Holderbank
Zu viele zu schnell unterwegs: «Raserstrecke» wird nun überprüft

19 Prozent aller Autofahrer waren in einem Zeitraum von zwei Jahren bei 33 Kontrollen zu schnell – zu viele für die Gemeinde Holderbank. Jetzt wird die Strecke überprüft.

Philipp Felber
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Ab hier gelten 50 km/h, doch so genau nimmt es offenbar ein Teil der Verkehrsteilnehmer nicht.

Ab hier gelten 50 km/h, doch so genau nimmt es offenbar ein Teil der Verkehrsteilnehmer nicht.

Bruno Kissling

50 km/h wären erlaubt. Doch so genau nimmt es ein Teil der Autofahrer in Holderbank nicht. Bei einer Kontrolle im August sind 707 Fahrzeuge innerorts gemessen worden. Davon waren 116 zu schnell, 111 erhielten eine Ordnungsbusse, 5 eine Anzeige. Ganze 16 Prozent waren bei dieser Messung zu schnell unterwegs. Eine hohe Ziffer, wie Andreas Mock von der Kapo Solothurn bestätigt.

«Wenn man an Ort und Stelle schaut, ist man erstaunt, wie schnell einige im Dorf unterwegs sind», sagt Urs Hubler, Gemeindepräsident von Holderbank. Vor einigen Jahren ereignete sich im Dorf ein schwerer Unfall. Danach hat der Gemeinderat angeregt, dass auf der Hauptstrasse nur noch 50 km/h erlaubt sind. Doch diese werden, wie obiges Beispiel aus dem August zeigt, von einem grossen Teil der Verkehrsteilnehmer nicht eingehalten.

Häufung an Hauptstrasse

Und die August-Messung ist kein Einzelfall: Seit 1. Januar 2015 hat die Kantonspolizei in Holderbank an der Hauptstrasse insgesamt 33 Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt, davon 31 in der Tempo-50-Zone, wie Andreas Mock mitteilt. Von den fast 14'000 gemessenen Fahrzeugen waren über 2600 zu schnell unterwegs. Also insgesamt 19 Prozent aller Verkehrsteilnehmer waren über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit.

«Von den zu schnell Gefahrenen erhielten rund 94 Prozent eine Ordnungsbusse, 6 Prozent lagen im Anzeigen-Bereich», so Mock weiter. Bei den angesprochenen Geschwindigkeitskontrollen seien die Werte jeweils sehr unterschiedlich. So liege der Anteil der Übertretungen pro Kontrolle zwischen rund 4 und 31 Prozent. Doch: «Insgesamt ist der Anteil Übertretungen – im kantonalen Vergleich für einen Innerortsbereich – hoch.»

Noch mehr Kontrollen

Das Rezept der Polizei, um diesen Hotspot für Verkehrssünder zu bändigen: weitere Kontrollen. Die Gemeinde sieht andere Lösungen, doch die wurden bis heute nicht umgesetzt. «Wir haben an beiden Ortseingängen angedacht, die Strasse baulich so zu verändern, dass weniger schnell gefahren wird», so Urs Hubler. Doch der Kanton sah das anders. Bauliche Massnahmen wurden nur am östlichen Dorfeingang umgesetzt, am anderen Ende des Dorfes, dort wo etwa auch die letzte Messung der Polizei stattfand, fehlen solche Bauten.

Laut Hubler habe sich die Situation durch die Bauten im Westen des Dorfes verbessert. Beim kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT) will man die Stelle nun überprüfen: «Für uns massgebend ist die Verkehrssicherheit», sagt Kurt Erni, Leiter Grundlagen/Verkehr beim AVT. Deshalb hat er im Zuge der Nachfrage dieser Zeitung in die Wege geleitet, dass die Unfallzahlen an diesem Hotspot detailliert untersucht werden sollen. Dies wird laut Erni in der nächsten Woche passieren. «Wir werden zudem das Gespräch mit der Gemeinde suchen und das weitere Vorgehen besprechen.»

Grundsätzlich sei es auch eine Frage der Prioritäten und der Mittel, wie Erni weiter mitteilt. «Wir setzen die Mittel in erster Linie dort ein, wo sich ein Unfallschwerpunkt zeigt.»

Für Holderbanks Gemeindepräsident Urs Hubler ist die Sache indes klar: Er sieht in den baulichen Massnahmen eine valable Möglichkeit, um das Tempo der Verkehrsteilnehmer zu drosseln. Denn er meint: «Es ist schon ein wenig eine Raserstrecke.»