Uhrenbranche

Uhrenfirmen haben wegen der Lieferstopp-Drohung der Swatch Angst

Daniel Schluep, CEO und Besitzer der Titoni AG, sorgt sich um die Zukunft

Daniel Schluep, CEO und Besitzer der Titoni AG, sorgt sich um die Zukunft

Unter den kleineren und mittleren Uhrenfirmen ist Unruhe ausgebrochen. Grund dafür ist der angedrohte Lieferstopp für mechanische Uhrwerke und Assortiments des Uhrengiganten Swatch an Drittkunden. Betroffen wäre auch die Titoni AG aus Grenchen.

Die Titoni AG in Grenchen, die zu 90 Prozent mechanische Uhren produziert, fühlt sich bedroht. «Eine massive Einschränkung der Lieferungen für Uhrwerke ist für uns als unabhängige Uhrenfirma eine ernsthafte Bedrohung», sagt CEO Daniel Schluep. Titoni sei in der Produktion zu fast 90 Prozent von der Uhrwerkherstellerin Eta, einer Tochter der Swatch Group, abhängig. Sollte die stufenweise Lieferreduktion in den kommenden Jahren kontinuierlich wachsen, sei «die wirtschaftliche Existenz bedroht».

Beschaffungs- statt Absatzproblem

Ironischerweise geht es nicht um ein Absatzproblem, sondern um ein Beschaffungsproblem. «Wir sind im laufenden Geschäftsjahr gut unterwegs», erklärt Schluep, der den Familienbetrieb seit 1981 in dritter Generation führt. Rund 180 000 Uhren werde man absetzen können.

Im Vorjahr waren es rund 160 000 Exemplare. Die Grenchner Traditionsfirma brauche deshalb alle Uhrwerke, die erhältlich seien. Titoni habe - auch während der schwierigen Jahre in der Uhrenkrise - an der Konzentration auf mechanische Uhren festgehalten. Zudem entpuppe sich Asien als veritabler Wachstumsmarkt, insbesondere für Uhren im Mittelpreissegment. «Unsere klare Fokussierung hat sich rückblickend gelohnt, die mechanische Uhr hat wieder Fuss gefasst.»

Eigene Produktion zu teuer

Diese Entwicklung wäre nun gefährdet, falls Swatch tatsächlich Drittkunden nicht mehr mit Uhrwerken und Assortiments (Spiralen, Unruhen und Ankerräder) versorgen würde. Da stellt sich für den Beobachter die Frage, warum diese Drittkunden, eben zum Beispiel Titoni, nicht selbst Uhrwerke bauen. Dies sei für eine kleinere Familienunternehmung finanziell fast nicht möglich, antwortet Schluep.

Es benötigte eine neue Produktionsstätte. Es gehe ja nicht um ein einzelnes Uhrwerk, sondern um die ganze Werkherstellung von A bis Z und das für verschiedene Uhrwerkmodelle. Das würde nebst Millionen von Franken auch sehr viel an Know-how und Expertise erfordern. Fazit: «Wenn wir die Uhrwerke selbst herstellen würden, käme das einzelne Werk sehr teuer und wir wären mit unseren Uhren im mittleren Preissegment kaum mehr konkurrenzfähig.»

Wenn die Schweizer Uhrenindustrie aber dieses Preissegment auf den Weltmärkten festigen und ausbauen wolle, benötige es eine Zusammenarbeit der Uhrenfirmen. «Die Strategie, nach welcher jede einzelne Uhrenmarke ihre eigenen Werke entwickelt, ist weder ökonomisch sinnvoll noch verspricht sie Erfolg. Wie ja die Geschichte gezeigt hat», schildert Schluep die Situation.

In Fälschungen eingebaut

Swatch begründet den angepeilten Lieferstopp für Drittkunden unter anderem damit, dass ein Teil der bei Eta bezogenen Uhrwerke von den Abnehmern nach Asien exportiert würden, wo sie zu einem beträchtlichen Teil in Fälschungen eingebaut würden. Diesem Argument bringt Daniel Schluep durchaus Verständnis entgegen. «In Hongkong erhält man auf dem Graumarkt Eta-Uhrwerke zu Hunderttausenden, die dann mit dem Prädikat Swiss Made in unbekannten Marken mit zwielichtigen Namen eingebaut und verkauft werden. Das darf in der Tat nicht sein», enerviert sich Schluep.

Es sei aber nicht nachvollziehbar, dass Uhrenhersteller in der Schweiz, die Arbeitsplätze schaffen und über Jahrzehnte erhalten sowie Steuern zahlen unter dieser Politik leiden und erst noch dafür bestraft werden sollen.

Treue soll «belohnt» werden

Deshalb verlangt er von Swatch, dass ein allfälliger Lieferstopp differenziert angegangen werden müsse. Treue Kunden, wie zum Beispiel die Titoni AG, sollten weiterhin als treue Geschäftspartner behandelt werden. «Wir haben mit der Uhrwerkherstellerin Eta immer einwandfreie Geschäftsbeziehungen gepflegt. Selbst während der einheimischen Uhrenkrise in den 70- und 80er Jahren, als alle Welt nur noch Quarzuhren kaufen wollte, sind wir der mechanischen Uhr treu geblieben.» Das habe auch Eta in schwierigen Zeiten geholfen, als sie auf Drittkunden angewiesen gewesen sei.

Sie habe «dank uns und anderen kleinen Firmen überleben und Gewinn machen können». Dass diese langjährige Beziehung zwischen Geschäftspartnern nun plötzlich abgebrochen werden soll, stimme ihn nachdenklich.

Unabhängig der Entscheide der Wettbewerbskommission bleibt Schluep optimistisch. «Ich bin zuversichtlich, dass sich Swatch ihre Politik gegenüber den kleineren unabhängigen Uhrenfirmen nochmals gut überlegen wird.» Schliesslich müsse es neben den Grossen auch Platz für diese kleinen, unabhängigen Uhrenfirmen geben.

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