Baubranche

Tiefe Zinsen treiben die Solothurner Baubranche an

Der neue Präsident des Baumeisterverbandes Bruno Fuchs mit seinem Vorgänger Paul Jetzer. Oliver Menge Der neue Präsident des Baumeisterverbandes Bruno Fuchs mit seinem Vorgänger Paul Jetzer. Oliver Menge

Der neue Präsident des Baumeisterverbandes Bruno Fuchs mit seinem Vorgänger Paul Jetzer. Oliver Menge Der neue Präsident des Baumeisterverbandes Bruno Fuchs mit seinem Vorgänger Paul Jetzer. Oliver Menge

Der VBaumeisterverband Solothurn ist mit der Auftragslage sehr zufrieden – auch fürs laufende Jahr. Doch mittelfristig zeichnet sich ein grosses Nachwuchsproblem ab

«Der Zustand der Solothurner Bauwirtschaft ist erfreulich», so Paul Jetzer, Präsident des Baumeisterverbandes Solothurn (BVS), an der gestrigen Generalversammlung im Landhaus Solothurn. Es gebe keinen Grund zum Jammern. Rund 270 Mio. Franken sind im Kanton 2010 allein im Bauhauptgewerbe verbaut worden. Und: Mit Arbeitsvorräten von 120 bis 124 Mio. Franken sei die Branche gut ins Jahr gestartet. Erfreulich ist auch die Entwicklung des Submissionsvolumens: Nachdem dieses von knapp 118 Mio. Franken im Jahr 2006 stetig auf unter 80 Mio. Franken im Jahr 2009 gesunken war, ist es im letzten Jahr erstmals wieder angestiegen – auf fast 100 Mio. Franken. Fürs laufende Jahr sieht Jetzer «leicht rückläufige, aber dennoch ansprechende Arbeitsvorräte. Ein Problem bleibt laut dem Präsidenten die «unbefriedigende Ertragslage aufgrund des harten Preiskonkurrenzkampfes».

Grosse Nachwuchssorgen

Der Hauptgrund für die stabile Baubranche sind die tiefen Zinsen. BVS-Geschäftsführer Paul Hug rechnet denn auch damit, dass sich die Auftragsvolumen sinken, sobald die Zinsen anziehen. Interessant ist ein Blick auf die Leerwohnungsbestände. Landesweit sind in den letzten fünf Jahren knapp 40000 neue Wohnungen gebaut worden. Lange war deshalb die Rede von einer Markt-Überhitzung. Laut Hug aber hat die Zuwanderung (Personenfreizügigkeit) das Wohnungsangebot «nahezu aufgefressen». Ein Blick in die Nordwestschweiz zeigt denn auch, dass in den beiden Basel mit einem Leerwohnungsbestand von unter einem Prozent quasi Wohnungsnot herrscht. In Solothurn hat der Leerwohnungsbestand 2010 nach Abnahmen in den zwei Vorjahren von 1,7 auf 2 Prozent zugenommen.

Die rege Bautätigkeit wirkt sich auch auf die Beschäftigungszahlen aus: Die rund 120 Firmen, die dem BVS angeschlossen sind, haben im letzten Jahr knapp 1850 Festangestellte beschäftigt. «50 mehr als im Vorjahr», so Vizepräsident Guido Sterki. Von 2008 auf 2009 allerdings war die Anzahl Festangestellter von knapp 2200 auf 1800 eingebrochen. Jährlich investiert der Verband allein rund 300000 Franken in die Ausbildung der Lehrlinge. Bei 150 Lehrlingen macht das 2000 Franken pro Lehrling. Und: Der SBV liegt gesamtschweizerisch in der Lehrlingsausbildung an 5. Stelle.

Mittelfristig zeichnet sich aber ein grosses Nachwuchsproblem ab. Laut Hug zeige die Bevölkerungsstatistik des Kantons Solothurn: Die Zahl der ins Erwerbsleben Eintretenden nimmt vom Jahr 2010 bis 2030 von 3297 auf 2249 ab. Jene derjenigen hingegen, die mit 65 Jahren in Pension gehen, nimmt im gleichen Zeitraum von 2923 auf 4410 zu. «Wir müssen uns also enorm anstrengen, damit wir weiterhin ein bis 2 Prozent der Schulabgänger für unsere Brache gewinnen können», so Hug.

Seit ein paar Jahren hat der Schweizerische Dachverband die Berufswerbung intensiviert, auch um das Imageproblem zu bekämpfen. So betont auch der BVS immer wieder, dass das Bauhauptgewerbe im Vergleich mit anderen Branchen sehr gute Leistungen für die Arbeitnehmer erbringe. Dazu gehören die 40,5-Stunden-Woche, fünf Wochen Ferien (ab 60 sechs Wochen und ein flexibles Pensionsalter ab 60 Jahren. Die Durchschnittslöhne liegen zudem durchwegs über den im Gesamtarbeitsvertrag festgelegten Minima. Der tiefste vereinbarte Vertragslohn für einen Hilfsarbeiter beispielsweise beträgt 4393 Franken, der durchschnittlich ausbezahlte hingegen 4752 Franken. Klar sei aber auch: Ein Job auf dem Bau ist harte Knochenarbeit. Ende Jahr läuft der Landesmantelvertrag aus. Es ist im Zuge der Verhandlungen für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag mit einem heissen Herbst zu rechnen.

Auf Jetzer folgt Fuchs

An der Versammlung mit rund 180 Mitgliedern und Gästen wurde Paul Jetzer als Präsident gebührend verabschiedet. Der 66-Jährige Bauunternehmer (Gebr. Jetzer Hoch- und Tiefbau AG, Schnottwil) tritt bewusst kürzer. Seit 1983 war er Mitglied des BVS-Vorstandes, seit 11 Jahren als dessen Präsident. Seit gestern ist er nun Ehrenmitglied des BVS. Seine Nachfolge tritt der bisherige Vizepräsident Bruno Fuchs an. Seit 2009 ist der 47-Jährige CEO der Baugruppe A. Kamber AG mit Standorten in Hägendorf, Kappel, Olten und Langenthal mit insgesamt rund 175 Angestellten. Seinen Fokus will Fuchs auf die Imagewerbung und die Sicherstellung des Berufsstandes richten.

Bisher teilten sich Fuchs und Sterki das Vizepräsidium auf. Der Verband lässt nun bis zu den Erneuerungswahlen im nächsten Jahr das zweite Vizepräsidium vakant.

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