Alte und mächtige Bäume mit grossen Kronen, die das Dorfbild prägen, sind im Gäu nur noch selten zu sehen. Allzu oft fielen sie dem Bau von neuen Strassen oder Gebäuden zum Opfer. Um dies zu verhindern, werden solche hölzerne Zeitzeugen von Gemeinden oft unter Schutz gestellt. So auch in Wolfwil, wo drei über 300 Jahre alte Linden als schützenswert in den Zonenplan der Gemeinde aufgenommen wurden. Dass eine Unterschutzstellung noch lange keine Garantie für den Erhalt eines Baumes ist, musste jüngst der Wolfwiler Gemeinderat zur Kenntnis nehmen.

Linden ein Sicherheitsrisiko

Die laut Zonenreglement zuständige Baukommission hatte festgestellt, dass sich die Linde im Gerstenacker bei der Einmündung Letzirain in einem schlechten Zustand befindet. Bei einem Augenschein zeigte sich, dass der unterste Teil des fast zwei Meter dicken Stammes dürr ist und sich wegen der Feuchtigkeit anfängt zu zersetzen. Ebenfalls am Absterben sind zwei Hauptäste auf der Südseite des Baums.

Ein Rückschnitt der dürren Äste ist laut Baupräsident Thomas Niggli nicht sinnvoll, weil der Baum dadurch aus dem Gleichgewicht geraten würde. Der Baum könnte nach dem Schnitt auf das auf der Nordseite stehende Bauernhaus fallen, befand die Baukommission und hat dem Gemeinderat den Antrag gestellt, die Linde aus Sicherheitsgründen zu fällen.

Ebenfalls gefällt werden soll die Linde an der Kirchgasse. Diese kränkelt schon seit mehr als 30 Jahren. Weiter in den Baum Geld zu investieren, wird von der Baukommission aufgrund des schlechten Zustands nicht empfohlen, zumal die bisher ergriffenen Massnahmen keine Wirkung zeigten.

Erstmals saniert wurde die auf über 300 Jahre geschätzte Winterlinde 1983 auf Initiative des damaligen Obst- und Gartenbauvereins. Die Linde litt schon damals unter mangelnder Nahrungs- und Wasserzufuhr. Wegen der in früheren Jahren erfolgten Entfernung eines Astes hatte sich zudem im Stamm ein Loch gebildet. Das dort eindringende Wasser führte im Innern des Stammes zu Fäulnis und damit zu einer weiteren Schwächung des Baums.

Sanierung zeigte keinen Erfolg

Die damalige Sanierung der Linde, welche den Rückschnitt ausgewählter Äste, das Auskratzen der Fäulnis sowie das Anbohren des Stammes für den Ablauf des Wassers beinhaltete, zeigte nur kurz Wirkung. 2010 und 2012 wurden im Auftrag der Gemeinde weitere Sanierungen durch beigezogene Baumspezialisten ausgeführt. Dazu gehörte auch eine spezielle Bepflanzung des Erdreichs im Wurzelbereich des Baums. Auch diese Massnahmen zeigen nicht die gewünschte Wirkung, weshalb der Baukommission nichts anderes übrig blieb, als die dürren Äste einmal jährlich aus Sicherheitsgründen zu entfernen.

An der Gemeindeversammlung stiessen diese jährlich wiederkehrenden Arbeiten bei der Linde an der Kirchstrasse auf Kritik, und ihr Sinn mit Blick auf die erfolglosen Sanierungsversuche wurde hinterfragt. Die Baukommission habe sich dieselbe Frage gestellt und sei dabei zum Schluss gelangt, dass auch diese Linde aus Sicherheitsgründen gefällt werden sollte, bemerkt Niggli. Die Kommission sei der Auffassung, dass eine erneute Sanierung der Linde auch künftig keinen Erfolg haben werde, meint Niggli mit Verweis auf die lichte Krone des Baums.

Bereits eine Linde gefällt

Eine Erklärung, weshalb die Linden im Gerstenacker und an der Kirchstrasse praktisch gleichzeitig absterben, hat Niggli nicht. Möglich sei, dass die Wurzeln der Bäume bei der Verlegung von Wasserleitungen vor rund 10 Jahren verletzt worden seien. Allerdings sei auch denkbar, dass die Linden mit geschätzten 300 Jahren einfach alt seien und deshalb langsam absterben würden. Dies könnte auch auf die bereits gefällte Linde am Kreuzhag zutreffen, die ebenfalls aus Sicherheitsgründen entfernt worden sei. «Der Stamm dieser Linde war innen praktisch hohl, wir hätten den Baum mit einem Traktor leicht umziehen können», berichtet Niggli.

Der Wolfwiler Gemeinderat kam nach eingehender Diskussion zum Schluss, dass die erwähnten Linden im Gerstenacker und an der Kirchstrasse ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung darstellen. Auf Antrag der Planungs-, Bau- und Werkkommission erteilte der Rat der Baukommission den Auftrag, die beiden Linden zu fällen und durch Eichen zu ersetzen. «Wir haben uns den Entscheid nicht leicht gemacht, vor allem wegen der Linde an der Kirchstrasse, die das Ortsbild markant prägt», erklärt Gemeindepräsident Georg Lindemann auf Anfrage. «Das tut schon weh, aber am Schluss geht die Sicherheit vor», so der Gemeindepräsident.

Fällaktion erfolgt Ende August

Die Gesamtkosten für das Fällen der beiden Bäume und deren Ersatz durch Eichen belaufen sich auf 14'000 Franken, wofür der Gemeinderat einen entsprechenden Nachtragskredit verabschiedete. Für den Kauf der neuen Bäume soll das bei der Gemeinde deponierte Vermögen in der Höhe von rund 6200 Franken des im Jahr 2003 aufgelösten Obst- und Gartenbauvereins verwendet werden. Von den 74 angeschriebenen Mitgliedern haben sich damit bereits deren 48 einverstanden erklärt, wie im Rat erwähnt wurde.

Gefällt werden sollen die beiden Linden Ende August, wie Baukommissionspräsident Thomas Niggli erwähnt. Ausgeführt werden die Arbeiten unter der Leitung von Revierförster Reto Müller. Die Pflanzung der zwei neuen Eichen soll noch diesen Herbst erfolgen.