Beat Wyrsch, wie fühlt es sich an, diese Saison 2009/10 finanziell so positiv abschliessen zu können?

Beat Wyrsch: Ich bin nach Möglichkeit zufrieden. Ganz klar muss gesagt sein: Diese positiven Zahlen gehen auf Kosten unseres Personals. Wir haben beim Theater ein mieses Lohnniveau. Wir haben es noch immer nicht geschafft, GAV-konform zu sein. Das belastet mich. Immer wieder muss ich beim Schweizerischen Bühnenkünstlerverband antraben und mir Schelten wegen unserer niedrigen Löhne anhören. Keine schöne Sache.

Auch auf der Bühne mussten Einbussen gemacht werden.

Ja, es gibt viel weniger Vorstellungen. Gott sei Dank hält uns das Publikum aber die Treue und sorgt für gute Auslastungsquoten. Die tägliche Herausforderung besteht darin, bei solchen Sparmassnahmen noch künstlerisch gute Produktionen auf die Beine zu stellen. Das Publikumsecho beweist uns, dass uns das in der vergangenen Saison gelungen ist.

Wäre etwas geholfen, wenn noch mehr Publikum ins Theater käme?

Das ist nicht so einfach. Wir arbeiten in einer Region und können daher mit einer bestimmten Menge von Besuchern rechnen. Wir versuchen, auf allen Ebenen Publikum zu gewinnen und zu halten. Die Tatsache, dass wir in der vergangenen Saison mehr Einzeleintritte verkaufen konnten, beweist, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir versuchen auch vermehrt, unter den Jungen Theaterbesucher zu finden. Die Theaterpädagogik, für die es in Solothurn eine 50-Prozent-Stelle gibt, unternimmt vieles in diesem Gebiet, mit überwältigenden Erfolgen.

Ein offensichtliches Bekenntnis des Publikums also zu «seinem» Theater. Die «Zauberflöte» war die publikumswirksamste Aufführung. Da könnte man doch in Versuchung kommen, «nur» noch Klassiker aufzuführen.

Gemäss Leistungsauftrag der Stiftungsträgerschaft soll der Spielplan von Oper und Schauspiel mit Klassikern bestückt sein, jedoch soll auch das moderne Theaterschaffen in unserem Haus seinen angemessenen Platz und seine Auseinandersetzung finden.

Könnte denn noch weiter gespart werden?

Nein. Die Zitrone ist ausgepresst. Wir haben alles gemacht, was möglich ist. Wir sparen auch mittels der Kooperationen oder indem wir Bühnenbilder vermieten. Doch all diese Massnahmen sind Tropfen auf einen heissen Stein.

Was ist denn Ihre grösste Sorge?

Wir sind chronisch unterfinanziert und dieses Problem muss gelöst werden.

Der Experte Cyrill Häring hat Vorschläge gemacht, die Strukturen des Bieler Sinfonie Orchesters und des Theaters Biel Solothurn den Finanzierungsmöglichkeiten gemäss anzupassen. Geht es denn weiter?

Wir haben für diese Analyse alles offengelegt und Abstriche gemacht, wo das noch möglich war. Auch haben wir gezeigt – dieser Abschluss beweist es –, wozu wir fähig sind. Doch jetzt müssen Lösungen her. Die wichtigsten Fragen sind bis heute nicht gelöst, und die Zeit drängt. Mir fehlt beispielsweise die komplette Budgetierung der künftigen Strukturen. Das müsste ich haben, um in Zukunft programmieren zu können.

Und das Stadttheater in Solothurn, das dringend saniert und umgebaut werden muss...

Das kommt zu allem dazu. Wir haben gute Besucherzahlen, doch die Leute sitzen auf antiquierten Sitzen. Man sagt mir beispielsweise, die Vorstellung war gut, doch wenn ich meine Beine nicht mehr strecken kann, kann ich nicht mehr kommen. So banal das klingt, aber in diesem Dilemma sind wir. Wir sind in Konkurrenz mit anderen Kultureinrichtungen und müssen uns behaupten.

Wie sieht denn der Zeitplan zum Umbau heute aus?

Die Arbeiten sollen etappiert werden. Ich denke, dass 2013 mit dem Umbau begonnen werden kann.

Der Umbau wird teuer und kompliziert. Heute beschliessen Bauherren oft, ein Haus besser neu zu bauen als zu sanieren. Wäre das nicht auch für das Theater günstiger?

Nein. Ich möchte an diesem Haus in der Altstadt von Solothurn festhalten. Das Theater gehört in die Stadt.