Niederbuchsiten/Kestenholz
Zur Freude von Vielen: Biberfamilie nimmt Bachlauf in Beschlag

Obwohl der Biber Schäden verursacht und es deswegen sogar schon Unfälle gab, bringt die Population auch Nutzen. Viele in Niederbuchsiten und Kestenholz wollen die Nager gerne leibhaftig sehen, hatten bisher aber noch kein Glück.

Erwin von Arb
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Biberspuren beim Weiher am Chrebsbach in Kestenholz
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Biberspuren beim Weiher am Chrebsbach in Kestenholz Das Gebiet wurde zur Sicherheit abgesperrt.
Biberspuren beim Weiher am Chrebsbach in Kestenholz Ein Biber hatte unter der Brücke einen Damm errichtet, welcher insbesondere bei Hochwasser zu einem Problem hätte auswachsen können
Biberspuren beim Weiher am Chrebsbach in Kestenholz Die Biber hinterlassen an den Bäumen Spuren.
Biberspuren beim Weiher am Chrebsbach in Kestenholz Der Gemeinderat stellte nun Warntafeln auf.
Biberspuren beim Weiher am Chrebsbach in Kestenholz Unterirdische Biberbauten werden zur Sicherheit mit Bauschranken versehen.

Biberspuren beim Weiher am Chrebsbach in Kestenholz

Bruno Kissling

Die Freude von Naturfreunden war im Jahr 2010 gross, als sich im Chrebskanal in Kestenholz Biber niedergelassen und nahe der St. Peter-Kapelle einen Damm gebaut hatten. Sie währte allerdings nur kurz. Denn die damals dort lebenden zwei Biber kamen ein Jahr später ums Leben. Eines der beiden Tiere wurde an der Autobahnausfahrt in Oensingen, das andere auf der Autobahn tot aufgefunden.

«Ausser Spuren nichts gesehen»

Lange blieb das danach verwaiste Revier in Kestenholz allerdings nicht unbesetzt. Dies belegten Spuren, welche beim unter Naturschutz stehenden Weiher sowie in dessen Umgebung gefunden wurden. Deutlich wird die Anwesenheit der Nager insbesondere durch den Damm, den sie errichten, um das Wasser zu stauen.

Gesehen haben die Biber bisher aber nur Wenige, obwohl viele danach Ausschau halten: So wie etwa Erwin von Rohr aus Egerkingen oder Brigitte Spiegel aus Kestenholz. «Ausser Spuren habe ich bisher nichts gesehen», sagt von Rohr. Auch Spiegel habe noch keinen leibhaftigen Biber sehen, weil diese ja nachtaktiv seien, wie die 80-Jährige erwähnt.

Inzwischen geht man davon aus, dass beim Weiher in Kestenholz eine Biberfamilie lebt, die bis zu acht Tiere umfassen kann. Schäden haben die dort lebenden Biber bisher nur in geringem Ausmass verursacht, wie Gemeindepräsident Arno Bürgi erklärt.

So komme es ab und an vor, dass unterirdische Biberbauten am Rand des nahe am Bach verlaufenden Flurweges eingebrechen. Aus Sicherheitsgründen würden die Löcher vom Gemeindewerkhof umgehend mit Abschrankungen versehen und danach möglichst rasch aufgefüllt, so Bürgi.

Reitunfall wegen Biberbau

Von Bibern verursachte Löcher wurden letztes Jahr auch am Strassenrand von Flurwegen in Niederbuchsiten entdeckt. Dass diese Löcher nicht ungefährlich sind, erfuhr Jörg Uebelhard im November 2018 bei einem Ausritt mit seinem Pferd.

Das Tier trat mit dem rechten Vorderlauf in ein knietiefes Loch und warf seinen Reiter hochkant ab. Der 64-Jährige erlitt dabei einen Bänderriss in der Schulter, das Pferd eine klaffende Wunde am Kniegelenk.

«Wir hatten Glück», sagt Uebelhard. Beide hätten sich gut erholt. Einen Groll auf die Biber hege er wegen dem Unfall nicht. Allerdings werde er künftig nicht mehr so nahe an Bachläufen entlangreiten, in welchen Biber leben.

Warntafeln werden aufgestellt

Der Gemeinderat von Niederbuchsiten hat Kenntnis vom erwähnten Reitunfall. Nun werde abgeklärt, inwieweit die Gemeinde als Besitzerin der Strasse haftbar gemacht werden könne. «Wir haben den Fall unserer Versicherung gemeldet», erklärt Gemeindepräsident Markus Zeltner.

Weil es sich beim Biber um eine geschützte Tierart handelt, seien die Möglichkeiten eingeschränkt, seinem Wirken Einhalt zu gebieten (siehe Box). Deshalb habe der Gemeinderat beschlossen, auf Niederbuchsiter Gemeindegebiet entlang des Chrebskanals Warntafeln aufzustellen

Wenn der Biberdamm zum Risiko wird

Uneingeschränkt wirken darf allerdings auch der unter Schutz stehende Biber nicht, wenn damit die öffentliche Sicherheit gefährdet wird. Dies war letztes Jahr bei der Brücke des Chrebskanals an der Kantonstrasse zwischen Niederbuchsiten und Kestenholz der Fall.

Ein Biber hatte unter der Brücke einen Damm errichtet, welcher insbesondere bei Hochwasser zu einem Problem hätte auswachsen können, wie Marcel Tschan vom kantonalen Amt für Wald, Jagd und Fischerei bestätigt. Deshalb sei der Damm in Absprache mit Naturschutzorganisationen im Spätsommer 2018 entfernt worden.

Der Kanton sei verpflichtet Naturschutzorganisationen über solche Eingriffe zu informieren, damit diese die Möglichkeit hätten, im Rahmen des Verbandsbeschwerderechts dagegen Einsprache zu erheben, so Tschan.

Peter Lakerveld von Pro Natura bestätigt diese Praxis. Vor dem Ausstellen einer entsprechenden Verfügung werde er jeweils vom Kanton als Vertreter von Pro Natura, BirdLife und WWF zu einer Besichtigung und Beurteilung der Situation eingeladen.

In dringenden Fällen sei eine Einwilligung der Umweltverbände schon vor einer Verfügung möglich. Dies sei auch in Niederbuchsiten bei der Entfernung des Damms der Fall gewesen. Lakerveld geht davon aus, dass es sich beim Erbauer dieses Damms um ein Einzeltier handelt und dass dieses weiterhin in der Umgebung lebt. Deshalb müsse regelmässig geprüft werden, ob der Biber einen erneuten Bau in Angriff nimmt.

Die Ausbreitung der Biber in Kanton Solothurn bezeichnet Lakerveld als Erfolgsgeschichte. Die Anzahl Tiere habe sich seit 2008 auf aktuell gegen 300 Exemplare verdreifacht. Die erwähnten Schäden durch Biber seien mit Blick auf den grossen Nutzen für Flora und Fauna durch die Aktivität der Grossnager vertretbar, findet Lakerveld.

Im Kanton Solothurn beliefen sich die gemeldeten Schäden im letzten Jahr auf nur 300 bis 400 Franken, so Tschan. Allerdings sei im Parlament in Bern ein Vorstoss hängig, welcher verlange, dass Schäden an Infrastruktureinrichtungen künftig abgegolten werden. Je nach Definition könnten daraus Kosten für Kanton und Bund entstehen die weit über den aktuellen liegen, so Tschan. Bis zu diesem Entscheid seien weiterhin die Grundeigentümer für durch Biber verursachte Schäden haftbar. (EVA)