Anders als im Thal, wo alle Einwohnergemeinden einen finanziellen Beitrag zur Jugendarbeit leisten, gibt es im Gäu kaum Angebote für die Jugendlichen. Einzig Oensingen hat eine funktionierende Jugendarbeit. Die Meinungen im Gäu spalten sich. Es gibt Gemeinden, die mit der Situation so zufrieden sind. Andererseits gibt es aber auch Gemeinden, die das Angebot vergrössern möchten und dies momentan in den zuständigen Kommissionen prüfen.

Im Thal funktioniert die Jugendarbeit einheitlich (wir berichteten). Die Arbeitsgruppe Thaler Jugend, welche dem Verein Region Thal untersteht, bietet in jeder Thaler Gemeinde offene Jugendarbeit an. Jugendräume gibt es in Holderbank, Laupersdorf und Balsthal. Mit dem Zusammenschluss mit dem Verein für Jugend und Freizeit mit Sitz in Wohlen, hat sich das Angebot für die Jugend zudem vergrössert. Die Thaler Gemeinden unterstützen den grossen Aufwand der Jugendarbeit mit einem grossen finanziellen Beitrag von insgesamt knapp 124'000 Franken.

Intaktes Vereinswesen im Dorf

Anders als im Thal untersteht das Gäu keinem einheitlichen Verein, weshalb jede Gemeinde für sich selbst verantwortlich ist. Deshalb unterscheidet sich das Angebot von Dorf zu Dorf. Die meisten Gemeinden sind sich jedoch einig: «Wir haben sehr viele Vereine, die der Jugend genug bieten können», sagt beispielsweise Wolfwils Gemeindepräsident Georg Lindemann. «In den Vereinen sind die Jugendlichen gut aufgehoben. Sie können sich betätigen, können Kontakte knüpfen und sind so im Dorf verankert.»

Wolfwil sei zudem ein Dorf, wo sich Jung und Alt gut vermische. Für weitere Angebote sei ausserdem nie eine Anfrage gekommen. «Ich wäre sonst der Letzte, der Angebote für die Jungen verhindern würde», so Lindemann weiter.

Auch in Oberbuchsiten ist man der Meinung, die örtlichen Vereine vermögen der Jugend genügend Abwechslung und Austausch zu bieten. «Unsere Jugend weiss, wie man sich beschäftigt», sagt Gemeindepräsident Daniel Lederer und lacht. Ausserdem seien die Jugendlichen heute mobiler und deshalb nicht ausschliesslich auf Angebote innerhalb des Dorfes angewiesen.

Auch in Kestenholz und Härkingen sind die jeweiligen Gemeindepräsidenten zuversichtlich, dass das Vereinswesen genügend Freizeitangebote für Jugendliche bietet. «Eine Jugendarbeit auf die Beine zu stellen braucht viel Zeit und Geld», sagt Arno Bürgi, Gemeindepräsident von Kestenholz. Härkingens Gemeindepräsident Daniel Nützi betont aber: «Die Vereine, die sich sehr gut um die Jugendlichen kümmern, werden von der Gemeinde unterstützt. Wir leisten also indirekte Jugendarbeit.»

Jugendräume als Treffpunkte

Auch Beat Haller, Präsident der Kultur-- und Sportkommission in Neuendorf, spricht die finanzielle Lage an: «Das Fehlen einer Jugendarbeit ist ein Finanzproblem.» Er bedaure, dass auch Neuendorf, nebst einem Jugendraum, welcher von der Jubla und dem Verein JA betrieben werde, kein breiteres Angebot habe.

«Alle Freizeitangebote basieren auf Vereinen, das wollen wir ändern», erklärt Haller. «Die Idee steckt zwar in den Kinderschuhen, aber wir sind am überlegen, ob man eventuell einen Freizeitpark auf die Beine stellen könnte.» Auch in Egerkingen tut sich etwas, wie Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi erzählt. «Wir haben zwar kein Budget, dafür aber den Willen etwas zu tun». Bis anhin stellte die Gemeinde das alte Schützenhaus als Jugendraum zur Verfügung. Dieses wurde jedoch nur zu Privatzwecken genutzt, weshalb jetzt ein neues Projekt aufgegleist werden soll.

Vor den Sommerferien werden in den Schulen Umfragen geführt, um gemeinsam mit den Jugendlichen zu erarbeiten, was gebraucht werde. Die Jugendlichen in Niederbuchsiten können sowohl von einem breiten Vereinsangebot als auch von einem Jugendraum profitieren, der von den Leitern des Herbstlagers betreut wird. Die Gemeinde hat einen einmaligen Beitrag zur Einrichtung geleistet und stellt die Räumlichkeiten nun unentgeltlich der Nutzung zur Verfügung. «Die Vereine ziehen Junge nach. Das stärkt das Dorf», so Gemeindepräsident Markus Zeltner.

Am vorbildlichsten sieht die Situation wohl in Oensingen aus: Mit einem jährlichen Beitrag von 130'000 Franken wird die gesamte Jugendarbeit finanziert. Für die Jungen sei der Jugendraum der wichtigste Treffpunkt. Diesen hätten sie zwar im Zuge der Budgetkürzungen beinahe verloren, die Jugendlichen haben sich aber stark für dessen Erhalt eingesetzt. «Das beweist, dass unser Angebot in diesem Bereich sehr attraktiv ist», sagt Gemeindepräsident Fabian Gloor.

Die Nähe zur Schulsozialarbeit biete den Jugendlichen sowohl Austausch als auch Unterhaltung und Unterstützung. Dass teilweise bis zu 40 Kinder den betreuten Jugendtreff am Mittwochnachmittag besuchen, zeigt, dass die Nachfrage gross ist. Für die Oberstufenschüler ist der Raum jeweils am Samstagabend ab 20 Uhr geöffnet.

Seelsorge von Kirchgemeinden

In den Einwohnergemeinden leisten hauptsächlich die Vereine Jugendarbeit. Nebst diesen bieten aber auch die Kirchgemeinden Freizeitangebote. So gibt es beispielsweise die Jugendgruppe der reformierten Kirchgemeinde Gäu oder die Jugendseelsorge des Pastoralraums Gäu. Sie begleiten die Jungen auf ihrem Glaubens- und Lebensweg und bieten sowohl eine Anlaufstelle bei Problemen als auch diverse Aktivitäten, wie beispielsweise das Midnight-Basket, welches heute, Samstagabend, ab 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle in Oberbuchsiten stattfindet.