Um die 300000 Tonnen Speiseabfälle fallen in Schweizer Restaurantküchen pro Jahr an – für die Schweine bisher ein gefundenes Fressen. Seit dem 1.Juli dieses Jahres ist das vorbei. Eine EU-Richtlinie verbietet, Speisereste an Schweine zu verfüttern. Bauern und Wirte müssen sich neu organisieren.

Betroffen vom Verbot sind Hugo und Elisabeth Meyer vom Aelpli in Ramiswil. 40 Mastschweine besitzen sie, bei rund 20 Restaurants haben sie vor dem 1. Juli Speiseabfälle eingesammelt. Für Elisabeth Meyer ist das Verbot kein grosser Einschnitt, wie eine erste Bilanz zeigt: «Das Futter kommt jetzt etwas teurer, wir haben dafür aber weniger Arbeit.» Positiv ist der Bäuerin aufgefallen, dass die Tiere besser gesättigt sind. Denn gab es zuvor beispielsweise Fässer nur voller Salat, ist das Futter nun auf die Tiere abgestimmt.

Weggefallen ist auch der umständliche Kochprozess. Denn die Kübel mit den Abfällen mussten nicht nur abgeholt und geputzt werden. Aus hygienischen Gründen mussten die Speisereste während 20 Minuten auf dem Siedepunkt gekocht, der ganze Prozess für das Veterinäramt dokumentiert und aufgezeichnet werden. Der Aufwand sei immens gewesen, erklärt Elisabeth Meyer.

Jetzt entsteht Strom

«Das Kochen gab ziemlich viel zu tun», sagt auch Marianne Lehmann vom Unteren Muttenhof in Bellach. 30 Schweine besitzen sie, bei rund
20 Restaurants und Altersheimen in der Region Solothurn sammelten sie vor dem 1.Juli Essensreste für ihre Schweine ein. «Wir haben zuvor bessere Kübel gekauft und das Auto war auch vorhanden», sagt Lehmann. So haben sich die Landwirte entschieden, den Abtransport der Speiseabfälle auch nach dem Verbot weiterzuführen. Seit dem 1.Juli bringen sie die Abfälle in die Firma Schenk in Wynigen. Statt Schweinefutter wird aus den Speiseresten jetzt Strom hergestellt.

Mit dem Verbot hat sich auch für Markus Saner aus Mümliswil ein neuer Geschäftszweig eröffnet. Bei 45 Restaurants in den Kantonen Solothurn, Aargau und Baselland sammelt er seit nun Speisereste ein. In die Geschäftslücke sprang der Betreiber des Partyservice Culinaria Saner nicht freiwillig. Als Gastronom war er selbst vom Verbot betroffen. «Die Offerten von Grossfirmen waren teuer», erklärt er. Die Speisereste bringt Saner in die Kompogas in Oensingen.

Probleme beim Futterersatz

Als Knackpunkt erweist es sich, Ersatz für die Speiseabfälle zu finden. Meyers haben Glück: «Unser Sohn
ist Käser im Reckenkien. Dort fällt Schotte an», erklärt Elisabeth Meyer. Damit können sie einen Grossteil des Futters noch immer selbst bereitstellen. Zusätzlich kaufen sie Brotabfälle von Bäckereien und Malz der Brauerei Feldschlösschen hinzu.

Auch Marianne und Fritz Lehmann besorgen das Futter weiterhin selbst. Statt der Speiseabfälle verwenden sie vermehrt Gerste und Futterweizen aus eigener Produktion. Das Futter zu kaufen, kommt für sie nicht in Betracht: Dazu brauchte es wohl ein Silo. «Wir wollen nicht weiter viel Geld investieren», sagt Lehmann. Denn für die Schweinezüchter sehe es nicht rosig aus. Die Preise seien so tief wie schon lange nicht mehr.

Auf dem Futtermarkt – und bei Grossbetrieben – hat das Verbot aber deutlichere Spuren als bei den kleineren Betrieben hinterlassen. «Einzelne, spezialisierte Betriebe suchen nach Alternativen», sagt Stefan Müller vom Futtermittelhersteller Melior AG in Herzogenbuchsee. Der Markt für Nebenprodukte habe spürbar zugelegt. «Milchnebenprodukte wie Schotte oder Lebensmittelnebenprodukte wie Weizenstärke sind schwierig erhältlich. Dies geht bis hin zu gewissen Lieferengpässen.» Deshalb sei der eine oder andere Betrieb auf Mischfutter umgestiegen.

Produktionskosten gestiegen

Höhere Futterkosten und steigende Produktionskosten bezeichnet Adrian Schütz von Suisseporcs, dem Schweizerischen Schweinezüchterverband, als Konsequenz des Gesetzes. «Zum einen hat die Landwirtschaft höhere Produktionskosten. Zum anderen ist es eine Verschwendung von Nahrungsmitteln und eine Verhinderung sinnvoller Wiederverwertung.» Schon länger ist die Industrie mit einem anderen Verbot konfrontiert: Seit der Rinderseuche BSE dürfen keine Schlachtabfälle mehr verfüttert werden. Nachteil ist, dass dadurch Eiweisse fehlen. Deswegen muss vermehr Soja aus dem Ausland importiert werden.