Thal
Zusammenarbeit bei Integration? Das gemeinsame Projekt ist am Wackeln

Ab 2018 müssen alle Gemeinden im Kanton ihre Integrationsarbeit nach dem Konzept start.Integration gestalten. Soll das Integrationsprojekt start.integration gemeinsam angegangen werden? Darüber herrscht im Thal Uneinigkeit.

Rebekka Balzarini
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Ab 2018 müssen alle Gemeinden im Kanton das Konzept start.Integration umsetzen. Die Thaler Gemeinden prüfen eine Zusammenarbeit.

Ab 2018 müssen alle Gemeinden im Kanton das Konzept start.Integration umsetzen. Die Thaler Gemeinden prüfen eine Zusammenarbeit.

Mario Heller

Eine Familie zieht aus dem Ausland in die Schweiz. Vielleicht kommt sie von weit her, spricht wenig Deutsch, der Alltag in der Schweiz ist ihr fremd. In solchen Fällen sollen die Gemeinden rasch die Initiative ergreifen, um die Neuzuzüger schnell in der Gemeinde und damit in der Schweiz zu integrieren. Das sieht das Projekt start.integration vor, das im nächsten Jahr im ganzen Kanton Solothurn eingeführt wird.

Im Zentrum von start.Integration stehen Erstgespräche, welche die Gemeinden mit den neuen Einwohnern durchführen. In diesen informiert die Gemeinde über die wichtigsten Abläufe im Dorf, um den Zugezogenen die Integration zu erleichtern. Wenn diese nur keine guten Deutschkenntnisse haben, nimmt ein interkultureller Dolmetscher oder eine Dolmetscherin am Gespräch Teil.

Gemeinsame Umsetzung

Ab 2018 müssen alle Gemeinden im Kanton das Konzept start.Integration umsetzen. Gerade für kleine Gemeinden bedeutet das ein relativ grosser Aufwand: Sie müssen eine operative und eine strategische Leitung bestimmen, und sämtliche Erst- und Integrationsgespräche müssen in den Räumlichkeiten der Gemeinde stattfinden. Übersetzerinnen und Übersetzer stellt der Kanton zur Verfügung, genauso wie Unterlagen in verschiedenen Sprachen.
Das ist ein grosser Aufwand. Um den Gemeinden im Thal diesen zu ersparen hatte die Thaler Gemeindepräsidentenkonferenz die Idee, dass alle Gemeinden zusammenarbeiten könnten.

«So eine Zusammenarbeit macht Sinn», erklärt Kurt Bloch, Präsident der Gemeindepräsidentenkonferenz. Innerhalb der Konferenz sei es dann auch schnell beschlossene Sache gewesen, dass der Verein Region Thal ein Konzept für eine Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden entwerfen soll. In diesem soll erst erarbeitet werden, wie die Rollen bei der Umsetzung der vom Kanton vorgeschriebenen Massnamen verteilt werden sollen. Das Konzept wurde den Gemeinden im Thal dann vorgelegt.

Dafür und dagegen

In Welschenrohr, Laupersdorf, Aedermannsdorf hat der Gemeinderat für eine Zusammenarbeit gestimmt. In Holderbank wird am 22. August darüber entschieden, «aber grundsätzlich sehen wir es positiv, wenn die Gemeinden start.Integration gemeinsam umsetzen», heisst von der Gemeinde. Aber es gibt auch Gegner: Zum Beispiel in Balsthal, der Pilotgemeinde des Projekts.

So Gemeindeschreiber Bruno Straub: «Ich wüsste nicht, wieso wir einer Zusammenarbeit zustimmen sollten. Als Pilotgemeinde verfügen wir schon über alle notwendigen Strukturen». Gemeindepräsident Pierino Menna wollte dazu keine Stellung nehmen. «Wir geben keine Informationen heraus, bevor der Gemeinderat darüber abgestimmt hat», so Menna. Die Abstimmung im Gemeinderat ist für den 14. September vorgesehen.

Bereits abgelehnt hat Matzendorf. Allerdings könnte dieser Entscheid rückgängig gemacht werden, wie die Gemeinde auf Anfrage mitteilt. «Der Gemeinderat hat das im Mai entschieden, vielleicht ohne genau darüber nachzudenken», heisst es. «Wir hatten das Gefühl, dass wir start.integration auch alleine umsetzen können». Damals sei aber nicht klar gewesen, dass so viele Gemeinden mitmachen wollen.

Konzept «Verein Region Thal»

Für das Konzept war Ines Kreinacke, Geschäftsführerin des Verein Region Thal, verantwortlich. Das von ihr und ihrem Team erarbeitete Konzept sieht vor, dass im Fall einer regionalen Zusammenarbeit der Verein Region Thal für die operativen Aufgaben verantwortlich wäre. Die strategische Leitung bleibt bei der jeweiligen Gemeinde.

Ein Vertreter des Vereins würde die notwendigen Unterlagen und Dokumente von Kanton mit gemeindespezifischen Informationen ergänzen und die Kurse sowie Austauschtreffen mit dem Kanton besuchen. Ausserdem würde er die Erstgespräche mit Neuzugezogenen durchführen und organisieren. Die Gemeinden müssten dagegen die Räumlichkeiten für die Erstinformationsgespräche zur Verfügung stellen und die Dokumente aus den Erstgesprächen aufbewahren.

Der Verein Region Thal würde zusätzlich die Strategien der jeweiligen Gemeinden koordinieren und bündeln und wäre der Kontakt und Ansprechpartner gegenüber dem Kanton. Für das ganze Thal gäbe es dann einen Ansprechpartner, bei dem alle Informationen zusammenlaufen.