Verkehrssicherheit
Die Zebrastreifen im Kanton Solothurn auf dem Prüfstand

Bei 20 Prozent aller Fussgängerstreifen im Kanton Solothurn wurde 2013/2014 Handlungsbedarf in Sachen Sicherheit festgestellt. Was ist seither geschehen?

Loriana Zeltner
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Einer von fast 1000 Fussgängerstreifen im Kanton: Wie überall im Verkehr gilt auch hier das Motto «Vorsicht».

Einer von fast 1000 Fussgängerstreifen im Kanton: Wie überall im Verkehr gilt auch hier das Motto «Vorsicht».

Hanspeter Bärtschi

Stolze 949 Fussgängerstreifen befinden sich auf den Solothurner Kantonsstrassen. Bei deren Überprüfung vor sieben Jahren zeigte sich: 195 Passagen benötigten eine Sanierung. Eine Anpassung werde dann notwendig, wenn die Normen der Vereinigung der Schweizerischen Strassenfachleute nicht mehr erfüllt würden, erklärt Roman Angermann. Und, so der Verantwortliche für Verkehrssicherheit und Verkehrsmassnahmen im kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT) weiter:

«In erster Linie muss ein Zebrastreifen für Fahrzeuglenker aus einer bestimmten Distanz ersichtlich sein.»

Auch helfe ein ausreichender Warteraum den Fussgängern dabei, die Verkehrssituation gut zu überblicken. Geprüft wird laut dem Fachmann zudem, wie häufig der Streifen genutzt wird und wie hoch das Verkehrsaufkommen ist. Werde ein Streifen zu selten benutzt, würden ihm ortskundige Lenker weniger Aufmerksamkeit schenken. Die Unfallgefahr sei dadurch erhöht.

22 Fussgängerstreifen wurden aufgehoben

«Der Bau von Fussgängerstreifen ist oft ein Drahtseilakt, weil er allen Verkehrsbeteiligten gerecht werden soll. So wünschen sich Menschen mit Rollator einen flachen Strassenübergang, während sich Sehbehinderte mit dem Blindenstock gerade an Schwellen orientieren», so Angermann. «Einige Sicherheitsmängel konnten mit geringem Aufwand entschärft werden», führt Angermann zu den umgesetzten Massnahmen aus.

Zum Beispiel, wenn die Bepflanzung die Sicht auf einen Fussgängerstreifen behindert habe. Entwendete Hinweisschilder würden ebenso in diesen Bereich fallen. Andere Beanstandungen erforderten grössere Sanierungen. Einzelne Markierungen würden ersetzt, weil die glatten Oberflächen zu einer verstärkten Rutschgefahr führten. Ungefähr 22 Streifen wurden aufgehoben, weil sie ein Sicherheitsrisiko dargestellt hätten.

Stand Anfang August dieses Jahres verzeichnet das Sanierungsprojekt einen deutlichen Fortschritt. Gemäss Angaben der Verantwortlichen stehen nur noch 32 Zebrastreifen aus. Die betroffenen Streifen befänden sich teilweise an Orten, für die ein grösseres Bauvorhaben geplant ist. Da sei es effizienter, diese Entwicklungen zuerst abzuwarten, so Angermann.

In Grenchen wurden die Streifen auf Gemeindestrassen im Jahr 2012 überprüft. Die Stadt verbesserte insbesondere die Sichtbarkeit der Strassenübergänge bei ungünstigen Lichtverhältnissen. In Solothurn gibt es 190 Streifen auf Stadtgebiet. Sie wurden 2017 geprüft. Eine ähnliche Zahl findet sich auf den Oltner Strassen: 102 Streifen.

Die letzte Überprüfung fand dieses Frühjahr statt – rund 10 Prozent der Übergänge stehen aktuell in der Diskussion. Städteübergreifend melden die verantwortlichen Stellen dasselbe: Die meisten Aufhebungen von Fussgängerstreifen gehen auf neu eingeführte Tempo-30-Zonen zurück. Dort sind Zebrastreifen laut Bundesverordnung nur noch in wenigen Fällen zulässig.

Fussgängerstreifen gibt falsche Sicherheit

AVT-Fachmann Angermann zufolge hält sich in der Bevölkerung hartnäckig ein verzerrtes Bild des Fussgängerstreifens. Beim Fussgänger habe sich die Überzeugung festgesetzt, dass man dort beim Überqueren der Strasse grundsätzlich den Vortritt habe. Angermann betont:

«Ein Fussgängerstreifen bietet beim Überqueren der Strasse keine Sicherheit, keinen physischen Schutz, sondern regelt allein den Vortritt – und dies auch nur, wenn man bereits auf dem Streifen ist.»

Fussgänger seien selbst dafür verantwortlich, sich durch gründliches Umsehen einen sicheren Gang über die Strasse zu verschaffen. Entsprechend stelle ein ungünstig platzierter Fussgängerstreifen ein grösseres Risiko für die Verkehrssicherheit dar, als wenn an gleicher Stelle kein Streifen markiert würde. Es gelte die Faustregel, dass Fussgänger die Strasse ohne Zebrastreifen wesentlich vorsichtiger überqueren. Vielleicht führe gerade diese falsche Sicherheitserwartung zu den häufig emotional gefärbten Diskussionen.

Vor Schuljahresbeginn erreichen die Dienststelle für Verkehrssicherheit jeweils viele Anrufe zum Thema Zebrastreifen. Angermann spricht von einer regelrechten «Schulanfangswelle». Vielfach handelt es sich um Meldungen zu Übergängen, die als gefährlich empfunden werden. Ebenso erhält das Amt Vorschläge, wo ein neuer Streifen hilfreich wäre. Wichtiger als die Anzahl Fussgängerstreifen auf dem Schulweg sei es aber, mit den Kindern das Verhalten im Strassenverkehr zu üben – und ihnen auch etwas zuzutrauen.

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