«Zémire et Azor oder die Schöne und das Biest» – dieser bekannte Märchen-Stoff ist als diesjährige Barockoper-Aufführung auf Schloss Waldegg in Feldbrunnen zu sehen. Andreas Reize und sein Cantus Firmus Consort sowie die Solisten Michael Feyfar, Andrea Lauren Brown, Dominik Wörner, Jan-Martin Mächler, Ursina Leuenberger und Barbara Erni sind in den Hauptrollen zu sehen, Regie führt wiederum Georg Rootering.

Schweizer Première

«Mit dieser Oper haben wir einen ganz speziellen ‹Fund› gemacht», sagt Andreas Reize am Rande einer Probe auf der Waldegg. Bei der Suche nach einem passenden Stück kam ihm die Opern-Bearbeitung des alten französischen Volksmärchens durch den Komponisten André-Ernest-Modeste Grétry (1741–1813) in die Hände. Via Internet kam er an das Notenmaterial aus dem Jahr 1771. Denn es klingt fast unwahrscheinlich, ist aber wahr: Diese Waldegg-Inszenierung ist die Schweizer Erstaufführung der Oper «Zémire et Azor», wie das Stück seit seiner Uraufführung heisst.

Dabei waren Komponist und Stück nach der Uraufführung vor 240 Jahren richtige Publikumsrenner. «Bis zu Mozarts Opern war ‹Zémire et Azor› die meistgespielte auf französischen und deutschen Bühnen.» Dass auch Mozart Grétrys Werk kannte und dieses Stück ihn inspirierte, ist sehr wahrscheinlich, denn als 15-Jähriger hielt er sich damals in Paris auf. Ein Indiz ist auch die Tatsache, dass in Mozarts Nachlass eine Kopie von «Zémire et Azor» gefunden wurde. Auch musikalisch lässt Grétrys Musik immer wieder an Mozart denken – oder müsste es umgekehrt formuliert sein? «‹Zémire et Azor› weist Arien mit Hitpotenzial auf», stellt Andreas Reize begeistert fest.

Als Märchen bekannt

«Es ist erstaunlich, wie die Musik mancher Künstler über die Jahrhunderte hinaus immer gespielt wird und andere, deren Kompositionen eine genauso hohe Qualität aufweisen, einfach verschwinden», sagt Thomas Krümpelmann, der als Dramaturg diese Inszenierung begleitet. Er charakterisiert Grétrys Musik als zierlich. Zusammen mit Andreas Reize habe er sich eine Inszenierung in Paris angeschaut, welche die beiden aber nicht sehr überzeugt habe. «Die Instrumentierung war dürftig und auch die schauspielerische Leistung hat mir nicht gefallen.»

Für Regisseur Georg Rootering ist Grétry eine Entdeckung. «Das Märchen kennt man, doch diese Opern-Fassung war mir bisher unbekannt, obwohl es zu seiner Zeit eines der erfolgreichsten Stücke überhaupt war.» Verfolge man die Musik, höre man Anklänge von Gluck, Mozart oder Händel. Es müsse für die damalige Zeit eine sehr moderne Musik gewesen sein, denn am französischen Hof wurden immer noch Lully- oder Rameau-Kompositionen gespielt. Komponisten also, die schon damals antiquiert waren. In dieser Schweizer Erstaufführung werden die Arien in Französisch gesungen, die Texte aber in Deutsch gesprochen.

«Hervorragende Akustik»

Er freue sich immer auf die Barock-Produktion auf der Waldegg, so der Regisseur weiter. Auch wenn man hier unter grossem Zeitdruck und unter nicht ganz einfachen Bedingungen arbeiten müsse. «Das Schloss ist ein öffentlicher Raum, was uns das Proben nicht immer leicht macht. Hinzu kommt die Unbeständigkeit des Wetters. Doch mit dem mittlerweile eingespielten Team läuft alles wie am Schnürchen.»

Dieses Jahr wird auf der Waldegg die Orangerie bespielt. Es sei ein Grundsatz der Barockopern-Produktionen, auf dem Schloss immer wieder die Schauplätze zu wechseln. «Wunschtraum ist aber, einmal die gesamte Schloss-Fassade in eine Inszenierung einzubeziehen. Ob das je möglich ist, bleibt offen.» Doch in der Orangerie wird die Akustik hervorragend sein, sagen Rootering und Reize übereinstimmend.

Rootering legt in der Inszenierung auf der Waldegg viel Wert auf das Märchenhafte, das Komödiantische des Stücks. Er meint: «Das Stück hat im Gegensatz zum Film viel mehr burleske Elemente, die ich herausarbeiten will.»

Premiere: Mittwoch, 10. August
Vorstellungen jeden Abend bis Sonntag, 14. August, jeweils 20.15 Uhr.

Bei schlechtem Wetter im Konzertsaal Solothurn.