Die Frösche wandern an ihren Geburtsort zurück, um dort selber zu laichen. Dabei können sie etwa 850 Meter zurücklegen. Die Kröten folgen etwas später, sie wandern zum Teil über zwei Kilometer weit. Peter Geissbühler, Regionalvertreter Amphibien von Karch, der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz, erklärt: «Die meisten Amphibien haben kein Problem, da sie über Wiesen und Felder ziehen.

Aber leider wandern auch viele über Strassen.» Dabei würden sehr viele überfahren. Aber nicht nur das sei ein Problem, unterstreicht Naturschützer Geissbühler, pensionierter Projektleiter und Velobeauftragter beim kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau. Denn selbst wenn ein Tier nicht direkt unter die Räder gerät, reicht es schon, wenn ein Fahrzeug mit rund 60 Stundenkilometern über einen Frosch oder eine Kröte hinwegfährt.

Denn dabei entstünde eine Sogwirkung, die zum Tod des Tieres führe. Um dem entgegenzuwirken, organisiert Geissbühler in Zusammenarbeit mit verschiedenen Gemeinden und der Abteilung Natur und Landschaft vom Amt für Raumplanung verschiedene Projekte.

Neue Signalisation im Einsatz

Ein Projekt ist die Biedermanngrube in Feldbrunnen. «Früher war es ein Steinbruch, heute ist dort ein Naturschutzgebiet. Es wurde geholzt und man hat die Wurzelstöcke umgekippt.» Das führe zu idealen Verstecken für die Geburtshelferkröte, welche auch Glögglifrosch genannt wird und im Kanton nur noch einen sehr kleinen Bestand hat. «Das Ziel ist, dass sich dort verschiedene kleinere Weiher bilden. Diese Weiher sind beliebte Laichgebiete für die Geburtshelferkröte.»

Ein anderes Projekt sei die Signalisation, die soeben in Bellach an der Lommiswilerstrasse aufgestellt worden ist. Das Signal soll Autofahrer von Ende Februar bis Ende März auffordern, zwischen 19 und 7 Uhr freiwillig nur noch 30 Stundenkilometer zu fahren. Es würden insgesamt vier solche Signalschilder aufgestellt. Die anderen drei Signale stehen in Beinwil, Seewen und Kleinlützel. Diese Signale würden vom Amt für Verkehr und Tiefbau bezahlt.

Bis jetzt gebe es im Kanton noch keine weitere ähnliche Massnahmen. Geissbühler meint: «Wenn es gut funktioniert und wir damit Amphibien retten können, werden wir dafür sorgen, dass es noch weitere solche Schilder gibt.» In anderen Kantonen würden bereits «Achtung, Frosch!»- Signale aufgestellt und dort sei auch schon ein Erfolg festgestellt worden.

Naturschützer im Einsatz

Viele Strassen werden laut Geissbühler während der Laichzeit nachts gleich ganz gesperrt. Ein Beispiel dafür ist die Riedholzstrasse in Feldbrunnen. Vom Schloss Waldegg bis nach Riedholz werde die gesamte Strasse gesperrt. Jeden Abend werden von den freiwilligen Helfern Barrieren aufgestellt und am nächsten Morgen wider weggeräumt.

Nach Geissbühlers Erfahrung stört das die Einwohner nicht. In verschiedenen Gemeinden würden sich zudem Freiwillige organisieren, um an gefährlichen Strassen Zäune aufzustellen. In Seewen zum Beispiel brächten Schüler in Eimern Amphibien über die Strasse und in den Baslerweiher. An der Bretzwilerstrasse habe man sogar mehrere Tunnel gebaut. So müssen Kröten und Frösche, aber auch andere Kleintiere die Strasse nicht mehr überqueren, um auf die ande-re Seite zu gelangen.

In Schnottwil an der Bernstrasse wurden ebenfalls Tunnel gebaut. «Das ist eines der grösseren Projekte», erzählt Peter Geissbühler. «Im Allgemeinen kann man sagen, dass der Kanton Solothurn sehr positiv zu solchen Projekten steht. Er setzt sich wirklich für die Natur ein.»