«Vor sechs Jahren prophezeite ich an der Delegiertenversammlung, es stünden dunkle Regenwolken am Horizont, die auf uns zukommen würden.» Mit diesen Worten eröffnete Urs Kipfer, Präsident des Solothurnischen Fleckviehzuchtverbandes (SOFZV), die Delegiertenversammlung 2011 in der Mehrzweckhalle Stüsslingen. «Nun sind sie da», fuhr er fort, «und kein Wind in Sicht, der sie wegbläst. Im Gegenteil. Die Wolken verwandeln sich in Hagelwetter, das mit Blitz und Donner über uns steht. Ein Sturmtief wird so manchen Landwirtschaftsbetrieb wegfegen.»

Die zahlreichen Teilnehmer sind es gewohnt, dass Urs Kipfer in seinen Begrüssungsreden kein Blatt vor den Mund nimmt. Betriebsleiter seien gezwungen, sich den Lebensunterhalt ausserhalb der Landwirtschaft zu verdienen. Ihr Land würde von finanzkräftigeren Kollegen übernommen. «Es sind die Grosskonzerne, die sich an den von uns Bauernfamilien produzierten Produkten im grossen Stil bereichern», donnerte er.

«Wie und wo diese Nahrungsmittel produziert werden, spielt keine Rolle»

Traurig sei es, dass heute mit Stein- und Asthaufen mehr Geld verdient werde als mit den von der Landwirtschaft produzierten Grundnahrungsmitteln. Biodiversität sei hoch im Kurs; die Naturparks würden wie Pilze aus dem Boden schiessen. Mit ironischem Unterton erwähnte Urs Kipfer die Nationalrätin Hildegard Fässler (SP), für welche die Schweiz ja kein Agrarland sei, das Importieren von Nahrungsmitteln unbedenklich und sowieso habe es genug günstige davon auf dem Weltmarkt. «Wie und wo diese Nahrungsmittel produziert werden, spielt keine Rolle», meinte der Redner, «Hauptsache, es können sich einige am Elend von weltweit Millionen Menschen bereichern.» Die Mehrheit der Anwesenden zeigte mit kräftigem Applaus, dass sie mit ihrem Präsidenten einig war.

Die Mitglieder des Frauenforums Stüsslingen-Rohr hatten die Mehrzweckhalle in einen fröhlichen Frühlingsgarten verwandelt und waren verantwortlich für Speis und Trank. Regierungsrätin Esther Gassler freu-te sich, in ihrer engeren Heimat aufzutreten. Sie sagte zum Präsidenten gewandt, es seien Dinge im Gang, welche auch die Regierung beschäftigen würden. Sie und ihre Kollegen seien sich bewusst, dass die Landwirtschaft im Kanton Solothurn ein wichtiger Bestandteil der Volkswirtschaft sei. «Es ist wichtig, dass die beiden Seiten zusammenarbeiten und ausreichend kommunizieren», hielt Gassler fest.

Zudem wurden zahlreiche Ehrungen vorgenommen. Unter anderem wurde Hans Oberli geehrt für zwölf Jahre Expertenarbeit. Viktor Ambühl erhielt einen Erinnerungsteller für zwanzig Jahre Tätigkeit als Verbindungsperson der VZG Luterbach.