Die Schweizer Musikszene muss sich schon lange nicht mehr verstecken. Das zeigten Manillio, Stefanie Heinzmann und Züri West am Sonntagabend am St. Peter at Sunset in Kestenholz. Auch die Bandbreite ist nicht zu verachten mit Hip-Hop, Soul/Pop und Rock.

Den Auftakt bildete der quasi einheimische Manillio, der aus Solothurn stammt – doch es scheint, dass dies nicht alle wussten. So sagte ein Gast trocken: «Ich kenne den gar nicht.»

«Mir haue chli uf d’Kacke»

Als um 18 Uhr Manillio den Abend mit «Kryptonit» vom gleichnamigen Album eröffnete, ist die Zuschauermenge beschaulich und muss regelrecht aus der Reserve gelockt werden. Dann beginnt es auch noch zu regnen: «Wenns öis wägluftet, de aui zäme», beruhigte der Solothurner und wollte wissen, wer denn schon alles an einem Hip-Hop-Konzert gewesen sei. Das Publikum lachte.

Manillio schaffte es während seines Konzerts, die Gäste mit jedem Song und einer guten Prise Humor immer mehr zu erobern. Er überzeugte mit eingängigen Melodien und cleveren Texten – wie etwa in «Bitte», wo er den heutigen oberflächlichen Social-Media-Lifestyle aufs Korn nimmt. «Flugzüg» vom Album «Irgendwo» habe er in Solothurn geschrieben; es sei eben für irgendwo, wenn man sich mal verloren fühle.

Ein bisschen verloren fühlte er sich offenbar auch – wegen der Bestuhlung. «Ich glaube, ich spielte noch nie an einem Konzert, das bestuhlt war», stellte er verwundert fest. So seien ja gar kein Stagediving und kein Moshpit möglich, doch: «Mir haue glich chli uf d’Kacke!».

Spätestens bei seinen neusten Hits «Monbijou» und «Aues gloge» waren alle auf den Beinen und machten die Stühle überflüssig. Manillio legte eine sehr solide Performance ab und bewies, dass er ein cooler und sehenswerter Live-Act ist. Die Solothurner dürfen stolz sein.

Walliser Power …

«Ich bin so dankbar, dass es nicht mehr regnet», sagte Stefanie Heinzmann, weil es ihr jeweils wehtue, wenn sie das «bedröppelte» Publikum sieht und dessen «Eltern» nun trocken bleiben. Womit schnell klar wurde, dass die zierliche Walliserin ein Energiebündel ist und leidenschaftlich gerne auf der Bühne steht und singt. Diese Energie übertrug sich rasch aufs ganze Publikum. «I tanze würk gärä!», sagte Heinzmann und forderte deshalb auch die Leute zum Tanzen auf.

Ganz Kestenholz – auch jene auf den Sitzplätzen – schunkelte und tänzelte mit, wenn Heinzmann mit ihrer starken Stimme Lieder wie «On Fire», «Roots To Grow» und «Diggin In The Dirt» zum Besten gab. «Mega geil, läck du mir», meinte eine Zuschauerin ganz euphorisch. Heinzmann wurde ihrem Ruf als Top-Live-Act gerecht.

… und Berner Gelassenheit

Den krönenden Konzertabschluss bildeten Züri West, die dieses Jahr das Album «Love» herausbrachten. Den nicht ganz so eingefleischten Züri-West-Fans dürfte der Zugang etwas schwerer gefallen sein. Da die Band in Kestenholz einige ältere, weniger bekannte und natürlich neue Lieder wie «Gange ohni zgah» und «Sunntig Mittag i de Sächzgerjahr» interpretierte. «Quitte» ist laut Frontmann und Songschreiber Kuno Lauener dem früheren Kestenholzer Profi-Fussballer Rainer Bieli gewidmet.

In einer Gelassenheit spielten die fünf Berner Song für Song, Lauener verlor dabei selten grosse Worte: «U ds geit e so!» – die Menge liess sich von Züri West entführen und genoss den trotz dreier Konzerte kurzweiligen Abend. Doch auch Lauener musste das Publikum zwischendurch etwas bitten: «Chömet, Dir sit öbe 5000 und mir nume füüf.» – Sicher: Bei den lang ersehnten Hits wie «Irgendeinisch fingt ds Glück eim», «I schänke dir mis Härz» und «I ha di gärn gha» sang das Publikum kräftig mit.