Hinterer Weissenstein
Verletzte Frau aus den Tiefen des Nidlenlochs geborgen

Hinterer Weissenstein Eine 35-jährige Frau renkte sich am Samstagmittag in 200 Meter Tiefe die Schulter aus. Am frühen Sonntagmorgen wurde sie von einem SAC-Rettungstrupp aus dem Nidlenloch getragen.

Elisabeth Seifert
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Erste Hilfe 200 Meter tief im Jura-Höhlensystem. Christian Moser Erste Hilfe 200 Meter tief im Jura-Höhlensystem. Christian Moser

Erste Hilfe 200 Meter tief im Jura-Höhlensystem. Christian Moser Erste Hilfe 200 Meter tief im Jura-Höhlensystem. Christian Moser

Solothurner Zeitung

Der Rettungschef des SAC Weissenstein, Philipp Biberstein, kann sich in den letzten Jahren nicht an eine ähnlich aufwändige Rettungsaktion aus dem Nidlenloch erinnern: «13 Leute waren während insgesamt 12 Stunden unterwegs. Sie trugen und schoben die Bahre, montierten oder demontierten Flaschenzüge, um die verletzte Frau sicher aus der Höhle zu bringen.»

Biberstein selber war an vorderster Front mit dabei, zusammen mit einem Arzt sowie einem weiteren SAC-Mitglied. «Um 17.40 Uhr am Samstagnachmittag wurden wir vom Bergrestaurant Hinterer Weissenstein alarmiert, um 19.30 Uhr sind wir in die Höhle eingestiegen, um zirka 4Uhr am Sonntagmorgen haben wir sie wieder verlassen.»

Während acht Stunden ausgeharrt

Und so hat sich der Unfall zugetragen: Fünf Personen aus dem Kanton Aargau und dem Raum Zürich – allesamt Höhlen-erfahren, wie Biberstein betont – machten sich am Samstagvormittag auf den Weg ins Nidlenloch. Ihr Ziel: Das Biwak Nummer 3, rund ein Kilometer im Berginneren und 200 Meter tiefer als der Höhleneingang gelegen.

Nach rund drei Stunden, um 12 Uhr mittags, hatte die Gruppe ihr Ziel beinahe erreicht, als die betroffene Frau unglücklich über einen Stein stolperte, stürzte und sich dabei die Schulter ausrenkte. Der Unfallort in der Nähe des Biwaks war für die Frau Glück im Unglück. Biberstein: «Wir lagern dort unter anderem auch mehrere Isolationsmatten. Auf diese haben ihre Kollegen die Frau dann auch sachgerecht gebettet.» Einer blieb in der Folge bei ihr, die anderen drei kletterten zum Höhleneingang zurück und holten Hilfe.

Stetes Training zahlt sich aus

Biberstein und seine Kollegen trafen schliesslich knapp nach 20 Uhr am Samstagabend bei der verletzten Frau ein, die verständlicherweise über sehr starke Schmerzen klagte. «Unser Arzt verabreichte ihr die entsprechenden Medikamente und renkte die Schulter wieder ein.» Daraufhin ging es der 35-Jährigen immerhin so gut, dass sie Teile des Rückwegs, dort nämlich, wo man aufrecht gehen kann, ohne Hilfe meistern konnte. «Nur auf der Bahre zu bewältigen waren für sie jene Abschnitte, wo man nur kriechend vorwärtskommt oder an einem Seil aufwärts klettern muss.»

Die Verunglückte ist daran, den Schreck des Ereignisses zu verarbeiten. Es gehe der Frau, so Biberstein, den Umständen entsprechend gut. Als Erfolg wertet der Rettungschef die Rettungsaktion als solche. «Wir haben mehrfach Trainings absolviert, um für einen solchen Vorfall gewappnet zu sein. Das hat sich bewährt.» Die Kosten, die Biberstein auf mehrere tausend Franken beziffert, übernimmt die Unfallversicherung.