Wie sicher ist der Hauptbahnhof? Eine Online-Umfrage dieser Zeitung förderte eine klare Mehrheit von Leserinnen und Lesern zutage, die das Bahnhofareal nur mit unguten Gefühlen aufsuchen oder am liebsten einen Bogen um den Bahnhof machen würden.

Von 495 Personen, die sich beteiligten, waren mehr als zwei Drittel oder 339 Leserinnen und Leser dieser Meinung. Nur 156 Teilnehmende fanden, das Bahnhofgelände sei sicher und widersprachen so Leserbriefschreiber A. W., der vor Wochenfrist festgestellt hatte, der Hauptbahnhof trage wesentlich dazu bei, dass Solothurn die «Schönste gefährlichste Barockstadt der Schweiz» sei.

Alles nur Einbildung?

In Ihrer Antwort hatte die Kantonspolizei die Sicherheitslage am Hauptbahnhof als unverändert recht ruhig eingestuft. Und so gibt es durchaus auch Kommentare aus der Leserschaft, die diesen Einsruck teilen. «Manche Solothurner fühlen sich schon an Leib und Leben bedroht, wenn sie Randständige oder Ausländer sehen, welche aber auch am Bahnhof verweilen dürfen. Ein Austauschjahr in einer ausländischen Millionenmetropole würde manchen gut tun», wird in einem Kommentar betont. Ein ander Bahnhofbenützer doppelt nach: «Sone Seich. Ich bin fast täglich am Bahnhof und habe in all den Jahren noch nie etwas Gefährliches erlebt. Aber vielleicht liegts daran, dass ich ein Linker bin.»

Und gar «Gespensterseherei» ortet ein weiterer Kommentator beim verunsicherten Bahnhofpublikum; «Ich steige jede Woche etwa viermal am Hauptbahnhof aus oder ein, zu unterschiedlichen Tageszeiten. Einen Grund zur Angst habe ich noch nie gesehen. Natürlich steht im Durchgang zwischen Bushaltestelle und Perron 1, rund um den Abgang zur Bahnhofunterführung, ein schräges Völklein herum: Bettler, Drögeler, aber auch Jugendliche, die sich mit Bier für eine lange Nacht eindecken. Ein Tipp: Blicken Sie auf die Leute als einzelne Individuen und nicht als Gruppe. Als undifferenzierter Haufen wirken sie vielleicht bedrohlich, als Individuen aber nicht.» Und weiter: «Gibt es vielleicht auch Sicherheitshypochondrie? Auf jeden Fall sollte man die eigenen Ängste nicht zu sehr hätscheln.»

Was können die schon machen

Doch einige Leserinnen und Leser sehen die Situation am Hauptbahnhof vor allem nachts ganz anders: «Wie einige es sagen, gefährliche Barockstadt der Schweiz, ...stimmt fast», findet R. «Nach Eintreffen der Dunkelheit meide ich den Bahnhof, weil ich nur angepöbelt werde, um Geld zu geben, wie auch von dunkelhäutigen Personen zum Kauf von Ware animiert werde. Die Polizei ist sicher präsent, aber was können die machen...»

Ebenfalls auf eine Vermeidungsstrategie setzt ein anderer Leser: «Ich meide beide Solothurner Bahnhöfe nachts. Verzichte sogar auf Veranstaltungen in Solothurn, die abends stattfinden, wenn ich anschiessend nach 22 Uhr mit dem Zug fahren muss.» Relativiert wird das Risiko auf dem Bahnhofareal durch diesen Kommentar: «Der Solothurner Bahnhof ist nicht gefährlicher als der in Olten, Aarau, Lausanne oder um in der Region zu bleiben... Grenchen. Ich habe mich beim Bahnhof noch nie unsicher gefühlt, kann aber durchaus verstehen, wenn sich Senioren hie und da nicht getrauen, durch bestimmte Menschenansammlungen zu laufen.»

Pro und Kontra auf Facebook

Die Fetzen fliegen auch auf Facebook zum Thema Sicherheit am Hauptbahnhof. Eine Frau schildert ein Erlebnis, als ein Mann geschrien habe: «Ich steche Euch alle ab!» Das sei leider Alltag am Bahnhof. Von einem Typen «voll Heroin» der mit seinem Hund auf Passanten losgegangen sei, berichtet N. «Aber trotzdem fühle ich mich am Bahnhof sicher.»

Darauf U.: «Ab 22 Uhr ist der Bahnhof Solothurn ein Einkaufszentrum. Man kann jede Sorte von harten Drogen und sogar Schusswaffen kaufen.» U. empfiehlt der Kantonspolizei mal in München nachzusehen, wie dort eine Wegweisung funktioniere.

Worauf wieder N. meint: «Also ich finde die Solothurner Polizei super. Ich kann auch um 3 Uhr morgens am Bahnhof sein, und mir passiert nix.» Worauf sich M. zum «Einkaufszentrum» einschaltet: «Ich glaube, Du verwechselst Solothurn mit Zürich.» Eine Mutter schreibt, ihre Tochter sei schon bedroht worden. Ihr pflichtet eine weitere Frau bei. Früher habe sie nie Angst gehabt am Bahnhof, «aber heute ist es grausam». Alkohol- und Drogenkonsum sowie Pöbeleien seien an der Tagesordnung. «Traurig!», stellt sie fest.

Eine andere Mutter holt ihre Tochter spätabends stets ab. «Es wird immer schlimmer», so eine weitere Frau, worauf ein nächtlicher Bahnhof-Besucher meint: «Ich sass kürzlich eineinhalb Stunden alleine am Bahnhof und wartete auf den Moonliner. Ich hatte keine Probleme. Weder gehabt, noch festgestellt.»