Neuendorf

Zusammenspiel der Epochen: Buchsgauer Kammerchor wurde mit Standing Ovation gefeiert

Der Buchsgauer Kammerchor spielte in der Pfarrkirche Neundorf, begleitet vom Kammerorchester Huttwil.

Der Buchsgauer Kammerchor spielte in der Pfarrkirche Neundorf, begleitet vom Kammerorchester Huttwil.

Anspruchsvolle Werke von Bach, Mendelssohn und Reger erklangen in zwei Konzerten des Kammerchors Buchsgau in der Pfarrkirche.

Ein mutiges Unterfangen: Tobias von Arb, der künstlerische Leiter des Kammerchors Buchsgau, stellte für die beiden diesjährigen Konzerte in der Pfarrkirche Neuendorf ein ungewöhnliches Programm zusammen. Mutig kombinierte er je einen von Bach und Mendelssohn vertonten Psalm mit zwei in ihrer Tonsprache sehr ungewöhnlichen Werken des spätromantischen Komponisten Max Reger. Diese anspruchsvolle Chormusik aus drei verschiedenen Epochen hat dennoch innere Zusammenhänge – in der Thematik der Busse und der Bitte um Vergebung, im musikgeschichtlichen Bezug zueinander und wohl auch in der Seelenverwandtschaft dieser drei Künstler.

Alte Bachkantate

Johann Sebastian Bach vertonte den alttestamentlichen Psalm 130 «Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir» um 1707 in seiner kurzen Zeit als Organist in der thüringischen Kleinstadt Mühlhausen. Der 22-jährige Kirchenmusiker war aber von der Qualität seiner Kantate so überzeugt, dass er sie auch später in Leipzig mehrfach aufführte. Tobias von Arb konnte sich bei diesem Werk im Neuendorfer Jahreskonzert auf die professionelle Begleitung durch das Huttwiler Kammerorchester stützen sowie auf junge, viel versprechende Solisten, den in Zürich studierenden deutschen Tenor Lasse Siefert und den im Jura geborenen Bassbariton Alexandre Beuchat. Der Chor gefiel durch saubere Intonation und eine gute verständliche Aussprache; letzteres ist ja bei Chören durchaus nicht immer der Fall.

Liebliche Lobeshymne

Auch der Psalm 42 «Wie der Hirsch schreit» ist das Werk eines noch jungen Mannes: Der 28-jährige Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte diese liebliche Lobeshymne mit ihren eingängigen, weichen Melodien 1837 in glücklichen Tagen während seiner Hochzeitsreise ins Elsass und in den Schwarzwald. Genau besehen ist es aber dennoch ein Klagelied: Mit «Harre auf Gott» vertreibt jedoch der Chor im Schlussteil alle Unruhe der betrübten Seele, welche von der jungen Luzerner Sopranistin Carmela Konrad im letzten Rezitativ beschworen wurde.

Ungewohnte Klänge

Der alkoholkranke Komponist, Pianist und Dirigent Max Reger war ein unruhiger Geist in einer unruhigen Zeit. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs begann er sein Requiem, das er jedoch nie vollendete. 1915, ein Jahr vor seinem Tod, stellte er nach einer Schaffenskrise und einem Zusammenbruch daraus zwei kurze Kompositionen fertig. Dem gewaltigen Vokalwerk «Requiem» op.144b ist die düstere Stimmung jener Tage, die Kälte und Verzweiflung des Krieges anzumerken.

Die musikalische Vertonung eines Gedichtes von Friedrich Hebbel stellt höchste Anforderungen an die Interpreten: Chor und Bassist waren den hohen Ansprüchen des Werkes, dem stürmischen Vorwärtsdrängen der Klänge gewachsen. Stiller und kontemplativer zeigt sich hingegen «Der Einsiedler», op. 144a, der den gehaltvollen Abend in der Pfarrkirche abschloss.
Am Samstag war die Kirche nur schwach besucht – hatte das Feuerwerk in Oensingen trotz Nieselregen mehr Anziehungskraft? Das Publikum feierte das aussergewöhnliche Konzert dennoch mit einer Standing Ovation.

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