M-Watch

Uhrenherstellerin Mondaine setzt auf Manor statt Migros

André und Ronnie Bernheim, Besitzer der Uhrenherstellerin Mondaine Watch AG, kämpfen um die Marke «M-Watch». Hanspeter Bärtschi

André und Ronnie Bernheim, Besitzer der Uhrenherstellerin Mondaine Watch AG, kämpfen um die Marke «M-Watch». Hanspeter Bärtschi

Zwei Hersteller, eine Marke – nun klagt Biberister Uhrenherstellerin am Handelsgericht gegen den Grossverteiler. Mondaine will Migros die Verwendung der M-Watch-Marke gerichtlich verbieten lassen.

Im vergangenen Mai kam es in der Schweizer Wirtschaft zu einer spektakulären Kampfscheidung zwischen Goliath und David: Grossverteiler Migros kündigte die 1983 begonnene Zusammenarbeit mit der kleinen Uhrenherstellerin Mondaine Watch in Biberist. 27 Jahre lang war Migros der exklusive Absatzkanal für die inzwischen legendäre, in Biberist produzierte M-Watch. Im Streit geht es um Markenrechte, verschärfte Lieferbedingungen, Modellangebot usw. Nun kämpfen die Protagonisten vor Gericht um das Markenrecht. Doch davon später.

Neuer Vertriebspartner ist Manor

Nach der Trennung war Mondaine gezwungen, einen neuen Absatzkanal zu finden – und die Biberister wurden fündig. Seit dem 11. Oktober wird die Uhr über die Manor-Gruppe vertrieben. 40 Modelle können in den 71 Filialen der Warenhauskette gekauft werden, wie André Bernheim erklärt, der das Familienunternehmen Mondaine Watch AG mit Hauptsitz in Zürich und Produktion in Biberist gemeinsam mit seinem Bruder Ronnie führt. «Wir sind über den Verlauf der Verkäufe in den ersten zwei Monaten positiv überrascht», zieht Bernheim eine erste Bilanz.

«Der Verkauf bewegt sich im Rahmen der Erwartungen», sagt ihrerseits Manor-Sprecherin Elle Steinbrecher. Aus «Konkurrenzgründen» geben beide Seiten keine Zahlen bekannt. Manor beurteilt die Chancen der M-Watch dank «dem hohen Bekanntheitsgrad» als gut ein.

Diese Meinung teilt Bernheim. «Wir werden wie in früheren Jahren wieder rund 200000 M-Watches jährlich absetzen können.» Bei der Migros waren es zuletzt weniger als 90000 Exemplare. Seit dem Start im Jahr 1983 ging der Zeitmesser über sieben Millionenmal über den Migros-Ladentisch.

Migros lanciert «neue» M-Watch

Dass die Marke M-Watch offenbar bei den Konsumenten gut verankert ist, zeigt das Verhalten der Migros. Nebst einem «Restposten» der noch von Mondaine vor dem Streit gelieferten Uhren verkauft der Grossverteiler seit jüngstem «neue» M-Watches, wie Migros-Sprecher Urs Peter Naef bestätigt. Die Migros-Uhr wird neu im Tessin bei der Firma FM Logistics in Besazio montiert, allerdings mit einem minim abgeänderten Logo. Es handle sich um das ursprüngliche Logo der ersten M-Watch, welches im späteren Verlaufe verändert worden sei, präzisiert Naef. Zum Start seien 14 Modelle im Verkauf, Ziel seien 64 Modelle. Auch er ist vom Erfolg überzeugt: «Wir werden mit den neuen Migros-Uhren nahtlos an den Erfolg der M-Watch anknüpfen können.»

Nach Migros klagt jetzt Mondaine

Im juristischen Streit gibt es noch keinen Sieger. Bis das juristische Hauptverfahren, in dem es um die Markenrechte der M-Watch geht, abgeschlossen wird, dürfte es noch eine Weile dauern. Einen ersten Teilsieg indes hat Mondaine errungen. Migros wollte vor dem Zürcher Handelsgericht durchsetzen, dass Mondaine die M-Watch nicht selbst über Internet oder andere Vertriebskanäle verkaufen dürfe. Das Gericht lehnte das Anliegen des orangen Riesen vollumfänglich ab. Nun will Mondaine ihrerseits der Migros die Verwendung der M-Watch-Marke gerichtlich verbieten lassen. «Der Konsument kann nicht zwischen der ‹richtigen›, von Mondaine hergestellten M-Watch und der neuen Migros-Uhr unterscheiden», begründet Bernheim. Sie werde unter der gleichen Bezeichnung verkauft und gewisse Modelle stellten «sklavische Nachahmungen» der Original-Mondaine-Uhren dar. Das Handelsgericht wird in den kommenden Wochen entscheiden.

Unabhängig vom Zerwürfnis mit der Migros läuft die Produktion in der Uhrenfabrik in Biberist auf Hochtouren. Sehr gefragt sei etwa die Marke Mondaine mit den legendären Bahnhofsuhren für das Handgelenk. «Sowohl umsatz- wie absatzmässig werden wir im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahr rund 30 Prozent wachsen», sagt Bernheim. Für die Marke Luminox (mit stromunabhängigem Beleuchtungssystem) sagt er sogar ein Plus von 85 Prozent voraus.

Höhere Kapazitäten, mehr Stellen

2011 würden aufgrund der steigenden Nachfrage die Produktionskapazitäten nochmals erhöht und der Personalbestand weiter aufgestockt, blickt Bernheim voraus. Bei der Mondaine in Biberist arbeiten aktuell rund 60 Angestellte. Im ebenfalls zur Gruppe gehörenden und im selben Gebäude untergebrachten Distributionscenter Marlox – zuständig für den europaweiten Vertrieb der Uhren der Marken Esprit, Joop und Puma – weitere 50 Beschäftigte.

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