Literatur
Züge, Bahnhöfe und Cafés sind die Schreibwelt von Dieter Weuffen

Der Boninger Dieter Weuffen hat sein erstes Buch, den Kriminalroman «Die Eleganz des Verbrechens», veröffentlicht. Alle Schauplätze im Roman hat er selbst besucht. Am 10. November findet eine Lesung in Gretzenbach statt.

Karin Schmid
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Dieter Weuffen mit seinem «magischen Trio» – Laptop, Agenda, Kaffee – in einer seiner «Schreibstuben», dem Café Ring in Olten: «Dort ist ein Drittel meines Buches entstanden (kleines Foto oben rechts, Red.).» kas

Dieter Weuffen mit seinem «magischen Trio» – Laptop, Agenda, Kaffee – in einer seiner «Schreibstuben», dem Café Ring in Olten: «Dort ist ein Drittel meines Buches entstanden (kleines Foto oben rechts, Red.).» kas

Seit 19 Jahren ist der Dieter Weuffen in Boningen als Einwohner bekannt, seit 2011 als für die Schule und Bildung zuständiger Gemeinderat und seit 1. August auch als Vize-Gemeindepräsident. Auf dem Platz Olten und in der Informatikbranche kann man den 58-Jährigen seit 17 Jahren als Partner und Geschäftsführer der WIB Solutions AG. Künftig wird Weuffen dem einen oder anderen aus der Region Olten auch als Schriftsteller ein Begriff sein: Er hat gerade sein erstes Buch, den Kriminalroman «Die Eleganz des Verbrechens», aus der Druckerei geholt.

Dieter Weuffen ist in Grevenbroich am deutschen Niederrhein geboren und aufgewachsen. Schon als Kind hat er leidenschaftlich gerne gelesen. Mit «acht, neuen Jahren» fing er an, sich für Kriminalgeschichten zu interessieren. Er habe sehr früh Klassiker wie «Fünf Freunde» gelesen, sagt er. «Für mich bedeuten Kriminalromane eine spannende Geschichte.» An diesem Genre fasziniert ihn vor allem «die verwickelte Geschichte dahinter, über die man nachdenken muss. Auch bei den verwegensten Geschichten gibt es ein ‹Es könnte ja so gewesen sein›».

Vielleser, der immer gerne schrieb

Dieter Weuffen bezeichnet sich als Vielleser – als «Hesse-Freund, ich mag auch David Baldacci, bin ein absoluter Fan von Batya Gur, liebe Philipp Kern und Jeffery Deaver natürlich; von den Deutschen liebe ich Ulrich Ritzel». Weuffen selbst hat «schon immer gerne geschrieben: Tagebuch, Gedichte, Essays, Aphorismen, solche Geschichten». Somit hätte sein erstes Buch gar nicht unbedingt ein Kriminalroman sein müssen. Weuffen bestätigt dies: «Es ist sogar geplant, im nächsten halben Jahr einen Gedichtband zu veröffentlichen.»

«Vor fünf, sechs Jahren» habe er «die ersten Krimischreibversuche» unternommen, sagt der Boninger. Nach einer Pause – «ich bin einfach stecken geblieben» – kehrte er vor drei Jahren zurück zur «Arbeit am Stoff. Im April bin ich mit dem Buch fertig geworden. Als ich den letzten Satz geschrieben hatte, konnte ich es kaum glauben». Während dem Schreiben an sich braucht er seine Ruhe, wie er sie «im Zug, an Bahnhöfen, auf dem Weg zu Kunden, zwischen Sitzungen», aber vor allem in Cafés» findet. Besonders gern hält er sich im «Ring» in Olten auf. «Das ist meine Schreibwelt, dort ist ein Drittel des Buches entstanden».

In seinem Kriminalroman «Die Eleganz des Verbrechens» geht es um mehrere raffiniert und ausgeklügelt geplante Juwelier-Raubüberfälle, die die Ermittler der Kantonspolizei Solothurn auf Trab halten. Der erste findet bei Hugo Nützis «Schmuck und Uhren Moser» in Olten statt – und lässt im knapp 400-seitigen Buch etwas auf sich warten. Auf Nebenkanälen bringt der hervorragende Erzähler Dieter Weuffen in klar verständlicher, unterhaltsamer und bildhafter Schreibweise allerdings von Anfang das eine oder andere Verbrechen ins Spiel. Bei diesen geht es allerdings um Datenraub – einen Bereich, in dem sich der IT-Spezialist mit eigener Firma bestens auskennt.

Ausführliche, klar strukturiert erklärte Informationen zu den Verbrechens-, Ermittlungs- und Beziehungsabläufe und vor allem zum Thema «Sicherheit in der Informationstechnologie» dominieren den Roman, dessen Hauptakteur Raymond Spezialist in diesem Bereich ist. Entsprechend dem Buchtitel werden die Fälle darin elegant gelöst, sprich gewaltlos und mit viel Geld. «Die Geschichten, mit denen diejenige des Hauptakteurs verwoben ist, sind dazu da, die Charakteren der Handlung zu beschreiben und finden sich irgendwann», erklärt Weuffen. Auch die Liebe fehlt nicht. «Ich muss ja irgendwie meine symbiotische Beziehung zwischen Deutschland und der Schweiz zeigen.» Weuffen kam vor über
20 Jahren aus beruflichen Gründen in die Schweiz, pendelte zu Beginn zwischen Deutschland und der Eidgenossenschaft hin und her und nahm schliesslich aus Liebe auch dort Wohnsitz – am Anfang lebte er im Oltner Schöngrund, seit 1994 wohnt er im Eigenheim an der Jurastrasse in Boningen. Seit 2010 besitzt Dieter Weuffen die Schweizer Staatsbürgerschaft.

Milieu, Soziales, Politik, Technik

In «Die Eleganz des Verbrechens» reisen die Protagonisten häufig zwischen der Schweiz und Deutschland hin und her. Zu den Schauplätzen gehören beispielsweise Neuenburg, Zürich, Bern, Solothurn, Olten, Köln und Frankfurt – Orte, die Dieter Weuffen alle recherchiert und bereist hat, «und zwar alle mit meiner Frau, als Entschädigung für meine Abwesenheit».

Beim Schreiben sucht Weuffen als Erstes ein Milieu aus. Ausserdem interessiert er sich für «alles, was sozial, politisch und technisch passiert. Mir scheint, dass diese drei Bereiche in immer stärkerer Wechselwirkung stehen». Nach dem Aussuchen des Milieus ergründet er die Personen, die sich darin bewegen, Handlungsmöglichkeiten und «das kriminelle Element». Für seinen ersten Roman hat sich der 58-Jährige ein luxuriöses, hochklassiges Milieu ausgesucht und stellt es so dar, «wie es, so denke ich, heute reagiert». Geld spiele im Buch zwar eine Rolle, «doch der eigentliche rote Faden geht der Frage nach: Wer hat zu welchem Zeitpunkt Zugriff zu welchen Informationen? Die Informationen und deren Beschaffung sind das Benzin des Buches».

Teilweise auf liebevoll kritische, manchmal aber auch auf nicht ganz so liebevoll kritische Art informiert Dieter Weuffen in seinem Roman über Leben und Leute in Olten, im Kanton und bei den Solothurner Behörden. Ein Geschichtsstrang läuft beispielsweise durch die neu organisierte Kantonspolizei Solothurn und beschreibt die Arbeit und Meinung ihrer Teammitglieder. «Dadurch, dass Olten einer der Tatorte ist, sind die Stadt, der Kanton und die Behörden zu einem interessanten Objekt im Roman geworden», erklärt Weuffen und ergänzt mit Unschuldsmiene: «natürlich nicht ganz objektiv».

Mit Schreiben zur Ausgeglichenheit

Wieviel Biografisches, Charakteristisches von Dieter Weuffen steckt im Roman «Die Eleganz des Verbrechens»? Dazu zitiert der Autor die Kritik seiner Mutter: «Sie sagte: ‹Das Buch ist wunderbar zu lesen, aber kein Stück autobiografisch.› Man muss auch das Gesamtbild anschauen.» Dem 58-Jährigen würde etwas fehlen, wenn er nicht mehr schreiben könnte. «Es gibt mir eine gewisse Ausgeglichenheit. Gegenüber meinem abstrakten Beruf kann ich beim Schreiben meine Kreativität ausleben.» In diesem Bereich hat er im Moment einiges zu tun: In einem halben Jahr soll sein Gedichtband erscheinen. Für sein nächstes Projekt hat er nach eigenen Aussagen bereits ein Milieu ausgesucht. Doch vorher, am 10. November, liest der Rheinland-Boninger in Gretzenbach aus seinem Krimiroman.

«Die Eleganz des Verbrechens» Kriminalroman, 391 Seiten, ISBN 978-3-9522692-2-0. Informationen/Buchbestellungen im Internet unter www.dieterweuffen.net.

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