Die Balsthaler Saber Swiss Quality Paper AG hat schwierige Zeiten hinter sich. Im Herbst 2011 wurde eine der beiden Papiermaschinen stillgelegt. Auf ihr produzierte das Unternehmen Massenware wie Tissuepapiere (Servietten, Tischtücher) und Hygienepapiere. Der Betrieb fuhr Verluste ein, gegen 50 Arbeitsplätze gingen verloren und es kam zu Entlassungen. Die Stilllegung der gesamten Fabrik wurde befürchtet. Inzwischen hat sich aber einiges getan. Die deutsche Krämer & Schröder Investment GmbH in Eschweiler bei Aachen hat den Betrieb im vergangenen Herbst von der indischen Saber-Gruppe zu 100 Prozent übernommen, wie die Investoren Christian Krämer und Norbert Schröder in einem Gespräch erklären.

Zuerst Berater, dann Käufer

«Wir haben ein erhebliches Potenzial für die Herstellung von hochwertigen technischen Papieren erkannt», begründet Schröder das Engagement. Er sei gelernter Kaufmann und seit Jahren im «Papierumfeld» tätig. Insbesondere beschäftige er sich mit dem Verkauf von Papierproduktionsanlagen. So seien er und sein Partner Christian Krämer, Finanzspezialist und Wirtschaftsingenieur mit MBA-Abschluss, mit der indischen Besitzerfamilie Soin schon vor Jahren in Kontakt gekommen.

Als Berater waren sie von Sommer 2010 bis Sommer 2012 Mitglied im Verwaltungsrat der Dachfirma Saber Swiss Holding AG. Nach der Halbschliessung der Produktion habe die Familie Soin einen Investor gesucht und sie habe den Produktionsbetrieb inklusive Landreserven übernommen. Den Kaufpreis geben Krämer und Schröder nicht bekannt.

«Wieder in schwarzen Zahlen»

Die mit der erwähnten Umstrukturierung eingeleitete Fokussierung auf technische Spezialpapiere werde konsequent fortgesetzt. Mit Erfolg, wie Finanzchef Krämer ausführt. «Mit dem Geschäftsgang sind wir sehr zufrieden und es ist uns gelungen, ab dem dritten Quartal 2012 wieder schwarze Zahlen zu schreiben.» Im vergangenen Geschäftsjahr habe die Saber Swiss Quality Paper AG einen Umsatz von 33,5 Millionen Franken erwirtschaftet. «Für das laufende Jahr haben wir 36 Millionen und für 2014 rund 40 Millionen Franken budgetiert. Bislang sind wir auf Kurs.»

Produziert werden heute in Balsthal fast ausschliesslich technische Papiere, wie Norbert Schröder erläutert. Der Grossteil davon sind sogenannte Masking Tapes. Auf dieses Rohpapier bringen Klebebandhersteller Leim oder Latex auf. Ein wichtiger Kunde sei beispielsweise die deutsche Tesa-Gruppe. Zudem werden spezielle Papiere für die Anwendung in Zigarettenfiltern hergestellt. Die Papiermaschine läuft im Vierschichtbetrieb rund um die Uhr, die jährliche Produktionsmenge liegt bei rund 26 000 Tonnen Spezialpapier.

Sparen bleibt ein Dauerthema

Die Investoren sind zwar optimistisch über den weiteren Geschäftsverlauf, sind sich aber auch der Risiken bewusst. «Die Positionierung im Spezialpapiersegment ist angesichts der starken, globalen Konkurrenz eine grosse Herausforderung», sagt Schröder. Sparen bleibe - gerade bei einem Exportanteil von über 90 Prozent und der Wechselkursproblematik - ein Dauerthema. Es gebe aber auch andere Wege als über Personalkosten. Als Beispiele nennt er die noch strengere Fokussierung auf die höherwertigen «Papierspezialitäten» sowie gezielte Investitionen in eine effizientere Produktion. Nach Investitionen in den Unterhalt der Produktionsanlagen im vergangenen Jahr werde man dieses Jahr fast eine Million Franken in die Maschine stecken. «Und im kommenden Jahr ist geplant, die Papiermaschine rundum auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.» Deshalb habe man nicht nur den Kauf des Unternehmens finanziert, sondern das Eigenkapital um einige Millionen Franken erhöht, um die Eigenkapitalquote zu verstärken. Zudem soll die stillgelegte Papiermaschine verkauft werden. Alle Berechnungen hätten gezeigt, dass darauf mit Standort Schweiz keine wirtschaftliche Produktion mehr möglich sei.

«Betrieb mittelfristig gesichert»

Heute beschäftigt Saber in Balsthal 63 Mitarbeitende, Tendenz ab 2014 leicht steigend, erklärt Krämer. Als operativer Leiter der Fabrik wirkt weiterhin Thomas Bichler. Krämer versichert, dass «der Betrieb in Balsthal für die nächsten Jahre gesichert ist». Die Geschäftslage habe sich stabilisiert. Jetzt gehe es darum, neue, innovative Produkte zu entwickeln und so den Standort Balsthal zu stärken. Wird die Firma nach der Sanierung bald wieder zum Verkauf stehen? «Nein», versichern Krämer und Schröder. «Wir engagieren uns langfristig. Wir sind keine ‹Heuschrecken›.» Das ist zu hoffen, wechselte die traditionsreiche Fabrik doch innert weniger Jahre mehrfach den Besitzer, bis es zur Fast-Schliessung kam (siehe Kasten).