Oensingen
Zieht hier statt einem Sex-Klub bald der Werkhof ein?

Aufgrund von vielen Einsprachen hat der Betreiber des geplanten Sex-Klubs das Baugesuch zurückgezogen. Nun will der Gemeinderat Oensingen die Halle der Brunner Transport AG kaufen und als Werkhof nutzen.

Erwin von Arb
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Bruno Kissling

Eigentlich wollte die Gemeinde Oensingen ihren neuen Werkhof auf dem sogenannten Marti-Areal an der Kestenholzstrasse realisieren. Der erste Schritt dazu war im Jahr 2011 mit dem Kauf des rund 3200 Quadratmeter grossen Landstücks sowie den Erwerb der ehemaligen Saeco-Halle (2500 m2) erfolgt.

Diese Pläne wurden allerdings durch die geplante Entlastungsstrasse von Oensingen vereitelt, welche von der Jurastrasse kommend mitten über das Gelände führen soll. Bereits seit einiger Zeit ist indes bekannt, dass der aktuelle Standort des Werkhofs infrage gestellt ist, was die Gemeindeversammlung mit mehreren Entscheiden bekräftigte.

Verhandlungen im Hintergrund

Gemeindepräsident Fabian Gloor hatte Anfang Jahr durchblicken lassen, dass sich die Gemeinde mit Blick auf die verkehrstechnische wichtige und positive Bedeutung der Entlastungsstrasse mit der neuen Situation arrangiert habe.

Gloor erwähnte damals auch, dass im Hintergrund Gespräche geführt würden für den Erwerb einer bestehenden Liegenschaft, welche sich für die angestrebte Zusammenlegung des Werkhofs an einem Standort eignen würde. Um welches Gebäude es in Oensingen handelt, wollte Gloor damals noch nicht verraten.

An der Gemeinderatsitzung vom vergangenen Montagabend wurden die Karten nun auf den Tisch gelegt. Beim besagten Objekt handelt es sich um die Halle der Brunner Transport AG an der Hirsackerstrasse 26. Diese war im September 2017 in die Schlagzeilen geraten, weil ein Zürcher Unternehmer darin einen Sex-Klub einrichten wollte.

Der Widerstand gegen das Projekt in den sozialen Medien sowie die rund 30 eingereichten Einsprachen schreckten den Sex-Klubbetreiber offenbar derart ab, dass er das Baugesuch schriftlich zurückzog, wie der Leiter Bau Andreas Affolter auf Anfrage erklärt.

Verhinderung war nicht das Ziel

Schon vor dem Rückzug des Baugesuchs war im Gemeinderat die Idee aufgekommen dieses Gebäude zu erwerben, um darin den Werkhof der Einwohnergemeinde einzurichten. Im Fokus sei nicht primär die Absicht gestanden, den geplanten Sex-Klub zu verhindern, sondern ein Gebäude zu finden, in welchem der Werkhof zentral und zweckmässig als Gesamtes untergebracht werden könnte, betonte Gemeindepräsident Fabian Gloor.

Inzwischen haben sich die Gemeinde und der Liegenschaftsbesitzer auf einen Kaufpreis von 2,73 Millionen Franken geeinigt. In diesen Preis enthalten sind die 2712 Quadratmeter grosse, als Stahlbau ausgeführte Halle sowie 1292 Quadratmeter unbebautes Land. An der Gemeindeversammlung vom 25. Juni muss für das Projekt ein Gesamtkredit von 2,915 Millionen Franken beantragt werden. 170'000 Franken davon sind für Umbaumassnahmen vorgesehen, 30'000 Franken für Inventar und die Einrichtung. Dabei geht es primär um den Einbau eines Aufenthaltsraums sowie Garderoben für das Werkhofpersonal.

 Diese Halle war letzten Herbst in die Schlagzeilen geraten, weil ein Zürcher Unternehmer darin einen Sex-Klub einrichten wollte.

Diese Halle war letzten Herbst in die Schlagzeilen geraten, weil ein Zürcher Unternehmer darin einen Sex-Klub einrichten wollte.

Bruno Kissling

Bauverwalter Andreas Affolter erwähnte an der Ratssitzung, dass sich die Liegenschaft bestens für die Einrichtung des gesamten Werkhofs eigne. Im Zuge der Zentralisierung könnten die vom Werkhof genutzten Lager in der ehemaligen Saeco-Halle sowie diverse Aussenlager aufgelöst werden.

Zudem gebe es Handlungsbedarf, weil das aktuelle Werkhofgebäude an der Hauptstrasse 88 diverse Mängel aufweise. Unter anderem seien Risse im Boden des Erdgeschosses festgestellt worden, was mit Blick auf die dort abgestellten Fahrzeuge genauer untersucht werden müsse, wenn der Werkhof hier verbleibe.

Kritische Stimme zum Zeitpunkt

Aus der Mitte des Gemeinderates wurde der Zeitpunkt des Kaufs der Liegenschaft infrage gestellt. Schliesslich sei der geplante Neubau des Werkhofs anfangs dieses Jahres aufgrund der finanziell angespannten Situation der Gemeinde verschoben worden. Ob die Gemeindeversammlung dafür Verständnis habe, sei fraglich, so eine kritische Stimme im Gemeinderat.

2,73

Millionen Franken will der Gemeinderat für die Halle samt Umschwung bezahlen.

Georg Schellenberg, Gemeinderat und Ressortleiter Infrastruktur, meinte hingegen, dass dieses Projekt für den Umzug des Werkhofs in die Hallen an der Hirsackerstrasse eine gute Antwort auf die veränderte Situation sei im Sinne einer zweckmässigen und wirtschaftlichen Lösung.

Zudem würde der Neubau eines Werkhofs auf grüner Wiese gemäss vorliegenden Berechnungen fast das Doppelte an Kosten verursachen. Die Gemeinde müsse diese Chance nutzen, ansonsten werde die Liegenschaft an andere Interessenten veräussert. Solche gebe es, so Schellenberg.

In der anschliessenden Abstimmung wurde der Gesamtkredit von 2,915 Millionen Franken für den Kauf der Liegenschaft samt Umschwung sowie die erwähnten Umbauarbeiten und Einrichtungen mit fünf Ja-Stimmen und einer Enthaltung zuhanden der Gemeindeversammlung verabschiedet. Die Abteilung Bau wurde beauftragt, mit der Eigentümerschaft einen Kaufvertrag über 2,73 Millionen Franken auszuarbeiten.

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