Rudolf Christ sieht viel Leid. 40 Katzen in einer verkoteten Wohnung, vergiftete Hundeköder oder an einem Nasenring angebundene Stiere in einem Viehtransporter. «Es ist erschütternd, wie gewisse Menschen Tiere behandeln», sagt der Kantonspolizist.

Christ ist seit März Dreh- und Angelpunkt für alle Tier- und Umweltschutzfälle bei der Kantonspolizei Solothurn. «Seine 100-Prozent-Stelle wurde neu geschaffen», erklärt Niklaus Büttiker, Leiter der Sondergruppe Tier und Umwelt, die im Frühling 2011 vom Polizeikommando eingesetzt worden war (wir berichteten).

Die zehn speziell geschulten Polizistinnen und Polizisten werden seither aktiv, wenn Ermittlungen, Einvernahmen von Beschuldigten oder Kontrollen zusammen mit dem Veterinärdienst oder dem Amt für Umwelt anstehen. Die Polizisten üben ihre Aufgabe im Nebenamt aus. Schon bald zeigte sich jedoch, dass es zur Bewältigung der vielen Strafanzeigen eine Person braucht, die sich ausschliesslich um die Tier- und Umweltschutzfälle kümmert.

Polizei: Erfolgreiche Sondergruppe

«Wir sind dadurch jetzt noch schlagkräftiger geworden», erklärt Sondergruppenleiter Büttiker. Die Zahlen geben ihm recht: In den ersten zehn Monaten dieses Jahres wurden 67 Strafanzeigen bearbeitet, im gesamten Jahr zuvor waren es 64. Ausserdem hat die Sondergruppe bereits 81 Tiertransporter kontrolliert und in 32 Fällen den Veterinärdienst bei Kontrollen in Häusern und Ställen begleitet.

Die neue Stelle von Rudolf Christ hat laut Büttiker auch polizeiintern etwas bewegt: «Die Korpsangehörigen haben jetzt bei Fragen zum Tierschutz einen Ansprechpartner, und die Qualität der Strafanzeigen ist besser.»

Neu können die Kantonspolizisten ausserdem über ein Formular direkt dem Veterinärdienst Vorfälle melden, wenn sie bei einem Einsatz oder auf einer Patrouille auf schlecht gehaltene Tiere treffen.

Veterinärdienst: Zufrieden

Christ und Büttiker sind überzeugt, dass durch die seit zweieinhalb Jahren aktive Sondergruppe bereits eine Verbesserung des Tierwohls erreicht werden konnte. «So hat sich unter den Viehhändlern herumgesprochen, dass wir bei Verkehrskontrollen genauer hinschauen», erklärt Christ. Und er lobt die Zusammenarbeit mit dem kantonalen Veterinärdienst, der bei den Kontrollen ebenfalls vor Ort ist.

Beim Veterinärdienst klingt es ganz ähnlich. «Wenn wir auf polizeiliche Unterstützung angewiesen sind, steht uns jetzt stets eine spezialisierte Person zur Verfügung», freut sich Kantonstierärztin Doris Bürgi Tschan. «Werden wir bei einer Kontrolle nicht ernst genommen, macht es oft mehr Eindruck, wenn ein Polizist dabei ist.»

Tierschutzverein: Kritik

Weit kritischere Worte findet hingegen Barbara Banga, Präsidentin des Tierschutzvereins Grenchen und Umgebung. «Wir begrüssen, dass die Kantonspolizei eine Sondergruppe eingesetzt hat. Wir hatten aber bisher noch nie mit ihr zu tun.» Wenn Banga wegen festgestellter Tierschutzfälle die Polizei rief, kamen stets «normale» Polizisten.

Sondergruppen-Leiter Büttiker begründet: «In den Städten sind primär die Stadtpolizeien für Tierschutzdelikte zuständig.» Bei Bedarf könnten diese aber jederzeit die Kapo-Sondergruppe um Unterstützung bitten. Zwar gebe es am Wochenende bei der Sondergruppe Tier und Umwelt keinen Pikettdienst. Hingegen könnten «in krassen Fällen» die zu einem Tatort gerufenen Polizisten Rudolf Christ anrufen und zur Lösung des Falls beiziehen.