Egerkingen

Zwei Brüder dienen ab 2.November in der Schweizergarde

Wer in der Schweizergarde Dienst leisten will, muss sich für 25 Monate verpflichten. (Symbolbild)

Wer in der Schweizergarde Dienst leisten will, muss sich für 25 Monate verpflichten. (Symbolbild)

Der ältere Bruder hat bereits den Dienst in der päpstlichen Schweizergarde in Rom aufgenommen. Nun zieht der 19-jährige Philipp Studer aus Egerkingen nach. Für ihn beginnt das Abenteuer im Vatikan am 2. November.

Es war ein grosser Moment für die Familie Studer aus Egerkingen, als ihr ältester Sohn Michael am 6. Mai dieses Jahres im Damasushof im Vatikan als Mitglied der päpstlichen Schweizergarde vereidigt wurde. In Rom mit dabei war damals auch Michaels zwei Jahre jüngerer Bruder Philipp, der zusammen mit der aus dem Gäu angereisten Familie die Vereidigung seines damals 21-jährigen Bruders mit etwas Wehmut verfolgte.

Am 6. Mai leistete Michael Studer in Rom seinen Eid als Schweizergardist.

Am 6. Mai leistete Michael Studer in Rom seinen Eid als Schweizergardist.

All zu gerne wäre er selbst dort gestanden, schliesslich stamme die Idee, als Schweizergardist in die Dienste des Papstes zu treten eigentlich von ihm, verrät Philipp Studer. «Ich war schon als Kind von der Schweizergarde fasziniert, als diese zum Beispiel im Fernsehen gezeigt wurde.» Das habe wohl auf seinen Bruder abgefärbt, bemerkt der gelernte Chemie- und Pharmatechnologe mit einem verschmitzten Lächeln.

Michael sei ihm halt wegen seines Alters zuvorgekommen, denn als Gardist werde nur aufgenommen, wer mindestens 18 Jahre alt sei und die Rekrutenschule absolviert habe. Die RS habe ihm noch gefehlt, so Philipp Studer.

Ende letztes Jahr beworben

Wie bei seinem Bruder Michael habe sich sein Wunsch, päpstlicher Gardist zu werden, nach einer Reise im Jahr 2011 mit der Ministrantengruppe nach Rom weiter verstärkt. «Da spürte ich, dass die Schweizer Garde für mich das Richtige ist und auch die Stadt Rom hat mich fasziniert», so Philipp Studer.

Eine weitere Reise nach Rom und in den Vatikan mit den Eltern und Kollegen im Jahr 2012 habe ihn darin weiter bestätigt.

Im Dezember 2013 – nachdem er die RS als Durchdiener absolviert hatte – schritt Philipp Studer zur Tat und bewarb sich als Schweizer Gardist. Bereits zwei Wochen später erhielt er Bescheid, dass er die strengen Kriterien erfülle. Verlangt werden neben der RS und der Altersvorgabe eine sportliche Konstitution, der katholische Glaube, ein einwandfreier Leumund sowie ein Mittel- oder Berufsschulabschluss.

Gespräch mit Kommandant

Nach umfangreichen Vorgesprächen und Eignungstests wurde Philipp Studer im Juni in Zürich zu einem Gespräch mit dem Kommandanten der Schweizergarde, Daniel Rudolf Arnig, eingeladen. «Da wurde ein letztes Mal geprüft, ob ich das nötige Rüstzeug mitbringe, um Mitglied der Schweizergarde zu werden». Bereits nach zwei Wochen bekam er den Vertrag per Post zugestellt. Diesen habe er umgehend unterschrieben und zurückgeschickt. Wenn es nicht geklappt hätte, wäre er enttäuscht gewesen, hätte es aber gleich noch einmal versucht, sagt Studer entschlossen. «Es bedeutet mir viel, Mitglied der Schweizer Garde zu sein, auch wegen meines Glaubens.» Für ihn sei das der richtige Weg, auch wenn es in seinem Bekanntenkreis immer wieder Leute gebe, die darauf mit Unverständnis reagierten.

Uneingeschränkte Unterstützung erhält der 19-Jährige von seinen Eltern, wie Mutter Cornelia Studer bemerkt. Als Religionslehrerin sehe sie es natürlich gerne, dass ihre Söhne dem Glauben eine so hohe Bedeutung schenkten. Und dass bald zwei ihrer Söhne im Dienst der 110 Mann starken Schweizergarde stehen werden, erfülle sie mit Stolz, erwähnt die 48-Jährige. «Es gibt sicher nicht viele Familien, denen diese Ehre zuteil wird», findet auch Vater Christian Studer. Einfluss auf den Entscheid ihrer Söhne, als Schweizergardisten nach Rom zu gehen, hätten sie nie genommen, erklären die Eltern einhellig. «Das war alleine meine Entscheidung», ergänzt Philipp Studer.

Stolze Eltern (v.l.): Cornelia und Christian Studer mit ihren zwei Söhnen Alexander (17) und Philipp (19). Letzterer wird am 2. November wie bereits sein Bruder Michael in die päpstliche Schweizergarde aufgenommen.

Stolze Eltern (v.l.): Cornelia und Christian Studer mit ihren zwei Söhnen Alexander (17) und Philipp (19). Letzterer wird am 2. November wie bereits sein Bruder Michael in die päpstliche Schweizergarde aufgenommen.

«Es lebt sich gut in Rom»

Der 19-Jährige fiebert bereits seinem Dienstantritt in der Schweizergarde entgegen. Dieser beginnt am 2. November mit einer 5-wöchigen Rekrutenschule. Philipp Studer ist zuversichtlich, dass er diese Hürde ebenso nehmen wird, wie die Mindestdienstdauer von 25 Monaten. Es lebe sich gut dort, wie er von seinem Bruder Michael erfahren habe. «Wir stehen regelmässig in Kontakt», so der angehende Gardist.

Keine Sorgen müsse er sich offenbar bezüglich der Verpflegung machen. Polnische Ordensschwestern bekochten die Schweizergardisten hervorragend, gelegentlich sogar mit Schweizer Gerichten wie etwa Rösti. Die Arbeitszeit betrage täglich acht Stunden und auch der Ausgang komme nicht zu kurz.

Alexander schnupperte Garde-Luft

Auch der dritte Sohn der Familie Studer, der 17-jährige Alexander, hat letzte Woche im Rahmen einer 5-tägigen Schnuppervisite erste Erfahrungen mit der Schweizergarde in Rom gesammelt. Vor allem der prächtige Palast im Vatikan mit Kunstwerken von Leonardo da Vinci habe ihn sehr beeindruckt, sagt der in Ausbildung stehende Fachmann für Betriebsunterhalt. Mit seinem Bruder Michael habe er reden können. «Ein schönes Erlebnis war es auf jeden Fall», so Alexander. Ob er dereinst seinen Brüdern nach Rom folgen wird, lässt er offen. «Ich habe ja noch genügend Zeit, mir das zu überlegen.

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