Unia-Regionssekretär Beat Jost warf an einer Medienkonferenz heute Morgen Sappi Winkelzüge vor, um  sich aus der sozialen Verantwortung zu stehlen. «Es ist beschämend und skandalös», so Jost. Ob dies tatsächlich so ist, wird ein Gericht prüfen müssen: Die Unia reicht beim zuständigen Arbeitsgericht Klage ein. Sappi Schweiz AG bezeichnet die Vorwürfe als «haltlos.»

Die Papieri Biberist wurde im Frühsommer 2011 nach 149 Jahren in zwei Schritten stillgelegt. 500 Arbeitsplätze gingen verloren.  Um die Folgen der Schliessung zu mildern, wurde am 8. Juli 2011 zwischen der Sappi, und den Gewerkschaften ein Sozialplan abgeschlossen. «Ein Kernstück dieses Vertrages sind die Bestimmungen bezüglich Frühpensionierungen», schreibt die Unia.

Nun dreht sich der Streit um die Frage, ab welchem Zeitpunkt die Frühpensionierung für die älteren Mitarbeitenden zum Tragen kommt. Konkret geht die Unia davon aus, dass die zweistufigen vorzeitigen Pensionierungen ab dem 59. und 61. vollendeten Lebensjahr gelten. Sappi vertritt den Standpunkt, dass  es sich um das 60., bzw. 62. Altersjahr handelt.

In einer Stellungnahme gegenüber der az Solothurner Zeitung bezeichnet Sappi die Vorwürfe der Unia als «haltlos.» Sappi werde sich gegen eine allfällige Klage der Gewerkschaft entschieden zur Wehr setzen. Die Paritätische Kommission – bestehend aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern – habe die Vorwürfe bereits Anfang 2012 geprüft und einstimmig verworfen.

Klage beim zuständigen Arbeitsgericht

Mit der Klage hat die Unia den Oltner Rechtsanwalt Roger Zenari beauftragt. Dieser prüfe derzeit, ob beim zuständigen Arbeitsgericht eine Individualklage oder eine Feststellungsklage hinterlegt wird. Da die Unia nicht über die notwendigen Informationen bezüglich allen Betroffenen verfügt, ruft sie ehemalige Mitarbeiter auf, sich bei der Gewerkschaft zu melden.