Pastoralraum Dünnernthal
Zum Abschied: ein wohlbestelltes Feld hinterlassen

Pfarrer Simon Moser feierte seinen letzten Gottesdienst, nun orientiert er sich neu. Am Sonntag hielt er in der Kirche in Aedermannsdorf seinen Abschiedsgottesdienst.

Rudolf Schnyder
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Abschied vom Pastoralraum Dünnernthal (v.l.): Pfarrer Eugen Franz, Pastoralraumpfarrer Simon Moser, Pastoralassistent Fabian Schäuble, Lektorin Verena Meister und Ministranten aus allen Pfarreien des Pastoralraumes.

Abschied vom Pastoralraum Dünnernthal (v.l.): Pfarrer Eugen Franz, Pastoralraumpfarrer Simon Moser, Pastoralassistent Fabian Schäuble, Lektorin Verena Meister und Ministranten aus allen Pfarreien des Pastoralraumes.

Rudolf Schnyder

Nur zwei Jahre war Simon Moser als Leiter und Pfarrer des Pastoralraumes Dünnernthal, der die Pfarreien von Laupersdorf bis Welschenrohr-Gänsbrunnen umfasst, tätig. Am Bettagssonntag trafen sich viele Gläubige aus allen Pfarreien des Pastoralraumes in der Kirche in Aedermannsdorf zum feierlichen Abschiedsgottesdienst.

Simon Moser nimmt sich eine Auszeit als Priester (siehe Kontext) und möchte sich in Zukunft beruflich verändern. Auch in der Predigt sprach er von Sichtweisen und Perspektiven, die sich im Laufe der Zeit verändern können. «Manchmal sieht man gewisse Sachen anfänglich etwas anders, aus einer anderen Perspektive. Doch dies kann sich dann später ändern», erwähnte Simon Moser.

Mit Musik und Bild untermalt

Passend zu seinen Worten wurden Bilder eingeblendet von Gesichtern, von Früchten und Gemüsen oder von Höhlenmalereien von Steinzeitmenschen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet ganz andere überraschende Ansichten zeigen können. «Mit der Veränderung kann man auch Neues, Ungewohntes entdecken, man kann an Ideen gewinnen für die Zukunft des Lebens», folgerte Simon Moser.

Auf seinen Wunsch hin wurde der Gottesdienst musikalisch von einer Jugendband mit Anja Fluri (Herbetswil), Gesang; Andrea Fink (Welschenrohr). Gitarre und Gesang und Thomas Bobst (Aedermannsdorf), Piano, gestaltet. Gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern des Gottesdienstes wurden neuzeitliche, moderne Lieder mit tiefgründigen Texten gesungen.

Der Leitsatz mit neuer Wendung

Beat Bader (Aedermannsdorf), Präsident des Zweckverbandes Pastoralraum Dünnernthal, dankte Simon Moser für das Verbringen gemeinsamer Zeit, auch wenn diese eigentlich zu kurz war, für die Geduld, wenn Veränderungen nicht sofort ausgeführt werden konnten, und für die Wertschätzung.

«Ich stehe heute nicht gerne hier vorne beim Altar, mein Herz ist voller Verunsicherung, denn der Leitsatz ‹Gemeinsam unterwegs sein› nimmt heute eine Wendung. Es bleiben die Eindrücke des zweijährigen Wirkens, Simon war ein guter Hirte und ein Meister der ersten Begegnung», bemerkte Beat Bader.

Mit den besten Wünschen für die Zukunft und der Erkenntnis, dass wir nun loslassen müssen, sowie dem Hinweis, dass Simon Moser ein wohlbestelltes Feld hinterlassen würde, schloss der Präsident des Pastoralraumes seine Würdigung.

Am Gottesdienst, der von Pfarrer Eugen Franz und Pastoralassistent Fabian Schäuble mitzelebriert wurde, versahen Ministranten aus allen Pfarreien des Pastoralraumes ihren Dienst. Sie überreichten als Erinnerung an sie dem scheidenden Simon Moser ein Gruppenbild.

Aus Solidarität und Protest zurückgetreten

Es gäb bis heute kirchliche Strukturen, von denen sich gewisse Menschengruppen verurteilt oder in ihrer Lebensweise oder Berufung verletzt und nicht ernst genommen fühlen. So begründet Pfarrer Simon Moser seinen Rückzug als Priester im vorletzten «Kirchenblatt».

Bereits bei der Bekanntgabe seiner Entscheidung wies er klar darauf hin, dass sein Rücktritt nichts mit einer Beziehung zu tun habe, und kündigte an, sich schriftlich noch einmal an die Gläubigen zu wenden (wir berichteten). Namentlich nennt Moser in seinem Schreiben Homosexuelle oder auch wiederverheiratete Geschiedene, welche sich nicht ernst genommen fühlen würden.

«Ich bin zutiefst überzeugt, dass diese kirchlichen Vorgaben dem Meister des wahren Lebens, Jesus, dem Christus, total zuwiderlaufen», fährt er weiter. Aus Solidarität zu den Betroffenen, die sich in seinen Augen in nachvollziehbarer Weise als Christen zweiter Klasse fühlen würden, und aus Protest dagegen, nehme er eine Auszeit als Priester und werde ab 1. Oktober 2016 ausserhalb der Kirche arbeiten.

«Bei einer Veränderung dieser kirchlichen Strukturen kann ich mir ein Engagement in der Kirche wieder vorstellen», schliesst er seine Begründung. (phf)