Wir leben heute in einer Zeit von Easyjet und Billigflügen. Kurztrips zum Shoppen nach London oder gar New York sind kein Problem», stellt Regierungsrat Remo Ankli fest. Er sprach anlässlich der Eröffnung des Oensinger Zibelimärets, die wie üblich im Zelt der Gewerbeausstellung stattfindet. Um es auf den Punkt zu bringen, bedient er sich einer bekannten Redewendung: «Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.»

In diesem Kontext kann eigentlich nur etwas mit dieser Aussage gemeint sein: der Einkaufstourismus, besonders im grenznahen Ausland. Ankli berichtet über einen kürzlich erschienen Artikel. Darin wurde berichtet, dass in den vergangenen zehn Monaten 2,5 Millionen Menschen die Tramlinie von Basel nach Weil am Rhein benutzten. Ein grosser Teil davon seien natürlich Pendler, die anderen aber eben Einkaufstouristen. Dies habe zur Folge, dass in Basels Innenstadt immer wie mehr Läden schliessen müssen.

Das Ganze werde jetzt noch von den Basler Verkehrsbetrieben auf die Spitze getrieben, indem sie die Frequenz auf einen 7,5 Minuten-Takt erhöhen. «Ich bin ein liberal denkender Mensch. Auf keinen Fall möchte ich, dass die Grenze geschlossen wird. Doch kann es nicht sein, dass diese Entwicklung von staatlichen Betrieben gefördert wird», erklärt der Beinwiler. Weiter hält er als Vorsteher des Bildungsdepartements fest, dass er das Reisen befürworte – da dies ja bekanntlich bildet. Jedoch sei auch das Umliegende nicht zu verachten. Was die Region alles zu bieten hat, sei jeweils an den Gewerbeausstellungen zu sehen, die Ankli aus diesem Grund als Leistungsschau bezeichnet.

Um die Ernsthaftigkeit seiner Botschaft zu unterstreichen, plaudert Ankli aus seinem privaten Nähkästchen – er befindet sich aktuell im Hausbau. «Das Haus wird ausschliesslich mit regionalen Betrieben und Handwerkern gebaut», erzählt der Regierungsrat und schwärmt gleichzeitig von der Qualität und Sorgfalt, die dabei an den Tag gelegt wird. Das erkenne er sogar als Nicht-Fachmann.

«Kaum stehen wir morgens früh auf, werden wir mit zahlreichen negativen Meldungen konfrontiert und diese regen wiederum negative Gedanken an», hält Oensingens Gemeindepräsident Markus Flury im zweiten Teil des Eröffnungsakts fest. Aktuelles Thema: die Flüchtlingskrise – Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben in Sicherheit sind. Andererseits werden Ängste geschürt. Man fürchte, dass das Erreichte weggenommen wird, teilen wolle man nicht. «Dabei vergessen wir gerne, dass uns dasselbe Schicksal ereilte. Denken wir an die Vergangenheit zurück, als Tausende unserer Vorfahren die Heimat verliessen und Richtung Amerika aufbrachen – in der Hoffnung dort ein besseren Leben führen zu können», erläutert Flury.

Um dieses Problem zu lösen, sei viel Arbeit nötig. Und dies sei nur mit einer gesunden Wirtschaft möglich. Aus Flurys Sicht liegt der Grundstein dafür im Gewerbe und den diversen grösseren und kleineren KMU, die sich nicht nur durch ihre Zulieferfunktion qualifizieren, sondern genauso durch ihr Handwerk.

An dieser Stelle würdigt der Gemeindepräsident den hiesigen Gewerbeverein, der sich durch innovatives Denken und Handeln auszeichne und dadurch ein Musterbeispiel darstelle. «Das ist die beste Werbung für unsere Gemeinde», lobt Flury. Er persönlich glaube nicht, dass sich das rechne, wenn man ins grenznahe Ausland einkaufen geht. Er ist überzeugt davon, dass jeder Einzelne einen Beitrag im Alltag beitragen könne, um die Wirtschaft aufrechtzuerhalten bzw. den Lebensstandard.