse, bevor an einen Verkauf zu denken sei. Remo Wyss und Roland Baumgartner von der Vorschaukommission begutachten Kühe, Rinder, Stiere und Kälber, die ausgeladen, geduscht und angebunden wurden. Später, im Verlauf der Auktion, kommen Züchter zu ihnen. Einer bittet, dass der Schatzungspreis um 200 Franken hinaufgesetzt werde. Ein anderer meint, der ursprünglich angesetzte Preis sei wahrscheinlich zu hoch.

Zum Ersten, zum Zweiten ...

Um zehn Uhr begrüsst Auktions-OK-Präsident Pius Hitz die Züchter und das nichtbäuerliche Publikum. Davon hat es jedes Jahr mehr. Angesichts des angekündigten heissen Tages sind Zuschauer sogar mit dem eigenen Sonnenschirm angerückt. Auktionator Andreas Aebi preist die Braunviehtiere an. Der Verkauf beginnt zögerlich. Der Gantrufer spricht Interessenten oft persönlich an, damit schliesslich eine Kuh, ein Rind weg geht.

Die Holsteinrinder und -kühe treten aufs Podest und es kommt ein bisschen Schwung ins Geschehen. Allerdings nicht bei gewissen Tieren. Eine Kuh stossen und schieben vier Männer in den Ring – aber sie bleibt Siegerin, indem sie am Eingang stehen bleibt. Gantrufer Alois Wyss ruft: «So, jetzt schalten wir den Turbo ein. Es muss etwas gehen.» Richtig gezündet hat das Aggregat allerdings nicht. Die Preise werden zwar freundlicher und Nena von Armin Odermatt, vom Rohrberg in Liesberg, holt den höchsten Preis der Auktion, nämlich 5100 Franken. Speaker Roland Baumgartner hält fest, dass die Bauernfamilien heute in jeder Beziehung auf Nummer sicher gehen wollen. Sie wollen Kühe, die gekalbt haben, deren Tagesmilchleistung garantiert ist und auch die Zellzahl (Eutergesundheit) stimmt. Die angebotenen Tiere seien von guter Qualität, welche häufig nicht den entsprechenden Preis erzielten.

Preise unter Wert

Speaker und Tierzuchtlehrer Remo Wyss hoft auf gute Preise in die Kategorie der Fleckviehkühe. Doch so mancher Züchter muss sein Tier um mehrere hundert Franken zurückstufen, damit er es nicht mehr nach Hause nehmen muss. «Angesichts der heutigen Preise», stellte Remo Wyss fest, «fragt man sich, ob die Arbeit der Bauern überhaupt noch honoriert wird.»

Gegen Mittag leerten sich die Zuschauerreihen. Allerdings gingen die Leute nicht nach Hause, sondern an den Schatten in der Festwirtschaft. Pius Hitz freute sich: «So kann jene Kasse ans Defizit zahlen, das wir bei der Auktion einfahren werden.» Zuversichtlich lud er aber zur Auktion Langenbruck 2012, denn – wie viele sagten – hoffe man auf bessere Zeiten.

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