750-Jahr-Jubiläum
Wolfwilerinnen stricken ihr Dorf farbig ein

«Inestäche, omeschloh, dorezieh ond abeloh»: Nach diesem Motto verzierten 30 Helferinnen das Aaregäuer Dorf mit bunten Strickarbeiten.

Gabriela Strähl
Drucken
Teilen
Wolfwil wird eingestrickt
5 Bilder
Brigitte Kölliker (links) und Zita Müller vor den eingestrickten Säulen der Mehrzweckhalle in Wolfwil.

Wolfwil wird eingestrickt

Bruno Kissling

Bunte Farben auf allen Seiten: So sieht es aus, wenn man ins Dorf einfährt. Von Laternenpfosten über Säulen, Gartenzäune und Geländer – nur weniges wurde nicht in einen Mantel von farbenfrohen Strickwerken gehüllt. Die Vielfalt an Mustern reicht von Streifen bis zu zierlichen Blümchen. Dies ist das Werk von 30 Helferinnen, die das Dorf im Hinblick auf das Jubiläumsfest des 750-jährigen Bestehens von Wolfwil verzierten. Die übrig gebliebene Wolle soll nicht etwa weggeworfen werden, sondern Flüchtlingen in Form von Schals, Mützen und Ähnlichem zugutekommen.

Seit letzten Februar arbeiteten die Helferinnen teilweise mit Unterstützung ihrer Kinder an der Verzierung des Dorfs. Im Vorfeld sammelten sie Wolle, welche hauptsächlich von Anwohnern in Wolfwil, aber auch von benachbarten Gemeinden gespendet wurde. Dabei kam eine grosse Menge an Material zusammen. «Wir haben alle Wolle geschenkt bekommen und mussten keinen Rappen dafür bezahlen», so Zita Müller, die die Organisation übernahm.

Sie organisierte die fünf Treffen im letzten Jahr, wo die Helferinnen zum Stricken zusammenkamen, fotografierte die Pfosten und Geländer, die es einzustricken galt, und gab die Wolle an die Interessierten ab. Letzte Woche galt es, die Verzierung abzuschliessen und das Gestrickte mit Knöpfen, Schnüren und Kabelbindern im Dorf aufzuhängen, was rund 35 Stunden in Anspruch nahm.

Stricken für Flüchtlinge

Nun ist das Einstricken des Dorfs abgeschlossen. Allerdings ist noch nicht alle gesammelte Wolle aufgebraucht. «Es wäre schade, all die Wolle wegzuwerfen, die wir noch übrig haben», so Müller. «Manche kritisieren, dass das Einstricken eine Verschwendung der Wolle ist. Deshalb möchten wir mit der übrig gebliebenen Wolle Flüchtlingen helfen, sich im kalten Schweizer Winter warm zu halten.»

Jubiläumsfest

Vom 24. bis 26. Juni feiert Wolfwil das 750-jährige Bestehen. Teil des Fests sind auch die Ernte und der Verkauf der Kohle, die ab dem 18. April im Dorf gebrannt wird. Interessierte können am Köhlerfest vom 18. bis 28. April einen Einblick in den Prozess gewinnen.

Nach den Sommerferien veranstalten die interessierten Helferinnen ein Treffen, um für die Flüchtlinge in der Umgebung von Wolfwil Mützen, Schals, Decken und Pullover zu stricken. Es ist aber schon vorher möglich, sich bei Zita Müller zu melden und erste Strickarbeiten in Angriff zu nehmen.

Gemeinschaftsgefühl beim Stricken

Damit wollen sie aber nicht nur die Wolle aufbrauchen und etwas Gutes tun, sondern auch die regelmässigen Treffen weiterführen. «Beim Stricken konnten wir Leute näher kennen lernen, die wir vom Sehen schon kannten, aber mit denen wir bis dahin kaum geredet hatten», so Brigitte Kölliker. Sie freut sich über das Gemeinschaftsgefühl, welches durch das gemeinsame Stricken innerhalb der Gruppe entstand. Als Verein organisiert sind sie allerdings nicht. Jede Person strickte und half so viel, wie sie selbst wünschte.

Dies soll auch zukünftig so bleiben. «Monatliche Treffen sind nicht geplant, aber es ist ein Ziel, mehrmals jährlich zusammenzukommen», so Karin Kissling, Tochter von Zita Müller, welche ebenfalls beim Einstricken mithalf. Wie auch beim Verzieren des Dorfs wird es weiterhin so sein, dass die Hauptarbeit nicht während der Treffen geleistet wird. Vielmehr werden dort die Ideen besprochen und gemeinsam in Angriff genommen, während das meiste zu Hause fertiggestellt wird.

Doch vorerst freuen sich Müller, Kölliker und Kissling auf das Jubiläumsfest. Passend zum Jubiläum findet sich in Wolfwil ein grosses gestricktes Dorfwappen sowie ein Schaufenster zum Thema. In diesem Schaufenster sind Hocker zu sehen, welche im Hinblick auf das Fest ebenfalls mit Strickwerken verziert wurden.