Classionata
«Zigeunerbaron»-Ensemble stürzt sich in die Operetten-Kostüme

Ohne Kostüme keine Operette. Solisten und Chor der Classionata Mümliswil haben sich deshalb zur Kostümprobe in Aesch BL getroffen. Die Operette «Der Zigeunerbaron» feiert am 18. April Premiere.

Hansruedi Aeschbacher
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Kostümprobe des «Ziegeunerbaron»-Ensembles
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Rouwen Huther wird mit viel Schaumgummi zum Schweinezüchter Zsupan.
Verena te Best hat sich in der Garderobe in «Arsena» verwandelt.
Zum Schluss gibts ein Foto zur Erinnerung an zwei vergnügliche Stunden.

Kostümprobe des «Ziegeunerbaron»-Ensembles

HR.Aeschbacher

Kleider machen Leute. Nirgendwo passt dieser Spruch besser als in einem Kostümverleih. Das zeigte sich wieder einmal mit dem Ensemble der Internationalen Musikfesttage Classionata Mümliswil, die am 18.April Premiere feiern mit dem «Zigeunerbaron» von Johann Strauss. Zwischen Bühnen- und Gesangsproben trafen sich die Solisten und später auch noch der Classionata-Festivalchor zur Kostümprobe bei der Firma Kostüm Kaiser in Aesch BL.

«Eine Operette ist ein grossartiges Gesamtkunstwerk» sagt Intendant und Chefdirigent Andreas Spörri. «Da muss die Musik stimmen, die Choreografie, der Gesang, der Tanz, das Bühnenbild und eben auch die Kostüme». Spörri ist fest davon überzeugt, dass schöne und echte Kostüme die Spielfreude der Darsteller beträchtlich steigern. Seit bald zehn Jahren ist für die Classionata-Kostüme die studierte Maskenbildnerin Katharina Börner zuständig. Sie, die tätig ist oder war am Nationaltheater Luxemburg, an der Staatsoperette Dresden und an den Nibelungenfestspielen Worms, hat den Verantwortlichen des Kostümverleihs Kaiser vorgängig ihre genauen Vorstellungen in Bezug auf die Kostüme dargelegt. Börner lege grossen Wert auf das Gesicht als Ausdrucksmittel der Darstellerinnen und Darsteller, meint Spörri. «Auch müsse zum Beispiel jede Perücke unbedingt zum Alter der Schauspielerinnen und Schauspieler passen. Ein falscher Hut oder ein unpassendes Accessoire am falschen Ort könne den Gesamteindruck enorm stören», weist der Chefdirigent auf kleinste Details hin.

In der Operette «Der Zigeunerbaron» wirkt neben den zehn Solisten auch noch der zwanzigköpfige Festivalchor mit. Die Miete der zum Teil sehr hochwertigen Kostüme und die dazu passenden Accessoires sind für die ganze Dauer der Musikfesttage in Mümliswil eine nicht eben billige Angelegenheit, wie ein Blick auf die Preisliste zeigt. «Das ist richtig. Es ist ein ganz beträchtlicher Betrag im Budget der Classionata», sagt Intendant Andreas Spörri. Konkrete Zahlen will er aber nicht verraten. Zahlen verrät dafür Bruno Gschwind, Inhaber der Firma Kostüm Kaiser, aber nur Stückzahlen. «Für die Classionata Mümliswil liefern wir über fünfzig Kostüme und eine grosse Zahl an Perücken, Hüten, Säbel, Schmuck, Schuhen, Handschuhen, Gürteln und Schnallen». – Im Fundus der Aescher Firma befinden sich um die 40 000 Kostüme.

Den totalen Überblick über den ganzen Fundus hat nicht nur Inhaber Bruno Gschwind, sondern auch seine Mitarbeiterin Antonella Desideria. Während der rund zweistündigen Kostümprobe wieselt sie unermüdlich zwischen den hohen Regalen hin und her, steigt auf Leitern, bückt sich nach den untersten Schubladen und erfüllt jeden noch so kleinen Kleiderwunsch der Solisten und von Regisseur Thomas Mittmann. «Ein Superladen hier», meint der Deutsche kurz und trocken.

Der Balsthaler Hans Bussmann gehört seit 2001 zum Ensemble der Classionata Mümliswil. In der Operette «Der Zigeunerbaron» spielt er Istvan, den Knecht des Schweinezüchters Zsupan. Während «Knecht» Bussmann mit einer eher schäbig wirkenden Baumwollbluse, braunen Hosen und groben Schuhen schnell eingekleidet ist, dauert es bei seinem «Chef» Zsupan wesentlich länger. Gewichtiger Grund: Der grossgewachsene und ehemals schwergewichtige Darsteller Rouwen Huther hat in den letzten Monaten einige Dutzend Kilos abgespeckt. Die fehlenden Körpermasse konnten aber mit viel Schaumgummi an Hals und Schultern und einem raffinierten Umhängebauch aus dem Kostümfundus wieder wettgemacht werden.

«Darin kann ich nicht singen, ich brauche ein Décolleté», scherzt derweil das Zigeunermädchen Saffi alias Luisa Albrechtova wegen ihrer zu hochgeschlossenen Bluse. Der Wunsch wird ihr sofort erfüllt. Ein zu enges Gilet hier, ein zu weiter Rock dort, eine unvorteilhafte Gürtelschnalle oder drückende Stiefel – nach rund zwei Stunden haben alle Solisten ihre passende Garderobe zusammen.

Nachdem die erste zehntägige Probephase für den «Zigeunerbaron» kürzlich zu Ende gegangenen ist und das Grundgerüst mit Solisten und Chor gelegt ist, meldet sich nach Angaben von Chefdirigent Andreas Spörri das ganze Ensemble am 11. April wieder zurück in Mümliswil. Dann beginnt der intensive Schlussspurt mit einem siebentägigen Probemarathon. «Die bisher tolle Zusammenarbeit mit allen Beteiligten verspricht unterhaltsame musikalische Aufführungen», meint ein zuversichtlicher Andreas Spörri. Am 18. April wird in der Konzertaula des Schulhauses Brühl in Mümliswil Premiere gefeiert. Danach folgen noch neun Vorstellungen und dazwischen das Sinfoniekonzert unter der Leitung von Andreas Spörri am 22. April in der katholischen Kirche in Mümliswil.