Alte Zeiten
Zum 1050-Jahr-Jubiläum schreiben Oensinger eine neue Dorfchronik

Die letzte Dorfchronik Oensingens wurde 1968 veröffentlicht. Zum 1050-Jahr-Jubiläums des Dorfes wird die Version nun von Thomas Hug und einer Gruppe von 18 Oensingerinnen und Oensingern überarbeitet.

Philipp Felber
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Bilder aus alten Zeiten werden die neue Dorfchronik prägen, wie etwa hier eine Flugaufnahme des alten Oensingens um 1920.

Bilder aus alten Zeiten werden die neue Dorfchronik prägen, wie etwa hier eine Flugaufnahme des alten Oensingens um 1920.

zvg

Angefangen habe alles mit der Facebookpage «du bisch vo Oensingen, wenn ...». Thomas Hug wollte den Jungen zeigen, dass man Facebook auch anders nutzen könne, als nur sich selbst ins Zentrum zu stellen. Von da an führte er die Gruppe als Administrator, lud unzählige historische Bilder hoch, die Gruppe wuchs stetig. Momentan hat sie fast 900 Anhänger, einige posten wöchentlich Fotos von Oensingen. Entstanden ist eine Plattform für Berufs- und Heimweh-Oensinger.

Definitiv zur ersten Gattung gehört Thomas Hug. Das Wissen über das historische Oensingen, gepaart mit nostalgischen Gefühlen, kann er nun auch abseits der
Facebookgruppe weitergeben. Denn auch die Gemeindebehörden, namentlich Gemeinderat Fabian Gloor, wurden auf Thomas Hug und seinen Einsatz für das historische Oensingen aufmerksam. Es folgte eine Bilderausstellung auf der «Bechburg». Und eine Anfrage, ob es denn nicht möglich sei, ein Buch zum 1050-Jahr-Jubiläum zu gestalten.

«Wir wollten keine herkömmliche Chronik», sagt Thomas Hug, Verantwortlicher für das Oensinger Geschichtsbuch.

«Wir wollten keine herkömmliche Chronik», sagt Thomas Hug, Verantwortlicher für das Oensinger Geschichtsbuch.

Philipp Felber

Die Idee der Gemeinde: Zum Jubiläum würde eine überarbeitete Version der Oensinger Chronik gut passen. Die letzte wurde zum Jubiläum 1968 veröffentlicht. «Es soll jedoch kein hochwissenschaftliches Werk werden», so Gemeinderat Fabian Gloor. Klar müssten die Fakten stimmen, aber es gehe vor allem darum, ein Buch zu gestalten, welches auch wirklich gelesen wird. Dazu mache es Sinn, dass die Dorfbevölkerung miteingebunden werde.

Die Kosten dürften ungefähr bei einem Viertel der Gesamtkosten für das Jubiläum liegen. «Die Schwankungsbreite ist noch hoch, doch wir rechnen mit ungefähr 100'000 Franken für das gesamte Fest, das heisst ca. 25'000 bis 30'000 Franken für das Buch», so Fabian Gloor.

Ehrenamtliche Arbeit

Thomas Hug übernahm die Aufgabe, eine neue Chronik zu erarbeiten, mit Freude: Unterstützung gibts einerseits von Compagnon Kuno Blaser und weiteren Mitstreiterinnen und Mitstreitern. «Nun arbeiten 19 Leute mit», erzählt Hug. Das Ziel: ein themenbasiertes Geschichtsbuch. «Wir wollten keine herkömmliche Chronik, zudem besteht mit der Arbeit von Werner Stoos bereits eine chronikale Grundlage.»

Diese dient bei ihrer Arbeit denn auch als Grundlage. Doch ein grosser Teil des Buches wird mit den allseits beliebten historischen Fotos und Bildern bestritten.

Schon zur Schulzeit habe sich Thomas Hug für Geschichte interessiert. Nach und nach baute er sich denn auch ein Bilderarchiv aus, ein stiller Sammler historischer Zeugnisse also. Er ist nun Hauptkoordinator und schreibt gewisse Kapitel gleichselbst. Neben den Schriften von Werner Stoos wurden auch weitere Archive angezapft. So etwa diejenigen von Bruno Rudolf oder der Von Roll.

Die 19 Mitarbeiter am Geschichtsbuch leisten ihre Beiträge ehrenamtlich, Druck und Vertrieb usw. werden von der Gemeinde übernommen. Bis heute habe er ca. 300 Stunden nur für das Buch gearbeitet, bis zum Abschluss dürften noch mal gleich viele dazukommen. Die Fotoausstellung als Vorarbeit, auf welche sie zurückgreifen können, nicht mit eingerechnet.

Warum nimmt Hug so viel Aufwand auf sich? «Es ist so was wie mein Hobby geworden», lacht er. Es gehe auch darum, Neuzuzügern das Dorf näher zu bringen. Ambitioniertes Fernziel: das Dorf zusammenwachsen zu lassen. So wie es bereits in der Facebookgruppe zum Teil geschehe. Zudem sieht er durchaus eine Chance, dass das Buch dereinst als Schulstoff dienen könne; schliesslich sei in der vierten Primarschulklasse Oensingen ein Thema.

Fotos gesucht

Im Frühling 2018 wird das Buch erscheinen, bis dahin stehe aber noch einige Arbeit an. Hug hofft darauf, dass alle Textbeiträge bis November 2017 stehen. Dann hat die Layouterin Marion Bobst genügend Zeit, um das Buch zu finalisieren. Apropos Layout: Diese Woche steht ein wichtiger Entscheid an. Nämlich wird entschieden, welches Format das Buch am Schluss erhalten soll. Alles läuft aber so weit nach Plan.

Einzig einen Wunsch hat Thomas Hug noch: Er hofft auf noch mehr alte Fotos von Oensingen aus den privaten Archiven beziehungsweise Wühlkisten auf den Estrichen. Die Fotos würden im Anschluss digitalisiert und bei Hug archiviert. Zudem gebe er denjenigen, welche Fotos liefern, auch gleich die digitalen Abbilder ihrer Fotos.

Eine sinnvolle Investition also, wenn man rasch seine alten Kisten durchstöbert. «Das Buch ist von Oensingern für Oensinger». Im Fall von Hug ein Oensinger, der sich die Leidenschaft für sein Dorf einiges an Zeit und Aufwand kosten lässt.