Umfrage
Typisch, dass es hier keinen Überflieger gibt

Dass man auch in unserem Kanton nicht gerne Steuern bezahlt, aber sehr gerne Bratwurst mit Rösti isst, mag nicht sonderlich überraschen. Deutlich spannender die Frage: Welche Person geniesst welchen Stellenwert?

Theodor Eckert
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Peter Bichsel bei der Verleihung des Literaturpreises

Peter Bichsel bei der Verleihung des Literaturpreises

Und, wie hat sie Ihnen gefallen, unsere Umfrage? Haben Sie gestaunt, geschmunzelt oder gar neue Erkenntnisse gewonnen? Wissen Sie etwas mehr über die Solothurnerinnen und Solothurner? Wurden Sie einfach nur in Ihrem Bild bestätigt? Die Umfrage des Marktforschungsinstituts Demoscope hat viele Aspekte des vielfältigen Kantons und seiner Menschen beleuchtet, und wir haben die Resultate mithilfe von Fachleuten analysiert, aber auch interpretiert. Dabei ist die Frage aufgetaucht: «Liegt den Ergebnissen eine wissenschaftliche Studie zugrunde?» Das tut es nicht. Aber hinter allem steckt eine seriöse Umfrage, nach anerkannten Methoden, durchgeführt von einem renommierten Institut. Und das Ganze wurde möglichst leserfreundlich umgesetzt, damit bei all den Zahlen und Fakten das unterhaltende Element nicht völlig verloren ging.

Herrlich, wie Volkskundlerin Elisabeth Pfluger die Bewohner der verschiedenen Regionen beschrieben hat: «Die Thaler etwas sperrig, die Grenchner leichtlebig, die Wasserämter heitere Menschen ... », um am Schluss ganz offen zu bilanzieren, man könne gar nicht sagen, wie die Solothurner sind. Nun, sie sollen auch gar nicht alle in denselben Topf geworfen werden. Das wäre jammerschade. Es ging um eine Annäherung, ohne die Nuancen zu verwedeln. Claude Belart, als Kantonsratspräsident derzeit höchster Solothurner, hält mit Einschätzungen in der heutigen Ausgabe ebenfalls nicht zurück, wenn er von den Gräben auf dem Weg von Olten in die Hauptstadt erzählt.

Dass man auch in unserem Kanton nicht gerne Steuern bezahlt, aber sehr gerne Bratwurst mit Rösti isst und mehr als die Hälfte an ein Leben nach dem Tod glauben, mag nicht sonderlich überraschen. Deutlich spannender die Frage: Welche Person geniesst welchen Stellenwert? Typisch solothurnisch die Antwort: Es gibt keinen Überflieger. Zwiespältig, über die Hälfte der Befragten konnten keinen konkreten Namen nennen. Schön dagegen, dass der 1983 verstorbene Bundesrat Willi Ritschard nicht in Vergessenheit geraten ist. Unsere national bekannten Aushängeschilder, von Rolf Büttiker über Peter Bichsel bis Pirmin Bischof, liegen alle sehr nahe beieinander. Auf absolute Spitzenränge gesetzt wurden Zürcher und Berner: Die Blauweissen sind alles andere als beliebt, während die Mutzen mit Abstand die sympathischsten sind. Obs damit zusammenhängt, dass immer mehr Solothurner täglich in die Limmatstadt zur Arbeit pendeln müssen, wollen, dürfen? Dabei wäre es ihnen hier doch mit Abstand am wohlsten.