Zugskollision
Trägt das veraltete Signalsystem die Schuld an der Zugskollision?

Eine Bahnstrecke der beiden Linien, die am Unfallort in Olten ineinander münden, ist nur mit einem veralteten System ausgerüstet. Dieses bremst den Zug im Notfall erst beim Hauptsignal. Eine Experte sagt, dass möglicherweise dies zum Crash führte.

Marco Sansoni
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Die Unfallstelle der Zugskollision in Olten

Die Unfallstelle der Zugskollision in Olten

Mobile Reporter

Die Zugskollision geschah am Donnerstagabend einen Kilometer nördlich des Bahnhofs Olten genau auf der Weiche, wo die Bahnstrecke durch den Hauenstein-Basistunnel in die Linie der alten Hauensteinstrecke über Läufelfingen einmündet. Die S3, vom Basistunnel herkommend, wurde durch das «Läufelfingerli» aus den Schienen gedrängt und kollidierte mit einem Masten.

System aus den 1930er-Jahren

Inzwischen werden erste Erkenntnisse zum Bahnunfall bekannt. Gemäss einem Experten ist die alte Hauensteinlinie nur mit einem veralteten Sicherungssystem namens Integra-Signum ausgerüstet. Dieses umfasst ein Vorsignal und ein Hauptsignal vor der Weiche und löst beim Vorsignal nur eine Warnung aus, wenn das nach ungefähr 500 Metern kommende Hauptsignal auf Rot steht.

Der Lokführer bestätigt normalerweise diese Warnung und leitet daraufhin die Bremsung ein, sodass er kurz vor dem Hauptsignal anhalten kann. Bestätigt er die Warnung und vergisst, den Zug zu verlangsamen, löst Integra-Signum, welches aus den 1930er-Jahren stammt, erst auf der Höhe des Hauptsignals eine Notbremsung aus. Dann ist es in allen Fällen schon zu spät und der Zug rutscht ohne Weiteres bis über die Gefahrenstelle hinaus.

Bei neueren Systemen, die Strecke durch den Basistunnel ist damit ausgerüstet, berechnet das Vorsignal den Bremsweg und leitet die Bremsung bereits vor dem Hauptsignal ein. Der Zug kommt somit vor der Gefahrenstelle zum Stillstand.

Ein Zug wird näher untersucht

«Im Falle von Olten überfuhren beide Zugskompositionen die Signale bevor sie kollidierten», bestätigt Walter Kobelt, Leiter der Unabhängigen Untersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) gegenüber az. Somit muss eine der beiden S-Bahnen am Donnerstagabend das Signal fälschlicherweise überfahren haben.

Die These, dass das «Läufelfingerli» ein rotes Signal überfuhr und aufgrund des veralteten Systems nicht mehr zum Stehen kam, wird auch durch die Aussage der Untersuchungsbehörden gestützt. Diese haben am Freitag die stark beschädigte S3 der SBB freigegeben, halten aber die Komposition des «Läufelfingerlis» zu weiteren Untersuchungen noch auf unbestimmte Zeit zurück. Erste Untersuchungsergebnisse sind für kommenden Dienstag zu erwarten, heisst es bei der UUS.

Altes System berühmt-berüchtigt

Das alte Integra-Signum ist nicht unbekannt. Bereits bei der Zugskollision in Döttingen im August 2011 überfuhr der Lokführer das Vorsignal, bestätigte die Warnung und fuhr nach einem Bahnhofhalt trotz rotem Hauptsignal wieder an.

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