Zeichnungen
Galerie Rössli in Balsthal zeigt, wie aus Haaren Bilder werden

Monika Feucht zeigt in der Galerie Rössli ab 15. August neue Zeichnungen.

Eva Buhrfeind
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Monika Feucht zeigt in der Galerie Rössli ihre ganze zeichnerische Meisterschaft. Zum Beispiel mit Schmetterlingen.

Monika Feucht zeigt in der Galerie Rössli ihre ganze zeichnerische Meisterschaft. Zum Beispiel mit Schmetterlingen.

Eva Buhrfeind

Es ist ein seltsam Ding mit diesen Bleistiftzeichnungen und Graphitarbeiten der Luzernerin Monika Feucht. Man entdeckt seltsam beseelt wirkende, wesenhafte wie auch erlebte landschaftliche Impressionen. Haariges, rätselhaft grosse Schmetterlinge, düster schattige Berge wie Kulissen eines magischen Schauspiels. Es sind feinstimmige Arbeiten auf Papier, die zeichnerische Raffinesse, eine intensive Vertiefung in die thematischen Inspirationen wie in den variationsreichen zeichnerischen und meditativen Prozess aufweisen.

Haare als Metapher für das Wachsen und Bewegen

Monika Feucht in der Galerie Rössli Balsthal

Monika Feucht in der Galerie Rössli Balsthal

Eva Buhrfeind

Denn Auslöser und Basis von Monika Feuchts künstlerischem Schaffen sind seit vielen Jahren Hinterköpfe mit den verschiedensten Haaren, deren feine und dichte Strukturen, die Bewegungen und Überlagerungen des Wachsens und der Wirbel. Das alles lässt sich in der Gestik des Zeichnens wiederfinden und wird zu variationsreichen Metaphern, die durchaus etwas Narratives in sich tragen. Wirkungsvoll im Wechselspiel von filigranen und konzentrierten Schraffierungen, von freier weisser Fläche und grauen Nuancen, mit dem Bleistiftgestus gewachsen aus dem Weiss des Papiers, das gleichzeitig als Teil des Narrativs die formale Gesamtkomposition trägt. Mit «Topos» ist diese Ausstellung getitelt und so geht es hier eben auch um die Interpretation von Orten und topografischen Momenten. Orte, an denen sie «wirklich war» wie an den präsentierten Winterlandschaften, deren weisse Schneeflächen und fragmentarisch-topografischen Motive sie mit dem Bleistift und dem Weiss des Papiers zu wundersamen Landschaftsausschnitten fixiert. Zu Orten im übertragenen Sinn deren Bildwirkungen seltsam vertraut in den zeichnerisch angedeuteten, holzschnittartigen Verweisen und doch von einem unergründlichen Reiz des Undinglichen sind.

Eine komplexe zeichnerische Kraft

Dabei tragen diese Landschaften mit ihren feinhaarigen Andeutungen durchaus etwas Wesenhaftes in sich – eine Natur im mehrdeutigen Sinn, um mit dem Stift, teils mit dem Pinsel «das Wesen aller Dinge» zu beschreiben. Und so wie sich Monika Feucht zeichnerisch wie thematisch vom Topos des haarigen Hinterkopfs zur Landschaft, zur Natur wandelt, das Erzählerische mit dem Sinnlichen verwebt, so erleben die Betrachtenden diese Bildgeschehen als ebenso metaphysische wie reizvolle Metamorphose: die Symbiose von Natur, Landschaft und seltsamen Daseinsformen, märchenhaften Stimmungen mit mystischen Untertönen. Auch wenn in Monika Feuchts Arbeiten die Grenzen des Eindeutigen aufgehoben scheinen, so sind sie als Teil des ambivalenten Ausdrucks gleichermassen auch reine winterlandschaftliche Topografien, lebendig wirkende, minutiös gezeichnete Schmetterlinge und beweisen wie das fein ziselierte körperartige Haar oder die romantisierten Berge eine komplexe zeichnerische Kraft beinhalten. «Das Wesen aller Dinge» als künstlerische Intention.

Das plastische Schaffen «Spiriti dei marmi» hingegen, inspiriert von zeichenhaften Spuren in den Marmorabdeckungen ihres Genueser Ateliers, hat die 1956 geborene Künstlerin über zeichnerische Reflexionen in ein Ensemble eigenwilliger, theatralischer Figurationen verwandelt, die mit dem Licht und Schatten ebenso spielen wie mit der Fantasie.

Bis 5. September. Vernissage So 15. Aug. 11.30 Uhr. Offen: Fr 18-21 Uhr, Sa 15-18 Uhr, So 11-14 Uhr. Die Künstlerin ist am Sonntag, 29.8., anwesend.

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