Zuchwil
Verein macht vorwärts bei Ausländerintegration

Kurse für fremdsprachige Mütter mit ihren Kindern schliessen eine Lücke bei der Eingliederung von Ausländern. Der Verein «Zusammen in Zuchwil» bietet kommendes Jahr ein solches Lernprogramm an.

Christof Ramser
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Solothurner Zeitung

Es wirkt wie ein babylonisches Sprachengewirr: In 15 verschiedenen Sprachen richtet sich das gelbe Flugblatt an die Zuchwiler Bevölkerung: «Verbessern Sie zusammen mit Ihrem Kind Ihre Deutschkenntnisse.» Über 70 Nationen leben im Dorf, die Sprachenvielfalt ist entsprechend hoch. Das soll sich ändern – zumindest im öffentlichen Raum. Denn Sprache ist eine Voraussetzung für erfolgreiche Integration. Darin sind sich Fachleute einig. In zahlreichen Gemeinden in der Region werden Ausländer darin gefördert, die Landessprache zu lernen. Vor allem in Grenchen, Solothurn und der Agglomeration, wo der Ausländeranteil traditionell höher ist.

«Zum Nutzen von uns allen»

Jetzt macht auch Zuchwil vorwärts: Der Verein «Zusammen in Zuchwil» führt ab kommendem Jahr Muki-Deutsch-Kurse durch. Fremdsprachige Kinder sollen zusammen mit ihren Müttern in Kursen die deutsche Sprache lernen. Das Angebot richtet sich ausdrücklich an Ausländerinnen mit Kindern im Vorschulalter. «Die Sprache ist ein wichtiger Faktor, damit die Integration klappt», sagt Amanda Wittwer. Sie ist im Verein «Zusammen in Zuchwil» die Projektleiterin fürs Muki-Deutsch. Primär geht es darum, Deutsch zu lernen. «Aber auch gesellschaftliche Werte und Informationen über das Schulsystem werden vermittelt», so Wittwer. Damit steigen das Selbstvertrauen und die Kompetenz, sich im Alltag zurechtzufinden und sich am Dorfleben zu beteiligen. Sei es im Gespräch mit dem Arzt, beim Einkaufen oder unterwegs mit dem öffentlichen Verkehr. «Das ist zum Nutzen von uns allen», ist Wittwer überzeugt. Zudem erleben die Knirpse eine erste, sanfte Schulsozialisation. Dadurch würden die Bildungschancen verbessert.

Zuchwiler Modell als Idealfall

«Zusammen in Zuchwil» führt die Muki-Deutsch-Kurse in enger Zusammenarbeit mit den Zuchwiler Schulen durch. Die machBar Bildungs-GmbH aus Aarau, Spezialistin für Bildungsprojekte, leitet und organisiert die Lektionen und sucht Leiterinnen. Geplant sind ab kommendem Jahr zwei Doppellektionen pro Woche mit 12 Teilnehmerinnen und Kindern. Die Kurse finden im ehemaligen Kindergarten Tulpenweg statt.

Zuchwil ist mit über 40 Prozent kantonale Spitzenreiterin beim Ausländeranteil. In der Schule ist der Anteil noch höher. Nicht nur Schuldirektor Stephan Hug stellte fest, dass in Zuchwil bei Deutschkursen für Mütter und Kinder eine Lücke besteht. Auch Sabine Graser, Fachexpertin für Integration im kantonalen Amt für Soziale Sicherheit, setzt auf das Angebot. «Die Muki-Deutsch-Kurse sind unbedingt fördernswert. Denn wer die Landessprache spricht, integriert sich einfacher.» Ein Vorteil von Muki-Deutsch sei, dass die Kurse in der Wohngemeinde stattfinden, im vertrauten Umfeld. Dadurch werde eine Hemmschwelle abgebaut und Integration lokal gefördert. Graser bezeichnet das Zuchwiler Modell mit dem Integrationsverein als direktem Ansprechpartner vor Ort als Idealfall. «Der Verein nimmt die Koordination aktiv in die Hand. Das ist sehr wertvoll.»

Kursteilnehmerinnen leisten Beitrag

Einig sind sich alle Beteiligten, dass es wohl einige Wochen oder Monate dauert, bis das Zielpublikum das Angebot kennt und es auch nutzt. Auch müsse man sich klar darüber sein, dass sich die deutsche Sprache nicht von heute auf morgen lernen lässt. Über Integrationskredite von Bund und Kanton werden die Kurse subventioniert – bis zu einem Niveau, auf dem sich die Kursteilnehmerinnen in einfachen Situationen auf Deutsch verständigen können. Die Teilnehmerinnen zahlen 5 Franken pro Lektion. Der frühere Gemeindebeitrag wird im Kanton Solothurn neu ebenfalls durch den Integrationskredit gedeckt.

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