Der grosse Umbau im Bahnhof Oensingen verleitet zum Gedanken, dass der Balsthaler Bahnhof an die SBB-Bahnlinie Solothurn – Oensingen hätte angebunden werden können. Um in den Thaler Hauptort zu gelangen wäre nicht mehr der Umstieg auf die Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) nötig gewesen.

Dieses Gedankenspiel machte Paul Schneeberger bereits im Kontext zur Frage, ob der Bund den Weissensteintunnel und somit die Bahnlinie Solothurn–Moutier erhalten soll oder nicht. Der Entscheid ist gefallen: Ab 2021 saniert der Bund den Weissensteintunnel und die Strecke für insgesamt 145 Millionen Franken. Publizist und Verkehrsexperte Schneeberger befasste sich 2018 in einer Masterarbeit mit dem Fallbeispiel Thal. Die Frage, ob der Tunnel saniert werden soll, sei nur mit Blick auf die dünn besiedelte Strecke bemessen worden. Schneeberger schreibt weiter: «Es erstaunt nicht, dass die Eisenbahn in dieser engen Betrachtungsweise in Bezug auf die Reisezeit zwischen dem nördlichen Tunnelportal in Gänsbrunnen und Solothurn auf der Südseite des Juras, unschlagbar ist.» Anstatt die Solothurn – Moutier Bahnline zu erhalten, wäre es gemäss Schneeberger angezeigt gewesen, den Bezirk Thal besser über Oensingen zu erschliessen, zumal zwei Drittel der 14 000 Einwohner im östlichen Teil lebe, wo sich die Klus gegen das Mittelland hin öffnet. Für die bessere Anbindung, schlägt Schneeberger zwei Varianten vor: Entweder durch Schnellbusse ab Oensingen oder über die Verknüpfung der Balsthal-Bahn ans Netz. «In solchen Gebieten ist die Bahn der Anker an die Aussenwelt, aber nicht für die Feinverteilung», sagt Schneeberger. Will heissen: Ab Balsthal müsste das Verkehrsangebot durch Mitfahrten in Autos ergänzt werden.

Wie die SBB auf Anfrage mitteilen, prüften sie im Auftrag des Kantons Solothurn «grob» die Variante, den Bahnhof Balsthal direkt an die Bahnlinie Solothurn – Oensingen respektive Olten – Oensingen anzubinden, als der Bund sich mit Sanierung des Weissensteintunnels befasste. Dabei kamen die SBB zum Schluss, dass es am Bahnknoten Oensingen mit der aktuellen Infrastruktur nicht genügend freie Gleiskapazitäten gibt, um die Züge von und nach Balsthal an den Zügen der Linie Olten–Solothurn vorbeilenken zu können. Dies liege nicht zuletzt daran, dass die Bahnlinie zwischen Olten und Solothurn stark vom Güterverkehr frequentiert sei. «Es ist darum davon auszugehen, dass für ein solches Angebot grössere Infrastrukturmassnahmen umgesetzt werden müssten», schreiben die SBB in ihrer Stellungnahme.

Eine bessere Erschliessung Balsthals könnte ungeachtet des Weissensteintunnels sinnvoll sein. Aber auch das Amt für Verkehr des Kantons Solothurn geht nicht davon aus, dass sich Balsthals Bahnlinie anbinden lässt. «Wegen der grossen Hürden», sagt Daniel Schwarz vom Amt für Verkehr, «ist das Thema bis auf weiteres ‹auf Eis›.» Auch mit der weiteren Zunahme der Anzahl Züge auf der West-Ost-Achse über Oensingen dürfte es zunehmend schwierig werden, Balsthal ans Mittelland-Zugnetz anzubinden.

Paul Schneeberger: «Ein Plan für die Bahn; Wie die Milliardeninvestitionen in die Schiene mehr bewirken können»; 144 S., 2018 Verlag NZZ Libro