Balsthal
Zwölf Coronafälle und spezieller Todesfall: So lautet die Bilanz vom Ärztehaus mit dem Corona-Container

Das Ärztehaus in Balsthal rollt auf, wie sich die Bilanz seit Beginn des Lockdowns in der Region entwickelt hat. Noch immer steht der Container für die Corona-Tests vor der Praxis.

Patrik Lützelschwab
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Der Corona-Container vor dem Ärztehaus Balsthal
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Coronatest im Ärztehaus Balsthal
Patienten mit Beschwerden kommen erst in die Praxis, wenn der Test negativ ausfiel.

Der Corona-Container vor dem Ärztehaus Balsthal

Patrick Lüthy

Anfang März berichtete diese Zeitung, dass beim Ärztehaus in Balsthal ein Container für Coronatests steht. Wie hat sich die Situation in diesen zwei Monaten im Bezirk Thal entwickelt, was für eine Bilanz kann gezogen werden?

«Der Kanton Solothurn gehört zu den Kantonen, die am wenigsten vom Virus betroffen sind. Trotzdem ist der Container immer noch an Ort und Stelle», sagt Claudio Cahenzli, Arzt und Präsident des Ärztehauses in Balsthal auf Anfrage. «Es finden dort weiterhin Tests statt, damit Patienten mit Beschwerden nicht direkt in die Praxis kommen, sondern erst, wenn der Coronatest negativ ausgefallen ist», sagt Cahenzli. Bis mindestens Ende Mai soll der Container noch vor dem Ärztehaus stehen, was danach kommt, darüber wird mit dem Sanitätsverein Balsthal, den früheren Samariterverein Balsthal, noch diskutiert. «Seit Anfang März haben wir im Container rund 230 Tests an Patienten durchgeführt, wovon zwölf positiv auf das Virus getestet wurden», sagt der leitende Arzt.

Für Cahenzli sind die Zahlen in einem moderaten Rahmen und widerspiegeln die allgemeine Coronalage im Kanton Solothurn. Die Frage weshalb es im Kanton Solothurn verhältnismässig wenige Coronafälle gab, kann der Präsident des Ärztehauses nicht genau beantworten. «Ich gehe davon aus, dass es einen Unterschied zwischen den Städten und den Dörfern gibt, beweisen kann ich das allerdings nicht.» Ein anderer Grund, der für die niedrige Rate an Erkrankten spricht, sei die Lage des Kantons. «Es ist ja eher ein kleiner Kanton, der ausserdem weit weg von den grossen Hotspots wie der Westschweiz, Basel, dem Tessin oder Graubünden ist, von dem her sind wir in einer privilegierten Lage.» Im Falle von Graubünden, genauer gesagt im Engadin oder im Tessin war die Nähe zum benachbarten und früher betroffenen Italien ein wichtiger Faktor für die hohe Rate an Infizierten.

Ein aussergewöhnlicher Todesfall ohne Corona

«Die Personen, die wir im Container auf das Virus getestet haben, kamen vor allem aus dem Thal, aber auch aus dem westlichen Gäu wie zum Beispiel Oensingen, Kestenholz oder Oberbuchsiten», sagt Cahenzli. Dennoch gibt es auch Situationen, in denen Patienten nicht im Test-Container untersucht werden können. «Das ist zum Beispiel der Fall, wenn wir am Wochenende geschlossen haben oder wenn es schwere Notfälle sind, dann kommen die Leute vernünftigerweise ins Spital», so Cahenzli. Ein direkt durch die Coronavirusinfektion bedingter Todesfall ist dem Präsidenten des Ärztehauses aber nicht bekannt.

Er schildert aber einen speziellen Todesfall, wobei es sich hier um eine Person handelt, die nicht untersucht worden ist. «Wir hatten einen Todesfall bei einer Person mit schweren, nicht durch den Coronavirus bedingten Beschwerden, die jedoch keinen Termin vereinbaren wollte», erinnert sich der Thaler. Den Arzt wollte die schwer erkrankte Person allerdings erst nach dem Lockdown aufsuchen, was Cahenzli als bedauerlichen Kollateralschaden wertet. Als Ursache für den Todesfall nennt Cahenzli nicht etwa die Folgen der Infektion, sondern die Angst sich nicht zu melden.

Sonst aber gab es keine weiteren schweren Fälle dieser Art. «Die Fälle an Infizierten im Thal sind sicherlich zurückgegangen, wir haben nur noch sehr wenige Verdachtsfälle», schildert Cahenzli die aktuelle Lage. Diesen Monat wurden bisher höchstens drei bis vier Patienten pro Tag getestet, in den beiden vergangenen Monaten waren es noch 10 bis 15 gewesen. «Wichtig ist jetzt, dass die Medizin und die Gesellschaft lernt mit dem Virus umzugehen, bis ein Impfstoff entwickelt wird», mahnt der Ärztehaus-Präsident.