Schnittig sehen sie aus, diese Jets in Grau, Schwarz und Weiss. Doch deren Pilot sitzt nicht etwa im Innern und vollführt halsbrecherische Kunststücke, sondern steuert die Maschine vom Boden aus per Fernsteuerung. Denn bei den Albatros XXXL handelt es sich um Modellflugzeuge im Massstab 1:1,7. Somit sind sie die grössten Modellflugjets der Schweiz und gleichzeitig das Highlight der Jubiläumsfeier zum 40-jährigen Bestehen des Modellflugvereins Gäu (MFVG).

Im Jahr 1978 wurde der Verein von Ernst Studer und Oskar von Rohr ins Leben gerufen, die sogleich als die ersten beiden Präsidenten walteten. Heute zählt der Verein drei Ehrenmitglieder, 67 Mitglieder und 14 Gönner. Es ist quasi ein Familienbetrieb, ist doch Peter von Rohr, der heutige Vereinspräsident, der Sohn von Gründer Oskar von Rohr. Ihm wurde die Modellfliegerei in die Wiege gelegt: «Auch meine Mutter war lange Aktuarin des Vereins und sogar in der Grossfliegerei tätig», erzählt Peter von Rohr. «Ich bin also sozusagen in der Luft gross geworden.»

Verschiedene Fluggeräte

Das Jubiläumsfest findet am nächsten Wochenende, 8. und 9. September, auf dem Modellflugplatz in Oberbuchsiten statt. Am Samstag stellt der MFVG seine Piste für das Freie Fliegen (Open Fly-In) zur Verfügung. Teilnehmen kann jeder, der ein Modellflugzeug besitzt und entweder Mitglied in einem Aeroklub ist oder eine Versicherung hat.

Modellflugverein gäu feiert 40 Jahre Jubiläum

Die Albatros XXXL gehören zu den grössten Modellflugjets der Schweiz und werden an der Flugshow zu sehen sein.

Modellflugverein gäu feiert 40 Jahre Jubiläum

Am Sonntag steht das Sternmotorentreffen auf dem Programm. Ein Sternmotor ist eine Bauform des Hubkolben-Verbrennungsmotors, bei der mehrere Motorzylinder sternförmig radial um die Kurbelwelle herum angeordnet sind.

Der Flugbetrieb startet an beiden Tagen jeweils um 10 Uhr. Von einfachen Anfängerflugzeugen, die fertig im Laden gekauft werden können, über professionelle Jets und Doppeldecker bis hin zu Segelflugzeugen und Helikoptern werden Schaulustige an diesen beiden Tagen die grosse Bandbreite der Modellfluggeräte zu sehen bekommen. Eine grosse Festwirtschaft sorgt währenddessen für das leibliche Wohl. Am Samstagabend wird zudem allen Piloten und Besuchern ein Pilzrisotto offeriert, solange der Vorrat reicht.

«Wir rechnen mit etwa 40 bis 60 Piloten», sagt Peter von Rohr. «Für unser Open Fly-In haben wir bisher noch nie so viel Werbung gemacht wie in diesem Jubiläumsjahr.» Deshalb sei es schwer abzuschätzen, wie viele Fluginteressierte sich an diesem Wochenende nach Oberbuchsiten begeben werden. Das letzte Fly-In im vergangenen Jahr fiel buchstäblich ins Wasser. Heuer hofft der Präsident natürlich auf bessere Flugbedingungen. «An den Flugtagen, die mein Vater organisiert hat, waren teilweise bis zu 6000 Besucher», weiss von Rohr. «Mal schauen, ob wir das auch hinkriegen.»

1200 Stunden Arbeit

Der Flugplatz zwischen Oensingen und Oberbuchsiten gehört mit einer Länge von knapp 250 Metern zu den grössten der Schweiz. Der Präsident erwartet deshalb viele Fluginteressierte von anderen Vereinen, die selbst nicht das Privileg haben, eine solch grosse Bahn nutzen zu können. «Da werden sicher wieder einmal die grossen Geschütze aus dem Keller geholt», hofft von Rohr.

Mit solchen liesse es sich auf kleineren Bahnen nämlich nicht fliegen. Von Rohr selbst wird vermutlich seinen Doppeldecker «Miss Sophie» fliegen, eine Tiger Moth aus dem Jahr 1932 mit 4,7 Metern Flügelspannweite. «Falls ich zwischen all den präsidialen Aufgaben noch Zeit dafür finde», meint er lachend. Das Modellflugzeug hat er als Profi natürlich selbst gebaut. «Die ganze Technik, die dahinter steckt, fasziniert mich.»

Der Verein bedeute für ihn kollegiale Zusammenkünfte, Abwechslung vom Alltag und vor allem, das Erschaffen eigener Projekte. «Von der Planung über die Herstellung bis zum ersten Flug steckt eine Menge Arbeit», so von Rohr. An einem Modell arbeite er teilweise rund 1200 Stunden.

Die vielen Stunden Arbeit zahlen sich aus: «Wenn sich das eigene Projekt in die Lüfte erhebt, ist das ein grossartiges Gefühl», schwärmt von Rohr. Er und seine Vereinskumpane hoffen, dass sich unter den Besuchern dann auch der ein oder andere befindet, der sich von ihrer Leidenschaft anstecken lässt. Denn heutzutage sei es nicht einfach, neue Mitglieder zu finden. Von Rohr ist sich aber sicher: «Wenn die Besucher an unserer Feier die grossen Jets zu sehen bekommen, wie sie ‹Smileys› und ‹Härzli› in den Himmel zaubern, werden sie mir zustimmen, dass Fliegen einfach etwas Sehenswertes ist.»