Wolfwil

Zu Besuch auf der GoWildWest-Ranch — dem Tanzlokal mit Stallgeruch im Gäu

Auf der GoWildWest-DanceRanch in Wolfwil tanzen die Besucher nicht aus der Reihe.

Wenn der «Unter Uns»-Star im Tanzlokal der «Bauer, ledig, sucht»-Kandidatin Autogramme verteilt und der Ex-Mister Schweiz Schrägstrich «Bachelor» hinter dem Bartresen Drinks mixt: Dann klingt das im besten Fall nach einem Anlass zum Vergessen. Kein Interesse, merci! Aber man lässt sich ja zu so einigem überreden. So stattete ich der GoWildWest-DanceRanch in Wolfwil halt einen Besuch ab. Das Tanzlokal besteht seit 2014 und bietet von Dienstag bis Samstag Line-Dance- und Paartanz-Veranstaltungen an.

Und, Überraschung: Der deutsche Seriendarsteller Alexander Milo erwies sich als äusserst sympathisch, Isabel Steiner als freundliche und eher zurückhaltende Gastgeberin und der sehr bärtige Tobias Rentsch schüttelte mir einen vorzüglichen Gin Mule. Ausserdem beglückte er mich unaufgefordert mit einem Autogramm; melden Sie sich auf der Redaktion, wenn Sie es haben möchten. Meine Voreingenommenheit war wieder einmal völlig unbegründet gewesen.

Line Dance «super witzig»

«Schade warst du gestern nicht da, das war super witzig!» Alexander Milo stand an der Bar und tat sich an einem Fleisch-Käse-Plättli gütlich. Autogrammjäger waren keine in Sicht, auf dem Parkett tanzten Paare gekonnt zu «Camisa negra» und «Blue Bayou». Am Abend zuvor sei die Hütte voll und sein Typ sehr gefragt gewesen. «Die Leute haben mich so nett empfangen und es war tolle Stimmung bis ein Uhr!», meinte er sichtlich angetan. Er sei das erste Mal in der Schweiz. Sogar im Line Dancing habe er sich versucht. «Das war super witzig!» Heute Abend würde er sich sicher noch einen Wodka rot genehmigen. «Und dann mal schauen, ob ich noch tanze.»

Geschäftsleiterin Isabel Steiner kam dazu. «Ich schaue die Serie schon seit 15 Jahren, deshalb dachte ich, ich schreibe ihn einfach mal an», erklärte die zierliche 37-Jährige, während sie mich durch ihre Ranch führte. Im Shop führt sie Westernkleidung mit viel Blingbling, draussen gibts das Fonduestübli und eine Partyscheune. Auf dem Platz können die Besucher im Sommer ihre selbst mitgebrachten Speisen grillieren. Im angrenzenden Stall hält sie ein Pferd und zwei Ponys. «Ich reite, seit ich 13 bin», sagte sie

Früher sei sie Western geritten und habe an Wettkämpfen jeweils einen der ersten drei Plätze belegt. Später gründete sie eine Line-Dance-Showgruppe und war damit auch im Ausland unterwegs. Zum Reiten finde sie heute kaum mehr Zeit. «Ich mache hier alles selber, auch die Buchhaltung.» Tobias Rentsch sei seit rund einem Jahr ihr Geschäftspartner. Wenn er keine Anlässe betreue, stehe er hinter der Bar.

Vergangenen Sommer nahm Isabel Steiner bei «Bauer, ledig, sucht» als Kandidatin teil. Und, hat sie einen Mann gefunden? «Es melden sich extrem viele seit der Sendung», sagt sie. Über 900 Zuschriften habe sie erhalten, die meisten davon habe sie gar nicht beantworten können. «Aber ich bin autistisch» Als die Sendung lief, hätten viele Zuschauer kommentiert, dass sie ja gar keine Nähe zulassen könne. Sie habe sich dann psychologisch abklären lassen. Die Diagnose: Autismus. «Wenn ich arbeite, gehe ich auf die Leute zu. Aber privat müssen sie auf mich zukommen.» Sie gehe nie weg, wenn einer etwas von ihr wolle, dann müsse das erste Treffen hier in der Halle stattfinden. Für sie funktioniere nur ein langsames Annähern.

Isabel Steiner verabschiedet sich, sie hat noch zu tun. Eine gute Gelegenheit, den Ex-Mister Schweiz und «Bachelor» Tobias Rentsch nach seinem Liebesleben auszufragen. «Beim Bachelor habe ich natürlich mitgemacht, um die grosse Liebe zu finden», sagt er und deutet grinsend eine lange Nase an. Die Teilnahme habe sich auf jeden Fall gelohnt, sagt er lachend. Einzelheiten sind aber nicht aus ihm rauszukriegen

Zehn Jahre lang sei er im Management der Post tätig gewesen, führte 80 Mitarbeiter. Vor einem Jahr habe er dann «ins Blaue» gekündet. Isabel Steiner fragte ihn an, ob er ins Geschäft einsteigen wolle. Seinen neuen Job findet er «noch cool»: Einkaufen, hinter dem Tresen stehen, Gitarre spielen am Lagerfeuer. «Heute ist mein grösstes Problem: Sind die Ponys drin oder draussen?»

Es gibt sogar Torte

Die Tanzfläche war immer noch gut besucht, die Atmosphäre freundlich und familiär. Wer hungrig war, konnte sogar zwischen fünf verschiedenen Torten aussuchen. Und das mitten in der Wolfwiler Industrie. Es überraschte mich nun nicht mehr, dass ich auf den Parkplätzen auch Fahrzeuge mit Berner und Aargauer Kennzeichen gesehen hatte.

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