«Ich lese sehr viel. Daraus entsteht das Bedürfnis, eigene Gedanken zu formulieren und aufzuschreiben. Und ich habe etwas zu sagen», antwortete Minju Fluri-Yen auf die Frage nach ihrer Motivation, Feuilletons oder Romane zu schreiben. Nebst zahlreichen literarisch politischen Kommentaren hat die Schriftstellerin bis jetzt drei Bücher in chinesischer Sprache verfasst.

Sie liebe Sprachen über alles. Im Moment lerne sie sogar Hebräisch, um in eine ganz neue Kultur eintauchen zu können. «In meinen Geschichten wird Fiktives mit realen Vorkommnissen verbunden. All meine Geschichten beruhen auf gut recherchierten Begebenheiten.»

«Nichts ist überflüssig»

Im Vorwort zum Buch «Zur Zeit bin ich nicht da», geschrieben von Schriftsteller Bei Ling, steht, dass im Hintergrund des Romans der sogenannte Zwischenfall vom 28. Februar 1947 stehe, als Truppen aus China Widerstand in Taiwan unterdrückten. Die Autorin zeige sich als virtuose Beherrscherin von Erzähltechniken. Geschichte und Charaktere würden sich in jedem Kapitel ständig überkreuzen. «Nichts ist überflüssig oder Ausschmückung, die geschliffene Sprache fliesst wie ein Strom.»

Geschichte führt in die Schweiz

In ihrem aktuellen Buch «Zur Zeit bin ich nicht da», das in deutscher Sprache geschrieben ist, möchte Yen Minju, wie sie auf der Titelseite genannt wird, dass die Leser des deutschen Sprachraums mehr über Taiwan erfahren, politisch, kulturell und gesellschaftlich.

Aber die neuste Geschichte spielt sich auch in Zürich ab. Nach einer abenteuerlichen Flucht der jungen, polizeilich gesuchten Tang Huan gelangt diese schliesslich in die Schweiz und ihre Träume und Hoffnungen werden während der 68er-Unruhen hart auf die Probe gestellt.

Das neue Buch habe sie zuerst auf Deutsch, dann selber auf Chinesisch umgeschrieben, nachher wieder auf Deutsch zurückübersetzt, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden gewesen sei. Dabei sei ihr auch oft ihr Ehemann zur Seite gestanden.

Eine Frau mit vielen Fähigkeiten

Minju Fluri-Yen ist im Süden von Taiwan geboren worden und dort aufgewachsen. Sie hat ihren Mann, Philippe Fluri aus Balsthal, auf einer Privatschule in Taiwan kennen gelernt, wo beide Englisch unterrichtet haben. Nach der Heirat ist dann die Familie nach Aufenthalten in Amerika und Bellach vor zwanzig Jahren in Balsthal sesshaft geworden. Die Familie Fluri-Yen hat zwei Kinder, Stephanie und Thomas.

Nebst dem Schreiben unterrichtet die Autorin auch noch Chinesisch an der Kantonsschule Solothurn und leitet als rechte Hand des CEO das Unternehmen Artax Uhren AG in Welschenrohr. Das Schreiben in deutscher Sprache wird sie, wie sie betont, auch in Zukunft weiter pflegen. Das Buch «Zur Zeit bin ich nicht da» ist in der Papeterie Liselotte in Balsthal erhältlich.