«Der heisse Stuhl» steht jeweils im Brennpunkt des HESO-Behördentags - doch diesmal war trotz Wahl-Endspurt kein Polit-Gast angesagt, sondern mit Peter Wanner, Verleger der AZ Mediengruppe, der Herausgeber der az Solothurner Zeitung. Moderator Marco Jaggi von der Regionalredaktion Solothurn-Aargau bei Radio DRS fackelte nicht lange: «Ich habe da einiges über Peter Wanner zusammengetragen. Er fühlt sich als Badener, macht am Engadiner Skimarathon mit und wohnt in einem Schlössli mit einem eigenen Weingut. Kann man den Wein überhaupt trinken?»

Nun, das Schlössli entpuppte sich laut Wanner als ehemalige Trotte des Klosters Wettingen, «eigentlich ein Haus mit einem Turm» und der Wein sei sehr wohl trinkbar, «nachdem ich den Rebbauern ausgewechselt habe. Immerhin hat der Barrique eine Goldmedaille geholt, der Normalwein eine silberne.» Nach diesem Vorgeplänkel schürfte Jaggi tiefer, ergründete das Machtverständnis eines Verlegers, dessen Arm mit dem Kauf der zwei neuen Fernsehsender Telebärn und TeleZüri «von Grenchen bis nach St. Gallen reicht». Peter Wanner hat dazu eine klare Meinung: «Es ist falsch, wenn ein Verleger glaubt, Macht ausüben zu müssen.» Des Moderators Einwand: «Aber Sie haben doch Macht?» beantwortete Wanner umgehend: «Nein, Einfluss.» Es gebe zwar Verleger, die ihre Medien instrumentalisierten, doch er halte die Freiheit der Redaktion hoch. «Hier hat Theo Eckert, der Chefredaktor der Solothurner Zeitung mehr Macht als ich.»

Die Rolle der Journalisten sieht Wanner im Begriff «Wahrheitssucher», die einen publizistischen Auftrag hätten, auch wenn sie von Verlagsmanagern oft nur als Kostenfaktoren wahrgenommen würden.

«Blut, Blech und Busen»

Welche Inhalte sollen aber die Medien vorrangig transportieren? «Tele M1 hat auf Blut, Blech und Busen gesetzt, um mehr Quote zu erzielen», kritisierte Marco Jaggi. Dies bestritt Peter Wanner keineswegs, «es ist ja nicht schlimm, sich einen Schönheitsköniginnen-Wettbewerb anzusehen.» Doch sei das Angebot des TV-Senders angepasst worden, nachdem das Bakom interveniert und die Ausstrahlung von mehr «relevanten Themen» insbesondere auch politischen verlangt habe. Der Kauf der erwähnten neuen Sender eröffne neue Chancen, auch wenn er ein «unternehmerisches Risiko» sei. Der Verleger setzt künftig auf Synergien: «Wir könnten beispielsweise neu Sendungen für alle drei Sender machen.»

Gebührengelder sieht Peter Wanner für die Aufrechterhaltung von Radio- und Fernsehsendern als unentbehrlich an, sehr skeptisch beurteilt er jedoch die von Jaggi angesprochenen Bemühungen der Solothurner Regierung um mehr Medienvielfalt, gipfelnd in Leistungsaufträgen und in einem Aufsichtsgremium.

Zur Zukunft der az Solothurner Zeitung befragt, meinte der Verleger: «Es kann sein, dass diese bis in zehn Jahren nicht mehr täglich herauskommt. Denn das Teure sind der Druck und der Vertrieb.»

Die Chance für Solothurn

Schon Stadtschreiber Hansjörg Boll hatte es bei der Begrüssung angesprochen: Zwischen den Wirtschaftspolen der Region Zürich und dem Bassin lemanique fehle «eine Stadt wie So..., äh Bern.» Die Bedeutung, die Peter Wanner dem Kanton Solothurn beimisst, interessierte auch Marco Jaggi. «Der Kanton ist sehr vergleichbar mit dem Aargau...» (Gegröle im Zelt) «... in den Strukturen meine ich», fuhr der Verleger wenig beeindruckt fort. Beide Kantone seien sehr kleinräumig ausgelegt, und die Städte ähnelten sich in ihrer Lebensqualität. «Ja, in Solothurn könnte ich leben», betonte er, «denn es wird eine grosse Zukunft haben und bald entdeckt werden.» Rechne er doch damit, dass die Ansiedlung des Synthes-Sitzes weitere Firmenstandorte in Solothurn nach sich ziehen könnte.»
Diesen Balsam hörten die Behördenmitglieder gerne - und entliessen Peter Wanner mit warmem Applaus.