Solothurn
Über Nacht die Perrons verlegt: Haltestelle Brühl nimmt Gestalt an

Am Wochenende ist in der Solothurner Weststadt ein riesiger Kran aufgefahren: 14 Tonnen schwere Elemente sind für das Perron der neuen Haltestelle Brühl milimetergenau verlegt worden. Bis im Mai soll der Rohbau fertig sein.

Lucien Fluri
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Bis zu 14 Tonnen schwer sind die Elemente, die der Pneukran hebt.
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Millimetergenau ist die Arbeit. Mit der Gleislehre wird nachkontrolliert, dass der Abstand zwischen Beton und Gleis stimmt.
Mitten in der Nacht entsteht die neue SBB-Haltestelle Brühl
Die Verständigung mit dem Kranführer ist besonders wichtig.
Ein Gleis wurde gesperrt, auf dem zweiten fuhren die ganze Nacht Züge.
In der Luft schwebend wirkt das Betonelement leiter, als es ist.

Bis zu 14 Tonnen schwer sind die Elemente, die der Pneukran hebt.

Felix Gerber

Bahnkilometer 75,6, Montagnacht, 00.43 Uhr. Der letzte Regionalzug passiert Solothurn Brühl. Hinter der Allmendpost dröhnt der raue Dieselmotor eines Pneukrans. Scheinwerfer leuchten die Baustelle aus. In den letzten drei Nächten haben hier rund zehn Bauarbeiter 24 Betonelemente millimetergenau verlegt. Bis zu 14 Tonnen schwer sind sie. Zusammengefügt ergeben sie das 160 Meter lange Perron auf der Nordseite des neuen Bahnhofs. Ab Dezember halten hier die S-Bahn-Züge der SBB. «Wir kommen zügig voran», sagt Gesamtprojektleiterin Carola Wasmuth. Die Bauingenieurin mit Spezialgebiet Bahnwesen leitet den Bau der Haltestelle. Fünf Nächte waren geplant, jetzt sind sie in drei fertig geworden. In den kommenden Nächten folgt das Perron auf der Südseite.

Hier nimmt die Zukunft Solothurns Gestalt an. «Weitblick» und «Wasserstadt» heissen die beiden Projekte, die der Weststadt zusätzliches Passagieraufkommen bescheren könnten. Im Mai soll der Rohbau fertig sein, bis im September werden die Automaten installiert und das Perron wird überdacht. 9,86 Mio. Franken kostet die neue Haltestelle. 40 Prozent bezahlt der Bund, 3,6 Mio. der Kanton. Auf der Südseite der bisherigen Unterführung baut die Stadt eine Buswendeschlaufe für die Linie 6.

«Gäu als Lagerraum der Schweiz»

Kurz bevor ein Zug durchfährt, beginnen orange Warnlichter zu rotieren. Gelbe Postwaggons transportieren Briefe von Härkingen aus in die Westschweiz. Die ganze Nacht hindurch fahren Güterzüge an der Baustelle vorbei. «Das Gäu als Lagerraum der Schweiz macht sich bemerkbar», sagt Projektleiter Tibor Gfeller. Nur rund 6 Stunden haben die Arbeiter nachts Zeit. Dann braucht der Schienenverkehr wieder mehr Raum. Probleme hat es bisher nicht gegeben. Einzig der Boden sei nicht besonders tragfähig, weshalb man tiefe Pfählungen gemacht habe. Ein Problem, das schon im Voraus bekannt war.

Bald ziehen die Arbeiter weiter. Innerhalb von anderthalb Jahren müssen sie drei Haltestellen bauen. Wenn im Mai der Rohbau in Solothurn fertig ist, zieht der Bautrupp nach Bellach weiter. Dort wird der bestehende Bahnhof verschoben. In Biel-Bözingen entsteht anschliessend die dritte neue Haltestelle. «Wir können so Synergien nutzen»,sagt Wasmuth. Der enge Fahrplantakt auf der Linie Olten-Biel zwingt die SBB zur gestaffelten Arbeit an den neuen Haltestellen. «Die Fahrplanreserve ist sehr gering», sagt Wasmuth. Denn neben der Baustelle fahren die Züge nur 80 statt der üblichen 120 Stundenkilometer.

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