Balsthal

Zwischen Höhen und Tiefen: Die Männerriege feiert 100 Jahre

In vielen Stunden pflegt die Männerriege des STV seit Jahren den Balsthaler Vita-Parcours.

In vielen Stunden pflegt die Männerriege des STV seit Jahren den Balsthaler Vita-Parcours.

Die Männerriege der STV Balsthal besteht seit 100 Jahren. Wegen Corona gibt es keinen Festakt, dafür eine ausführliche Festschrift. Diese lässt die Vereinsgeschichte im Revue passieren.

Die 100. Generalversammlung der Balsthaler Männerriege konnte noch ordnungsgemäss am 28. Februar dieses Jahres abgehalten werden. Die Jubiläumsfeier sollte aber erst am 12. September 2020 stattfinden. Doch das Corona-Virus machte der Turnerfamilie einen Strich durch die Rechnung. Einzig die geplante Herausgabe der Festschrift konnte realisiert werden. Sie wurde erarbeitet von Toni Kreienbühl für die Jahre 1920 bis 1995 sowie von Mitgliedern des Vorstandes für die weiteren 25 Jahre.

Die detailliert abgefasste Festschrift lässt in chronologischer Reihenfolge die hundertjährige Vereinsgeschichte Revue passieren. Sie zeigt Höhen und Tiefen auf, verschweigt auch personelle Probleme nicht, schildert Siege und Niederlagen und berichtet über gesellige Anlässe, oft mit einer Prise Humor.

Eindrücklich wird die Entwicklung des einstigen «Stehkragenturners» zum heutigen Volleyball- oder Indiacaspieler dokumentiert. Man kann auch nachlesen, dass die Männerriege sehr oft zum Helfen angefragt werden konnte, sei es bei der Organisation eines Turnfestes oder der Mitarbeit bei einem Dorffest. Viele Stunden setzt die Riege auch heute noch für die Instandhaltung des Vita- Parcours ein. Die Durchführung von unzähligen Turnieren bedeutete ebenfalls immer wieder zusätzliches Engagement für die Männerriege.

Die Mitglieder waren zwischen 22 und 37 Jahre alt

Schon im Jahre 1897 bestand in Balsthal eine Altersriege, welche später in Männerriege umbenannt wurde. Alois Stöckli, der erste Präsident der Riege, löste 1905 diese Sektion mangels Interesse auf und gründete gleichzeitig den Männerturnverein Balsthal. Nach einer Zeit von persönlichen Querelen, Meinungsverschiedenheiten, Rücktritten sowie politischen und gesundheitlich schwierigen Zeiten (1. Weltkrieg, Spanische Grippe) wurden alle älteren Turner und turnfreudigen Einwohner am 22. Februar 1920 ins Restaurant Rosengarten eingeladen, um am Sonntagmorgen exakt um 10.30 Uhr die Gründung einer Altersriege vorzunehmen.

Walter Müller, Oberturner des Turnvereins, sagte an der Gründungsversammlung, er wolle die älteren Turner wieder sammeln und einmal in der Woche mit ihnen turnen. Josef Rütti wurde zum Präsidenten erkoren. Er amtierte bis 1926. Er wurde abgelöst durch Louis Vögtli, welcher die Riege bis 1929 führte. Im Jahr 1924 zählte die Riege 28 Mitglieder.

Was heute erstaunt: die ersten Mitglieder der Altersriege waren zwischen 22 und 37 Jahre «jung».

Ein paar Anekdoten zum Schmunzeln

Aus der Anfangszeit wird in der Jubiläumsschrift von den sogenannten «Stehkragenturnern» berichtet. Ältere Turner, die zum Turnen nicht einmal ihre Stehkragen ablegten, damit sie nach der Turnstunde möglichst rasch zum obligaten Jass eilen konnten. In der Turnordnung aus dem Jahr 1936 steht deshalb: «Jede Störung des Turnunterrichts, wie das Rauchen während desselben, ist strengstens untersagt.»

An den Abendunterhaltungen 1920 und 1923 erfreute ein Gesangschörli, welches aus Turnern der Altersriege gebildet worden war, die Zuhörer und brachte Abwechslung ins Programm. Für guten Turnstundenbesuch erhielten an der Jahresversammlung 1947 drei Turner eine Extrawurst. Dies sollte ein Ansporn für alle sein, dieses Ziel durch besseren Turnstundenbesuch auch zu erreichen. Ein Jahr später sollen es bereits neun Wurstturner gewesen sein.

Heute lieber Volleyball statt Faustball

Bis heute leiteten 19 Präsidenten und 13 Oberturner die Geschicke dieses Traditionsvereins. Aktuell zählt die Männerriege 42 Mitglieder und wird durch Andreas Schär geleitet, der das Präsidium an der 100. Generalversammlung von Fritz Moser übernahm. Moser leitete die Geschicke der Riege ganze 15 Jahre lang als Präsident.

Die Freude an jeglichem Spiel war von Anfang an ein wichtiger Faktor im Vereinsleben. Faustball war seit dem Gründungsjahr dominierend. Gegen Ende der Siebzigerjahre flachte das Interesse dafür ab und man wandte sich vermehrt dem schnelleren und intensiveren Volleyballspiel zu. Ab 2005 wurde vermehrt Indiaca in den Trainingsbetrieb aufgenommen. Interessant ist die Feststellung, dass beim Indiacaspiel auch Turnerinnen zum Einsatz kamen, nämlich bei der Indiaca-Mixed-Mannschaft.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1