Unihockey
Ein Vierkampf um den Thron – und das Rennen um die letzten zwei Playoff-Plätze ist ebenfalls völlig offen

An der Tabellenspitze der NLA liegen der SV Wiler-Ersigen, GC, Alligator Malans und Floorball Köniz nur zwei Punkte auseinander. Noch zwei Runden sind ausstehend in der Master Round. Der Sieger darf sich zuerst den Gegner für die Playoff-Viertelfinals aussuchen. Um die übrigen beiden Playoff-Tickets streiten sich in der Challenge Round gleich fünf Klubs.

Raphael Wermelinger
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Im Moment liegen die Spieler des SV Wiler-Ersigen um den Finnen Joonas Pylsy in der NLA vorne.

Im Moment liegen die Spieler des SV Wiler-Ersigen um den Finnen Joonas Pylsy in der NLA vorne.

Hans Peter Schläfli

Seit die NLA 2010 auf 12 Teams aufgestockt wurde, gab es noch nie ein so ausgeglichenes Titelrennen wie in der aktuellen Saison. Vier Klubs kämpfen an den letzten zwei Spieltagen vor den Playoffs um den Spitzenplatz in der Master Round. Aktuell liegt der Rekordmeister Wiler-Ersigen vorne. Punktgleich dahinter folgt GC. Alligator Malans liegt nur ein Punkt hinter dem Spitzenduo zurück, Köniz auf Platz vier deren zwei Punkte.

Die letzten 16 Meister stammen allesamt aus diesem Quartett. Der SV Wiler-Ersigen holte seit 2004 zwölf Titel und ist als Meister von 2019 quasi immer noch der Titelverteidiger. 2018 gewann Köniz den ersten Meistertitel der Klubgeschichte, zwei Jahre davor war Gleiches den Grasshoppers gelungen. Alligator Malans stand 2013 zum bislang letzten Mal an der Spitze der Hierarchie.

Obwohl ein Teil des Quartetts am vergangenen Wochenende etwas Federn lassen musste – Wiler unterlag Zug und Köniz verlor gegen Winterthur –, werden die vier Klubs das Wahlrecht für die Playoff-Viertelfinals und auch die Meisterschaft unter sich ausmachen. So präsentiert sich die Ausgangslage kurz vor Playoff-Start.

Formkurve

Leader Wiler-Ersigen hat vier der letzten fünf Spiele gewonnen. Nach Siegen gegen Winterthur und GC verlor der SVWE am vergangenen Wochenende erstmals in der Master Round – 5:6 nach Penaltyschiessen. Das Restprogramm ist happig: Mit Köniz und Malans warten zwei direkte Konkurrenten aus den Top 4.

Das Team des zwölffachen Schweizer Meisters SV Wiler-Ersigen.

Das Team des zwölffachen Schweizer Meisters SV Wiler-Ersigen.

zvg

Die Grasshoppers, welche nach der Qualifikation noch auf Platz eins waren, mussten zuletzt zweimal als Verlierer vom Feld – 7:8 gegen Wiler und 4:11 gegen Malans. Mit Zug und Winterthur haben die Zürcher noch die auf dem Papier schwächsten Konkurrenten vor sich.

Malans konnte GC am Samstag bereits zum zweiten Mal in dieser Saison bezwingen. Es war der zweite Sieg im dritten Spiel der Master Round für die Bündner. Die Niederlage resultierte gegen Köniz.

Für die Berner ihrerseits war die Master Round bis jetzt ein Auf und Ab: Niederlage gegen GC, Sieg gegen Malans, Pleite gegen Winterthur. In den letzten zwei Spielen braucht Köniz wohl zwei Siege, um für den Viertelfinal noch eine Auswahl an Gegnern zu bekommen.

Offensive

Was ihre Torausbeute angeht, unterscheiden sich die Teams nicht gross. GC stellt mit 92 Toren in 14 Spielen, also im Durchschnitt deren 6,5 pro Partie, die statistisch beste Offensivabteilung. Der Topskorer der Zürcher ist Joel Rüegger. 16 Treffer und ebenso viele Vorlagen gelangen dem 25-jährigen Primarlehrer. Claudio Laely (10 Tore/15 Assists) und Paolo Riedi (14/6) belegen die Plätze zwei und drei in der internen Skorerliste.

GC verlor den ersten Platz am dritten Spieltag der Master Round an Wiler-Ersigen. Mit 92 Toren sind die Zürcher das produktivste Team der Liga.

GC verlor den ersten Platz am dritten Spieltag der Master Round an Wiler-Ersigen. Mit 92 Toren sind die Zürcher das produktivste Team der Liga.

zvg

Wiler-Ersigen hat den zweitbesten Angriff. 20 von insgesamt 89 Toren gehen auf das Konto von Michal Dudovic. Der Finne Joonas ­Pylsy traf 14 Mal ins gegnerische Gehäuse. Sein Landsmann Krister Savonen ist mit 4 Toren und 15 Assists der produktivste Verteidiger der Liga.

Michal Dudovic vom SV Wiler-Ersigen erzielte 20 Tore in 14 Spielen.

Michal Dudovic vom SV Wiler-Ersigen erzielte 20 Tore in 14 Spielen.

Hans Peter Schläfli

Bei Alligator Malans ragen der Schwede Anton Vestlund mit zehn und Tim Braillard mit acht Toren aus dem Kollektiv heraus. Für Floorball Köniz sammelte Manuel Maurer am meisten Punkte (13 Tore und 10 Vorlagen).

Defensive

Bei der Defensive hat Köniz die Nase vorne. Mit 54 Gegentoren kassierten die Berner deren drei weniger als Wiler-Ersigen und Alligator Malans. Nach den ersten drei Saisonspielen hatte Köniz nur zwei Gegentore auf dem Konto. Seit Beginn der Master Round schlägt es deutlich mehr ein als in der Qualifikation – 19 Gegentreffer in drei Spielen.

Köniz liess in dieser Saison bislang am wenigsten Gegentore zu.

Köniz liess in dieser Saison bislang am wenigsten Gegentore zu.

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Es geht indes noch schlechter. GC kassierte zuletzt in nur zwei Partien 19 Tore, in den drei Spielen der Master Round waren es insgesamt 23, und hat in dieser Statistik etwas das Nachsehen.

Strafen

Klar ist die Sache bei den Ausschlüssen. GC fing sich in den bisherigen 14 Spielen 27 Zwei-Minuten-Strafen ein. Spieler von Alligator Malans mussten 21 Mal auf die Strafbank. Nur eine Strafe pro Spiel leistete sich der SV Wiler-Ersigen. Damit ist Trainer Thomas Bergers Mannschaft die bravste von den vier Teams an der Tabellenspitze. Eine Strafe mehr bekam der Tabellenvierte Köniz aufgebrummt (15).

Restprogramm

Es verbleiben noch zwei Spiele. Der beste Klub nach der Master Round darf sich zuerst den Gegner für die Playoff-Viertelfinals aussuchen. Das Schlager-Spiel am Wochenende vom 27. und 28. Februar ist die Affiche zwischen Floorball Köniz und dem SV Wiler-Ersigen. Das erste Aufeinandertreffen in der laufenden Saison endete am 20. Januar mit einem 3:2-Auswärtssieg für Köniz. Die Formkurve spricht eher für den Tabellenführer Wiler-Ersigen.

«Wiler-Ersigen ist eines der ballsichersten Teams der Liga», sagte Köniz-Topskorer Manuel Maurer vor dem Spiel gegenüber Swiss Unihockey. «Sie sind immer darauf bedacht, keine unnötigen Fehler zu machen.» Um den Rekordmeister schlagen zu können, brauche es eine disziplinierte Defensive und eine effiziente Offensive, sagt Maurer. «Dies gepaart mit einem hohen Energielevel und harten Zweikämpfen ist das Rezept gegen den SV Wiler-Ersigen.»

Alligator Malans liegt aktuell auf dem dritten Tabellenplatz und muss zum Abschluss der Master Round noch gegen Rychenberg und Wiler-Ersigen ran.

Alligator Malans liegt aktuell auf dem dritten Tabellenplatz und muss zum Abschluss der Master Round noch gegen Rychenberg und Wiler-Ersigen ran.

zvg

Dessen Topskorer, dem im Verlauf dieser Saison vier Hattricks in Serie gelangen, unterstreich die Wichtigkeit des ersten Platzes. «Es ist ein super Gefühl und ich hoffe, dass wir diese Position jetzt bis zum Start der Playoffs behaupten können», sagt Michael Dudovic. Mit Köniz habe man noch eine Rechnung offen: «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, diese zu begleichen. Es ist aber immer schwer, gegen Köniz zu punkten. Ihre Verteidigung funktioniert sehr gut. Es ist möglich, dass wir nicht viele Tore sehen werden.»

Fünf Klubs innerhalb von zwei Punkten

Als wäre das Titelrennen nicht schon spannend genug, präsentiert die Challenge Round eine geradezu dramatische Situation. Fünf Teams streiten sich um die letzten beiden Tickets in den Viertelfinals. Einzig Liga-Schlusslicht Ad Astra Sarnen ist bereits aus dem Rennen.

Uster liegt im Moment vorne. Und könnte mit einem Sieg in der zweitletzten Runde gegen Sarnen einen grossen Schritt Richtung Playoffs machen. Das Team von Trainer Simon Meier gewann alle drei bisherigen Spiele der Challenge Round, sollte aber gewarnt sein. Denn Sarnen hat zwar nur sechs Punkte auf dem Konto, am vergangenen Spieltag aber Chur die Suppe versalzen.

Mit einem Punkt Rückstand auf den momentan führenden UHC Uster folgt ein Trio bestehend aus Langnau, Waldkirch-St. Gallen und Chur mit je 16 Punkten. Chur und WaSa treffen am vorletzten Spieltag an diesem Wochenende aufeinander. Beide Teams gingen am vergangenen Spieltag leer aus. Für Chur war es die zweite Niederlage in Folge, für die St. Galler die erste in der Challenge Round.

Thun auf Platz fünf hat nur zwei Punkte Rückstand auf das Trio. Am Samstag kommts zum Berner Derby gegen Tigers Langnau. Die Formkurve spricht eindeutig für die Thuner, die nach zwei Siegen Aufwind haben.

Die Tigers verpassten als Siebter der Qualifikation den direkten Einzug in die Playoffs am knappsten, drei Punkte fehlten gegenüber Zug und Rychenberg. Seither befinden sich die Emmentaler im freien Fall. Nach drei Niederlagen in der Challenge Round ist das Polster von fünf Punkten futsch.

Noch wären die Langnauer, die am letzten Spieltag noch auf Sarnen treffen, in den Playoffs. Dass dort einem der beiden Glücklichen der Challenge Round ein Exploit gelingen könnte, ist aber sowieso sehr unwahrscheinlich. Die Playouts werden nicht ausgetragen.