Kantonspolizei

Umfrage zeigt: Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

Eine der vielen Situationen, welche die Solothurner Polizistinnen und Polizisten in dieser Woche übten: Wie verhalte ich mich, wenn mir der Weg versperrt wird und es keinen Ausweg gibt?

Eine der vielen Situationen, welche die Solothurner Polizistinnen und Polizisten in dieser Woche übten: Wie verhalte ich mich, wenn mir der Weg versperrt wird und es keinen Ausweg gibt?

Diese Zahlen lassen aufhorchen: 72 Prozent der Solothurner Kantonspolizistinnen und Kantonspolizisten wurden letztes Jahr ein- oder mehrmals verbal massiv bedroht; 60 Prozent wurden körperlich angegriffen, 14 Prozent sogar mit Waffen.

Dieses Ergebnis einer Umfrage unter 260 Polizisten hat das Kommando zum Handeln veranlasst. «Wir wollen die Polizisten besser begleiten, wenn sie eine Strafanzeige einreichen», erklärt Kommandant Thomas Zuber. «Auch die psychologische Unterstützung wird intensiviert, indem wir das Thema Gewalt gegen Polizisten verstärkt in die Aus- und Weiterbildung einbinden.»

Polizeiberaterin erklärt, wie Polizisten auftreten müssen

Polizeiberaterin erklärt, wie Polizisten auftreten müssen

Schliesslich wurde diese Woche ein Trainingskurs angeboten, an dem 90 Polizisten teilnahmen. «Sie sollen lernen, wie ihr Verhalten wahrgenommen wird und wie sie deeskalierend wirken können», erklärt Polizeikommandant Zuber.

Ein Spiegel für die Polizisten

An diesem eintägigen Kurs werden die Polizisten hart angepackt. Das zeigt ein Augenschein gestern im Oensinger Bienkensaal. «Face-to-face» heisst das Training – und so ist es auch: direkt, ungeschminkt, provokativ. 16 meist junge Kantonspolizistinnen und -polizisten werden von drei Trainern aus Deutschland bei Rollenspielen in Konfliktsituationen verwickelt.

Die Trainer spielen dabei die gefährlichste «Kundschaft» der Polizisten: junge Mehrfachtäter, die den Streit gezielt suchen. Die Trainer provozieren, beleidigen, bedrängen die Polizisten im Laufe des Kurstages immer heftiger. Die Reaktionen werden dann analysiert.

Es wird den Polizisten aufgezeigt, mit welchem Verhalten sie die Täter zusätzlich provozieren. Dabei steht weniger die Wahl der Worte im Mittelpunkt als die Körpersprache: Welche Signale sendet der Polizist durch seine Mimik, seinen Blick oder seinen Gang aus? «Die Teilnehmer erhalten einen Spiegel vorgesetzt, was sie auslösen, wenn sie sich so oder so verhalten», erklärt Kursleiterin Rita Steffes-enn vom Institut für direktbezogene Täterarbeit.

Ein forsch auftretender Polizist kann die Täter ebenso provozieren wie ein unsicherer. «Wir vermitteln in unserer Schulung kein Patentrezept: Jede Situation ist anders und kann sich anders entwickeln», sagt Steffes-enn.

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