Oberbuchsiten
Zu wenig angemeldete Kinder: Fortbestand von Kita steht in den Sternen

In anderen Gemeinden blüht das Tagesstätten-Geschäft regelrecht auf – anders sieht es in Oberbuchsiten aus. Weil die Kita Zauberstern zu wenig angemeldete Kinder hat, ist die Weiterführung ungewiss.

Sarah Kunz
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Kita Kinderkrippe Zauberstern Oberbuchsiten
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 Die Betreuung wird ganztags und/oder halbtags mit oder ohne Mittagessen angeboten.
«Weil wir klein sind, können wir für die Kinder wie eine zweite Familie sein» sagt Eliane Stalder, Leiterin der Kita.
Kita Kinderkrippe Zauberstern
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Kita Kinderkrippe Zauberstern Oberbuchsiten

Bruno Kissling

Von aussen sieht das alte Pfarrhaus in Oberbuchsiten eher unscheinbar aus. Öffnet sich aber die Tür, flitzen schnelle Kinderbeine vorbei, kicherndes Lachen dringt aus jeder Ecke und ab und an ertönt eine mahnende Erwachsenenstimme. Es ist das Haus der Kita Zauberstern unter der Leitung von Eliane Stalder. Das dreistöckige Haus mit angrenzendem Garten bietet Platz für rund 14 Kinder und sechs Betreuer. Zwei davon sind Lehrlinge, welche die Kita ausbildet.

Weil aber einige der momentan angemeldeten Kinder ab dem Sommer den Kindergarten besuchen, nimmt die Zahl der gefüllten Plätze stark ab und der Fortbestand der Krippe steht auf dünnem Eis. «Trifft wirklich der schlimmste Fall ein, tja, dann müssten wir wohl zumachen», sagt Krippen-Leiterin Stalder seufzend.

Viele Kinder von ausserhalb

Seit dem Sommer 2015 leitet Stalder die Kita Zauberstern, die sich unter der Verwaltung der Adda-Kita GmbH mit Sitz in Balsthal befindet. Zu dieser Institution gehören auch die Krippen Drachenburg in Oensingen und Falkenburg in Balsthal. «Deren Ausgangslage ist anders als unsere», erzählt Stalder. Oensingen sei eine grössere Gemeinde und Balsthal könne von anderen Einzugsgebieten profitieren, weshalb diese beiden Tagesstätten genügend Anmeldungen haben.

In Oberbuchsiten gestalte sich die Situation anders, da die Gemeinde eher ländlich sei. «Es ist immer noch üblich, dass die Grosseltern für die Kinder schauen oder die Familie eine Tagesmutter organisiert», so die Kita-Leiterin. «Trotzdem habe ich das Gefühl, dass alle Welt nach Kitas schreit.» In anderen Gemeinden blüht das Tagesstätten-Geschäft regelrecht auf. Einzig die Kita Zauberstern scheint davon nicht profitieren zu können. Für Stalder gibt es dafür eine simple Erklärung: «Wir haben sehr viele Familien von ausserhalb.» Sobald deren Kinder aber in den Kindergarten kämen, können sie den Weg nicht mehr auf sich nehmen.

Nasenputzen als Traumjob

Stalder ist sich jedoch sicher, dass das Angebot der Kita Zauberstern auf grosse Beliebtheit stösst. «Weil wir klein sind, können wir für die Kinder wie eine zweite Familie sein», erklärt die Leiterin. «Ausserdem vermitteln wir ihnen das Alltägliche, singen, basteln, aufräumen, putzen und kochen sogar mit ihnen.» Einmal in der Woche gibt es deshalb das Lieblingsessen der Kinder. Aber sogar der Pizzateig, der Kartoffelstock oder die Lasagne seien selbst gemacht. «Uns ist es wichtig, dass die Kinder eine Verbundenheit zu der Arbeit und zu der Natur entwickeln.»

Auch diverse Ausflüge stehen deshalb hoch oben auf der Liste. Im Sommer kochen die Betreuer auch regelmässig über der eigenen Feuerstelle im Garten. Stalder hält inne. «Dir müssen wir aber die Nase schnäuzen, Fynn», sagt sie und holt ein Taschentuch. Nachdem die Nase geputzt, der Junge wieder mit den Spielblöcken beschäftigt und das feuchte Taschentuch in Stalders Hosentasche verstaut ist, dreht sie sich um und lacht: «Ich würde den Beruf sofort wieder wählen.»

Bereicherung für ganze Familie

Regelmässiger Besucher der Kita Zauberstern ist die Familie Frei aus Kappel. Andrea, der Grössere der beiden Kinder, besucht unter der Woche die Primarschule im Heimatdorf, weshalb er mittlerweile nur noch in den Schulferien in die Kita mitgeht. Den dreieinhalbjährigen Nicola hingegen bringt Papa Adrian einmal wöchentlich, während die Eltern ihrer Arbeit nachgehen. «Bereits bevor ich schwanger war, hat Adrian immer gesagt, dass er die Kinder nie in eine Kita stecken will», erzählt Mama Daniela Frei. Nachdem die beiden Söhne dann aber da waren, habe sich seine Einstellung etwas geändert. Vor allem auch, weil Daniela Frei ebenfalls wieder einer Arbeit nachgehen wollte. «Ursprünglich habe ich die Kinder in einer anderen Kita angemeldet», erzählt die Mutter. «Aber je näher der Eintrittstermin kam, desto schlechter wurde mein Bauchgefühl als Mami.» Durch eine Freundin wurde die Familie dann auf die Krippe in Oberbuchsiten aufmerksam. «Schon am Telefon habe ich gewusst, dass das unsere Kita wird», sagt Daniela Frei lachend. «Und beim ersten Besuch war es dann sonnenklar.»

Den Weg von Kappel nach Oberbuchsiten nimmt die Familie gerne auf sich. «Das war noch nicht ein einziges Mal zu viel für uns.» Die Betreuung sei stets sehr liebevoll, die Jungs fühlen sich wohl und die Eltern können sich auf die Tagesstätte verlassen. «Für unseren Kleinen ist die Kita Zauberstern wie eine zweite Familie geworden.» Weil dieser aber ab dem Sommer in den Kindergarten kommt, wird die Familie Frei auch ihn nicht mehr anmelden. «Das liegt wegen der Distanz einfach nicht mehr drin.» Dass «ihre» Kita aber in einen Engpass gerät, schmerzt die Kappelerin, die ihre Söhne gerne weiterhin dort in die Obhut geben würde.

«Vielleicht klappt es ja teilweise doch ab und zu für einen Tag», sagt sie hoffnungsvoll. Einem würde das sicher gefallen: Nicola besucht die Kita Zauberstern sichtlich gerne. «Wir basteln viel, singen, kochen und spielen.» Die Lieder singe er mittlerweile auch sogar zu Hause. «Es ist schön, zu sehen, wie viel er aus der Kita mitnehmen kann», schwärmt Mama Frei. Was ihm denn aber am Besten gefalle? «Dass es so viele Kinder hat», kommt es von Nicola wie aus der Kanone geschossen. Was aus der Sicht eines Viereinhalbjährigen aber als viel erscheint, könnte für die Leiter der Kita Zauberstern bald nicht mehr ausreichen.