Obergericht

Verhinderte Bankräuber wollen vor dem Obergericht freigesprochen werden

Die Filiale der Credit Suisse in Schönenwerd

Die Filiale der Credit Suisse in Schönenwerd

Wollten sie oder wollten sie nicht? Mit dieser Frage musste sich heute das Solothurner Obergericht beschäftigen. Im Konkreten ging es um einen Banküberfall in Schönenwerd, welcher nur dank der Polizei wenige Stunden vorher verhindert werden konnte.

«Die drei Haupttäter sehen es als ihre Berufung, Banken auszurauben. Und sie sind gar noch stolz darauf», machte Staatsanwalt Jan Gutzwiller heute am Obergericht seinen Eindruck über die zwei Italiener und ein Spanier im Alter zwischen 48 und 65 Jahren klar. Das Trio und seine zwei Komplizen wurden im März dieses Jahres vom Amtsgericht Olten-Gösgen wegen strafbarer Vorbereitungshandlungen zu Raub- und Geiselnahme zu unbedingten Freiheitsstrafen von 14 bis 30 Monaten verurteilt.

Das Quintett, so lautet die Anklage, plante, im März 2009 die Credit-Suisse-Filiale in Schönenwerd zu überfallen. Maskiert wollten sie in den frühen Morgenstunden durch ein Fenster in das Gebäude eindringen, auf das Bankpersonal warten und es als Geisel nehmen. Sie hatten weiter vor, den Bankdirektor zum Öffnen der Tresore zu zwingen und mit der Beute zu verschwinden - mit dem Auto bis zum Bahnhof in Aarau und von dort mit dem Zug nach Italien. Nur wenige Stunden, bevor es zum geplanten Überfall kam, griff die Polizei ein und schnappte sich die in diesem Fall verhinderten Bankräuber. Die vier Italiener appellierten gegen das Amtsgerichtsurteil, einzig der Spanier im Quartett akzeptierte es.

«Sie standen kurz vor der Tat»

Die Frage, ob es ohne den Eingriff der Polizei überhaupt zum Überfall gekommen wäre, stand vor dem Obergericht, in der Zusammensetzung Daniel Kiefer, Hans-Peter Marti, Ruedi und Junker und Gerichtsschreiberin Annette Fröhlicher im Raum. Staatsanwalt Gutzwiller ist davon felsenfest überzeugt: Die Beschuldigten hätten am Tag vor der geplanten Tat bereits die Zugfahrkarten für die Flucht nach Italien gekauft und den Fluchtwagen für die Autofahrt nach Aarau vor der CS deponiert. «Was hätte das für einen Sinn gemacht, wenn die Beschuldigten ihren Plan nicht hätten durchziehen wollen?», fragte Gutzwiller rhetorisch in seinem Plädoyer.

Zudem verwies er auf die hohe kriminelle Energie der verkannten Bankräuber. «Das sind absolute Profis. Sie haben den Überfall bis ins letzte Detail geplant. Sie standen nur ganz kurz vor der Tat.» Er beantragte dieselben Strafmasse, die das Amtsgericht im März aussprach.

Roland Winiger, Verteidiger des einen Beschuldigten - den Gutzwiller anders als das Amtsgericht als Strippenzieher sah -, dagegen forderte für seinen Mandanten eine Freiheitsstrafe von 15 anstelle der vom Amtsgericht verhängten 30 Monate. Letzteres Urteil sei völlig unangemessen. Strafmildernd müsse unter anderem wirken, dass sein Mandant und dessen Komplizen zwar wohl professionell, aber nie gefährlich handelten. «Sie wollten schliesslich mit einer Spielzeugwaffe den Banküberfall verrichten.» Zudem sei sein Mandant für ein Vergehen (mehrfacher schwerer Raub und Körperverletzung) im Jahr 1993 zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt worden, was in keinem Verhältnis zu den 30 Monaten stehe, wie Winiger einräumte.

Dreimal Freispruch gefordert

Die anderen drei Verteidiger plädierten auf Freispruch. Zwei davon, Reto Gasser und Pascal Zbinden, argumentierten, dass ihre Mandanten gar nicht gewusst hätten, dass deren getätigte Aufgaben der Vorbereitung für einen Banküberfall inklusive Geiselnahme dienten. «Er ist ein liebe ‹Chaib›, hat mitgemacht und dabei nicht viel überlegt», verteidigte Gasser seinen Mandanten. Verteidiger Benvenuto Savoldelli rollte nochmals auf, dass es in diesem Fall lediglich um Vorbereitungshandlungen gehe. Zudem seien die Beschuldigten alles andere als Profis gewesen, wie Savoldelli gestern in seinem Plädoyer ressümierte. «Sie gingen teils gar dilettantisch vor.» Das Obergericht wird sein Urteil morgen Donnerstag bekannt geben.

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